Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1846)
- Date
- 1846-08-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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144 der auch im Judenthum bald mehr bald weniger vor sich grgan. gen ist. Diese« Prozeß erkennt aber Plank in der nachprophetischen Zeit nicht mehr an, und so stocken ihm denn alle Lebenepulse des Judenthums von dieser Zeit an. und so wird es ihm eine Ruine, eine zwar ehrwürdige, weil an Großes erinnernde Ruine, aber doch eine solche, die ganz und gar verwittert ist. Sein Urthcil trägt von hier au alle die Härte und die wegwerfende Anmaßung, die wir von andern Seiten her schon gewohnt sind. Ich will ihn auch hier selbstredend einführeu, um zu zeigen, wie verworren die Vorstellungen von unserer Religion in den Köpfen der Thtv« retiker umherspuken, wie Wahres und Falsches als ein buntes Gemenglel durchcinanderläuft, um der Schule und ihren Zwecken zur Folie zu dienen. S. 671 und 72. „Die Rückkehr des Volkes aus seiner Ge. fangenschaft ist zugleich eine innerliche Rückkehr aus der Entfremdüng von dem geistigen Inhalte der Theokratie zu dem wahrhaf^ nationalen Bewußtsein. Aber eben als dies geschichtlich geläuterte ist das Volk nicht mehr das alte; wie es geistig anders geworden ist, so ist es auch äußerlich nicht mehr dasselbe, eS ist nicht mehr das Volk nach seinem ursprünglichen Dasein, das seiner ganzen geistigen Geschichte voranging, es ist vielmehr selbst ein geschichtlich gewordenes, das jüdische Volk; denn jene Rückkehr, sofern sie zugleich geistige That ist, erstreckt sich nur auf den Thcil des Volkes, welcher der Nationalreligion noch am nächsten blieb.- Als dieß geschichtlich gewordene Volk hat es jetzt seinen Begriff erreicht; denn seit jener ersten Thatsache war eS das Geschichtliche, worin für daS Volk sein wahres eigenthümliches Leben lag.- Allein so wie schon die alttestamentliche Religion selbst zufolge ihres Ursprunges aus dem rein Geschichtlichen zunächst eine bloß nationale GotteSanschauung enthielt, so ist konsequent auch das Volk in dieser letzten Entwickelung nur von seinem nationalen Bewußtsein aus zum geistigen Prinzip der Theokratie hingeführt worden; nicht aber ist eS die wahrhafte Durchdringung mit dem göttlichen Inhalte derselben, was die geistige Grundlage dieser letzten Epoche bildet. — Aber eben damit ist das wahre geistige Leben jetzt entwichen; die ganze geistige Entwicklung liegt in der Dergangcnhcit zurück, denn nur am Ende dieser ganzen Entwicklung war die vollendete Herrschaft des Geschichtlichen möglich.- An die Stelle des abgöttischen Wesens tritt jetzt der hohle Nationalstolz, mit welchem das eine auserwählte Volk auf alle andere herabsieht, und die Zähigkeit, mit welcher es an seiner ausschließlichen Stellung festhält. Jener Nationalstolz ist ein inner- —" 1 — — 1 . . , ■” . -- gg lich leerer, weil darin das Volk für sich selbst nur an der na« nationalen Seite der NeligioNSanschauung festhielt, und darum an dem Gesetze hing, weil sein eigenes nationales Wohl daran geknüpft war. . So tritt das, wogegen die Propheten so sehr geeifert hatten, die todte Gesetzlichkeit, jetzt erst in vollem Maße wenn gleich in höherer verfeinerter Weise auf. Jene Aeußcrlich. feit, gegen welche-die Propheten sich richteten, stand noch im Zusammenhänge mit dem abgöttischen Sinne des Volks-. Anders verhält es sich mit jener späteren Gesetzlichkeit, in wel« cher das Juoenthum sich vollendet; in ihr ist jener Gegensatz ein innerlicher geworden, es wird wohl das ganze Gesetz festgehalten, aber dem innern Geiste des Volkes bleibt es ein Fremdes, seinen eigenen Willen hat es nur in dem äußerlich Nationalen. Eben darum trägt auch dieser jüdische Nationalstolz einen ungleich abstoßendern Charakter als der des klassischen Alterthums; denn dem jüdischen fthlt eS für sich selbst an allem geistien Inhalte, nur in seiner Religion, in seinem Gotte hat es diesen-; jener Nationalstolz für sich selbst betrachtet ist also ein ganz abstrakter, rein selbstsüchtiger, während dagegen im classichen Alterthum das nationale Bewußtsein zugleich auch das ist, worin unmittelbar der ganze Reichthum der geistigen Bildung begründet ist. S. 676. "Aufjene Jahrhunderte der Abgötterei folgt jetzt das reine Gegenbild, das zähe Ausharrcn des einen Volkes in seiner Zerstreuung unter allen Völkern der Erde. — Eben deßhalb ist ja auch selbst das eigentümlich äußere Schicksal des Volkes kein zufälliges; denn dieselbe Hartnäckigkeit, mit welcher es nachher in der Zerstreuung ausharrt, ist ja auch schon der Grund dieser Zerstreuung selbst. Es ist nicht blos das Bewußtsein des höhern, unendlichen Inhalts, der dem Volke gewordenen Offenbarung, sondern wahrhaft begründet ist derselbe erst durch den starrgcschichtlichen, blos nationalen Charakter jenes Bewußtseins. Dieses allein will unter dem eisernen römischen Joche seine Selbstständigkeit nicht aufgeben, während alle übrigen, deren Geschichte und Religion nur ein unmittelbares Erzeugniß ihres Nationalgeistes war, einem gemeinsamen Schicksale erliegen. Nur von jenem innersten Äesen des Judenthums ist eS zugleich erklärlich, wie eine Nationalreligion — — ungeachtet der mannigfaltigsten Verschmelzung mit fremden Nationalitäten, dennoch durch eine Reihe von Jahrhunderten sich forterhalten könnte rc. rc. (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Ossenbach.