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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-16 · Heft 33 (16.8.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 33 (16.8.1846)
Date
1846-08-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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143 Gegensätze zu jener Anschauung der Natur, welche in der Schöpfungsgeschichte ausgesprochen ist re. rc." S. 659. „Um so entschiedener aber fordert jener Widerspruch zwischen dem allgemeinen göttlichen Zwecke und der beschränkten Offenbarung an das eine Volk wenigstens seine objektive Ausgleichung; im Bilde der messianischen Zeit wird der, zur Zeit noch nicht erfüllte universelle Zweck als verwirklicht angeschaut, allein die Verwirklichung ist doch nicht ein Sollen für das Volk, sondern sie wird nur objektiv von der göttlichen Macht erwartet und auch im Bild dieser allgemeinen Hcilszeit hält doch das Volk sich selbst in seinem einzelnen Dasein als den Mittelpunkt fest, um welchen alle andere Völker sich reihen." Diese angeführten Stellen mögen genügen, um auf die Vorzüge, aber auch auf die Lücken dieser Ansicht aufmerksam zu ma. chen. Die Entwickelung und höhere Bedeutung des Prophetismus ist übersichtlich gehörig respektirt und mancher neue und tiefe Blick in das Wesen desselben gethan. So besonders der Gedanke, daß auch die ganze Naturanschauung der Propheten eine andere ist als die, welche das Ceremonialgefetz involvirt, ein Gedanke, dem es an Belegen nicht fehlt und der zu manchen wichtigen Consequenzen führt. Der Fehler besteht nur darin, daß das Ganze mehr übersichtlich und als Kathegorie, denn als sich entfaltende, oscillirende Wirklichkeit betrachtet ist. Zn der Wirklichkeit aber behält die partikularistische Beschränkung, die Geltung des Gesetzes, der Werth des Opferkultus und der religiösen Formen bei dem einen Propheten mehr, bei dem andern weniger Gewicht. Der Verfasser deö letzten Kapitels in ZrsaiaS — um nur einen zu nennen — der so bitter über den Genuß von Schweinefleisch und unreinen Thieren klagt, der in der messianischen Zeit alle Völker Opfer bringen läßt nach Zerusalem, Opfer von Pferden, Mauleseln und dcrgl., ist gewiß nicht zusammenzuwürseln mit Micha 4 und dem Verfasser von Zcfaias 2 oder 10. Eben so gewiß steht auch der Vcrf. des letzten Kapitels im Zacharias mit seinen Bildern und seiner ganzen phantastischen Ausschmückung der Heilszeit weit unter dem Niweau anderer Propheten. Bei der Behauptung, »die Verwirklichung der messianischen Zeit sei auch den Propheten nicht ein Sollen für das Volk, sondern sie werde nur objektiv von der göttlichen Macht erwartet" muß ebenfalls wieder die Wirklichkeit zu Rathe gezogen werden, um das Wahre, um die innige Verschmelzung beider Bedingungen zu finden. Ein politisch vernichtetes, drin Untergange nahes Volk konnte freilich nicht die messiauische Zeit aus sich selbst schaffen, es mußte deren Herbeiführung von einem Umschwung der Dinge, von einer Umwandlung erwarten, die außer seinem Bereiche lag. Sie konnte insofern nur das Werk der göttlichen Macht sein. Aber sie bleibt dennoch zugleich ein Sollen für das Volk, insofern es geistig thätig dabei dargestellt wird, inso,ern eS sittlich und religiös ein anderes zu werden aufgefordert wird. Erst dieses andere Volk ist der messianischen Zeit würdig. Die Sünde ist an dem Verderben Schuld, die Wiederkehrenden werden geheilt, ihren Sünden wird vergeben sein, sie werden zur Erkenntniß und zur Heiligung gelangt sein. So die Koryphäen unter den Propheten, während andere, minder Begabte, mehr bei dem äußern Umschwünge stehen und hasten bleiben. Die spätere Auffassung hat daher Spielraum genug gefunden, bald den einen, bald den andern Gesichtspunkt auSzubeuten, je nachdem die Zeit und das Leben mit seinen Erscheinungen und Beschränkungen die Impulse gab. Ein Schluß von solchen concreten Aeußerungen zurück auf die ganze treibende Kraft ist überall ein falscher, gibt überall einen unrichtigen Maßstab. „Zur Zeit Christi war die Hauptsache (in der messianischen Vorstellung) die überaus herrliche Wiederherstellung deS jerusale. mischen Tempclcultus, daS sinnliche Zerusalem, das als die Wohnung Gottes unter den Menschen vom Himmel auf die verklärte Erde herabgekommen und die Zehovagläubigen für ewig« Zeiten in seinen Mauern beherbergen sollte. Es ist schwer auszumachen, in wie weit der Stifter des Christenthums die Erwartungen seiner Volksgenossen vom Eotteöreiche getheilt hat — wiewohl ihn die drei ersten Evangelien wenigstens ganz im Geiste dieser Erwartungen von seiner Wiederkunft reden lassen; um so gewisser ist aber, daß seine ersten und unmittelbaren Schüler sich dieselbe allen ihren Grundzügen nach angeeignet hatten und auch in ihrem Christusglauben nur zu wenigen Modifikationen derselben Anlaß fanden." Ich führe vorsätzlich diese Worte Zellers (Aphorismen über Christenthua»- rc. in den Jahrbüchern der Gegenwart 1844, Zuniheft S. 496) an, um dadurch ein Gegengewicht zu haben gegen jene unbillige Ansicht, die die Quellen des ZudenthumS aus dem Zusammenhänge und aus dem natürlichen Laufe herauSreißt, um sie nach abstrakten Theorien zu brurthrilen. Zhr spreitzt euch und pocht auf euer Christenthum mit seinem vorgeblichen UniversalismuS und doch ist er auf demselben Felde gewachsen, hat an derselben Erde seine Kräfte eingesogen, ist von denselben Furchen durchzogen, von demselben Unkraut, überwuchert in seinem Ursprung und in seiner Erscheinung, wie das Judenthum. Verrenkung, Beschränkung, historische Einhüllung hier und dort — nur der Geist, derZelbstständige, sprengt sie und wirst sie ab, er liest auch im Zudenthume aus dem Prophctismus die höhere, gediegene, unij vcrseüe Anschauung auf und giebt die niedrige, der damaligen! Zeit angehörige zmück an die Vergangenheit. DaS ist der Pro-! zeß der Religion, ohne welchen sie allerdings zur Mumie erstarrt

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