Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1846)
- Date
- 1846-08-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2<>7 Ganz so Verkält es sich mü dem Sechstage - Werk. Ob Gott in sechs oder in acht Tagen die Welt geschaffen, das wadrlich ist der Religion ganz gleichgültig und die Naturwissenschaft weist diese Vorstellung als eine vollständig irrtümliche nach. Ob Gott die irdischen Tinge in dieser oder jener Reihefolge geschaffen, ist der Religion abermals gleichgültig und die Naturwissenschaft weist abermals das Irrtümliche und Unmögliche der biblischen Vorstellung nach. Wie kommt nun diese Erzählung in die heilige Schrift? Weil sie benutzt ist, eine Wahrrheit durch sie dem Bewußtsein einzuprägen, deren Sieg die einzige Aufgabe des Judenthums ist. Es ist die: Es gibt nur einen Gott für alle Menschen. Alle Menschen sind Brüder. Alle haben sie ihre Kräfte von dem einen Vater erhalten. Liebe deinen Bruder wie dich selbst; betrachte die Kräfte des Bruders als aus derselben Quelle entsprossen und daher eben so berechtigt wie die Deinigen, ist die Devise des Monotheismus, der ins Praktische übersetzte Gedanke von der Wahrheit: Es gibt nur einen Gott. Tieft Gedanken sind der Kern desJudenthums. Sie menschlich und seinen Zeitgenossen faßlich darzustellen benutzt der Mosaismus die Dichtung vom Sechstagewerk— worauf es aber ankommt, ist jedem Unbefangenen klar. Gott allein hat Alles ge-? schaffen. Und Gott sah Alles, was er gemacht hatte, j und es war sehr gut und sein Werk ist vollendet und j vollkommen. Dieses die ersten zwei Gedanken, welche j die Schöpfungsgeschichte proclamiren und durch Einsezzung des Sabbaths bezeugt wissen will. Alles was Gott gemacht ist gut; aber es ist nicht gut ohne Beihilfe des Menschen. Die Arbeit des Menschen, daß er alle von Gott ihm verliehene Kräfte ausbilde und gebrauche, gehört also mit in den weisen Plan des Schöpfers, ist der dritte Gedanke, den die Schöpfungsgeschichte proclamirt. Doch nur die Arbeit ist gut, wo der Mensch freiwillig arbeitet, wo er die Arbeit als das seinem Wesen Gemäße betrachtet, wo er arbeitet aus innerer Lust, um die ihm verliehene Schöpfergabe, seine Ebenbildlichkeit mit Gott, zu betkätigen. Fragen wir nun, wie sich zu dieser Sabbathsidee das Leben verhält, so wird sich gleich zeigen, daß es überhaupt keinen Sabbath mehr gicdt, nicht nur bei denen, welchen der Sabbath ein Werketag geworden, sondern auch bei denen, die den bisherigen Sabbath mehr oder minder beobachteten. Die Arbeit ist eben so nothwendig zur rechten Sabbathsfeier als die Ruhe. Der Sabbath ist nur die beständige Uebung, daß wir uns gewöhnen, nur aus reinem innerem Antriebe zu arbeiten. Er ist ein (roaO Zurnckkehren in uns selbst. Ist nun da noch der rechte Sabbath, wo vermöge der eigenthümlichen Verhältnisse, in denen wir leben, nicht nur am Sabbath nicht gearbeitet wird, sondern auch noch ein Tag in der Woche die Kraft, die Gott gegeben, daß sie zum Wohl der Menschheit gebraucht werde, unbenutzt liegen bleibt? Doch es wäre Unrecht hierauf weiter einzugehen. Wer den bisherigen Sabbath noch feiern kann und will, den wollen wir in seiner Gewissensruhe gewiß nicht stören. Wie steht cs aber mit dem übrigen Theil und ich darf wohl sagen mit der Majorität der deutschen und französichen Judenheit? In derThat, es ist diesem Conflict nur durch die Verlegung abzuhelfen. Der Verfasser geht nun auf die Widerlegung der Bedenken ein, welche gegen die Verlegung erhoben worden, und äußert darüber u. A. „Dadurch daß wir den Tag der Majorität feiern, sagt man, wird sich das Jndenthnm in diese Majorität verlieren. Eine eigenthümliche Furcht! Das Christentum freilich, das überhaupt seit 1800 Jahren mit dem Judenthume nicht fertig werden konnte, war von dieser Furcht befangen, und nur seine Selbstständigkeit dem Judenthume gegenüber zu manifestiren, führte es den Sonntag als einen Tag der Auferstehung ein. Aber fühlt sich das Judenthum zu schwach, daß seine Selbstständigkeit von der äußern Feier dieses oder jenes Tages abhängen soll? Ist die dogmatische Gruudverschiedenheit uns denn nicht zum Bewußtsein gekommen? Sind denn die verschiedenen christlichen Sekten dadurch in einander aufgegangen, daß sie alle den Sonntag feiern? Haben sich denn Rabbaniten und Karäer vereinigt, weil sie Beide einen und denselben Tag feierten? — Dieser entwickelten Theorie gemäß stellt nun der Verfasser seine Anträge in Beziehung auf den Sabbath, aus welchen wir als den bedeutendesten folgenden hervorheben: Die Versammlung wolle erklären, die Sabbathsidee könne auch an jedem andern Tage zum Ausdruck kommen. Daß daher keine Gemeinschaft aus dem Verbände des