Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1846)
- Date
- 1846-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567052--2230-2570251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 5. Höret, was ich euch will sagen! Die Glock' hat Zwei geschlagen. Und wessen Kopf, noch eh' eS tagt. Denkend und sorgend stark sich plagt, Die Selbstsucht scheut, den Stolz auch flieht, In unserm Bund nie sei geliebt. 6. Höret, was ich euch will sagen! Die Glock' hat Drei geschlagen. Die Morgenstund am Himmel schwebt. Daß nicht daS Licht den Tag erlebt, Sei unser Werk. Darum fasset Muth, Küßt die Zizith — esset gut! Des ®r. S. Hirsch Votum über die Sabbath frage. Herr Oberrabbiner S. Hirsch in Luxemburg war durch Familicnverhältnisse behindert, an der dritten Rabbiner - Versammlung Theil zu nehmen. Er bethätigte sich aber doch bei derselben dadurch, daß er seine Ansichten und Anträge über die Sabbatbfrage in Form eines Votums als Manuscript drucken und der Versammlung überreichen ließ. Dieses Votum ist aber in einem so entschiedenen freisinnigen Geiste abgefaßt, daß wir cs uns nicht versagen können , es gleich den Holdheimischen in seinen Grundzügen mirzutheilen: Ich drang — äußert der verehrte Verfasser — und dringe noch auf eine vollständige Ausgleichung der Lebre und des Lebens in Beziehung auf den Sabbath; mit einem Stückwerk, wie ihn der Commissionsbericht bietet, ist in der Tbat Niemanden gedient. Welches ist nun die biblische Bedeutung des Sabbaths? Der Sabbath ist ein heiliger Ruhetag dem Herrn t£Hp rot? pnaff r.irrb (2. B. Mos. 16, 23). Der Sabbath ist ein Zeichen (ms) zwischen Gott und Israel für ihre Nachkommen, daß man wisse, daß Gott Israel geheiligt (2. B. M. 31, 17) Der Sabbath ist also gegeben, damit in der heidnischen Welt, wo der Gedanke an den einen Gott nicht aufkommen konnte, wo die verschiedenen Naturkräfte als eben so viele sich ewig befeindende Götter verehrt wurden, die sich mit ewiger Nothwendigkeit aus der Urnacht entwickelten , damit in einer solchen Welt durch ihn Zeugniß abgelegt würde, daß ein Gott Alles geschaffen, und daß das Werk Gottes vollendet und vollkommen ist. So wie Israel berufen ist, einzig und allein diese Wahrheit in der Welt zu verkünden, so ist ihm der Sabbath als Mittel gegeben, diese Wahrheit in der Welt zu bezeugen. Ruhe von der Arbeit ist die Hauptpflicht am Sabbath, die religiöse Weihe mag hinzukommen; aber die Ruhe ist nicht als Mittel der religiösen Weihe geboten, sondern sie ist als solche geboten. —Fragen wir nun nach der Bedeutung dieses biblischen Sabbaths für die heutige Zeit, so müssen wir bekennen, daß ein Bezeugen, daß Gott die Welt geschaffen, nur einer dieselbe leugnenden, heidnischen Welt gegenüber Roth that, daß aber dieses Zeugniß in der heutigen Welt überflüssig geworden; denn Niemand von all den Menschen, mit welchen wir in Berührung kommen, leugnet diese Wahrheit; ja man weiß das nicht bloß, sondern man ist über diese Vorstellung, sowie die Bibel dieselbe gibt, längst hinausgeschritten. Daß Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen und an, siebenten geruht, wer von uns kann sich diese Vorstellung — dieselbe so graß hingestellr, auch nur aneignen. Spräche ich nun zu einer Versammlung, welche, wie das der K. B. glauben machen zu wollen den Schein annimmt, ja nicht über den Buchstaben der Bibel hinausgehen will, so wäre allerdings ein sehr mißfälliges Aufnehmen meines Zweifels an der buchstäblichen Wahrheit des Sechörage-Werks zu befürchten Aber eine Versammlung, welche beschlossen hat, cs solle nicht mehr für Wiederherstellung der blutigen Opfer gebetet werden , hat damit eben die buchstäbliche Auffassung der Bibel verlassen; denn nach dieser sind die blutigen Opfer allerdings ein angenehmer Geruch vor dem Herrn! Sie hat mit diesem Beschlüsse e> klärt, daß auch von der Bibel in vollem Umfange gilt, cnx ya jwba min man daß auch die Bibel an Zeirvorstellungen ankuüpfen mußte; daß, weil auf der damaligen Bildungsstufe der Mensch seit man sich keine andere Art zur Gotlesverehrung denken konnte, als die vermittelst blutiger Opfer, der Mosaismus diesen Qpferdienst aufnimmt und ,bn znm Gefäße benutzt, seine ewigen Wahrheiten durch denselben dem damaligen Geschlechte zur Anschauung zu bringen