Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1846)
- Date
- 1846-08-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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143 Das ist der röche Faden, der sich durch die ganze weitere Untersuchung zieht, der sie durch und durch färbt. Eine umfassende Controverse gegen diese schon oft vorgebrachte und gewürdigte Ansicht zu schreiben habe ich nicht Lust und Muße, denn wer will an einer solchen Sysiphusarbeit seine kostbare Zeit verschwenden? Wohl aber will ich zur Vervollständigung meines Referats noch Einiges aus der immerhin lehrreichen Abhandlung beibringen, was dem Zwecke dieser Blätter angemessen sein dürfte. Die Hoffnung, die ich hatte, Plank werde den Fortschritt vom MosaismuS zum Prophetcnthum näher und bestimmter aus-, einander fetzen, hat sich nur theilweise bewährt; es bleibt bei den allgemeinen Umrissen und geht auf keine spezielle Erörterung ein, und noch weniger kömmt es zu einer Unterscheidung innerhalb des doch so reichhaltigen, vielgeglicderten Prophetencpclus selbst. Und doch ist diese Unterscheidung not^vendig zum Verständnisse der Geschichte. So erhält z. B. die todte Gesetzlichkeit der späteren Zeit ihre erste Erklärung und ihren Ausgangspunkt in den späteren Propheten, iu Malachi, in Ezechiel (2ter. Theil, Kp. 41. ff) u. s. w. und darf daher nicht in Bausch und Bogen gesagt werden, die Propheten hätten dagegen geeifert. Eben so hat der Messiasglaube eine bedeutende Umänderung erlitten und ist es Thatsache, daß dieser Glaube bei den meisten der späteren Propheten seine ideale Höhe verloren hat. Wenn man daher von Propheten spricht und sich auf einzelne Aussprüche beruft, so geräth man leicht in Gefahr, einen Theil für das Ganze zu nehmen, eine Gefahr, die um so größer ist, wenn man auf solche Aussprüche und nicht auf die innere Nothweudigkcti die Fundamente der Reform legt. Bei Plank indessen kömmt es wie gesagt, zu solchen Unterscheidungen nicht, er hat cs nur mit dem Ganzen ves Prophctismus und seiner Gesammtmerkmale zu thun. Lassen wir ihn stets reden. S. 664. „Je mehr der geistige und politische Verfall der Theokratie unaufhaltsam um sich greift, je drohender das Schicksal hcranrückt, das durch fremde Macht über das Volk hereinbrechen soll, desto lebendiger erhebt sich auch in dem prophetischen Geiste das Bewußtsein der absoluten Wahrheit, die dem einen Volke geoffcnbart ist. Dieses Vewußlsein ist es, die ihn über das Elend der Gegenwart erhebt, dies Geistige kann nicht untcrgehen, in Zerstreuung und Gefangenschaft wird der Herr seinem Volke einen Rest übrig lassen, aus dem eine neue Heilszeit hervorgehcn soll. Der Unterschied dieser prophetischen Gewißheit von dem Wesen des mosaischen Bewußtseins ist genau ins Auge zu fassen. In dem Mosaismus ist es immer nur die allgemeine Thatsache, an welcher sich das Bewußtsein als die einzelne, zeitliche Siörung des thcokratischen Verhältnisses erhebt; fetzt-ist es nicht mehr das Gegebene, woran es sich aufrichtet, es ist ein subjektiv-innerlicher Grund, auf den sich der Glaube stützt, das unmittelbare Bewußtsein des Geistigen, das der Mensch in Gott hat. Dieß Bewußtsein ist nicht ein entwickeltes (eine objektive Entwicklung erhält es in der geistigen Fassung des Gesetzes) es ist nur diese unmittelbare Gewißheit, in welcher der Mensch sich in Gott hat, u. sofern in ihm dem Menschen ein geistiges gegeben ist, wodurch er über die ganze Gegenwart, die ihn umgiebt, sich erhebt." S. 666. „Während in der göttlichen Barmherzigkeit das Sein Gottes für den Menschen stets noch nach seiner objektiven göttlichen Seite gefaßt ist, so geht nun das prophetische Bewußtsein in seiner letzten Entwicklung noch weiter, es hebt auch auf die menschliche Seite selbst das Verhältniß zu einem bloß objektiden, das als solches rin äußerliches, fremdes bleibt, auf. Der Grund alles Unglaubens ist ein fleischlicher Sinn, der nie dazu kommt, den göttlichen Willen ganz und wahrhaft in sich aufzunehmen; allein Gott wird das steinerne Herz wegnehmen und ein fleischernes an seine Stelle setzen, er will einen neuen Bunv mit demselben schließen und ihm sein Gesetz in das Herz schreiben".—Und weiter unten: „So ergiebt sich als allgemeine Folge die Umwandlung der bloß nationalen Gottcsanschauung in die universelle. Diese Umgestaltung des Bewußtseins wird geschichtlich wesentlich gefördert durch die Beziehung zu fremden Völkern-; namentlich ist es die Beziehung zu Obcrasien, durch welche das Volk in einen größeren umfassenderen Zusammenhang hineingcstellt wird. Die fremden Völker werden jetzt für die religiöse Anschauung selbst zu Werkzeugen des allgemeinen göttlichen Weltplanes; es erscheint alles in Beziehung auf das eine Volk, das als das Volk der Offenbarung den Mittelpunkt der Geschichte bildet. So ersteht jener Universalismus der Genesis,,der in der Schöpfungsgeschichte schon den allgemeinen göttlichen Weltzwcck hervortreten läßt, der auch nachher in der Entwicklung der Geschichte selbst nie diesen einen Zweck aus dem Auge verliert, wenn gleich derselbe immer mehr auf einen Theil der Menschheit sich beschränkt und endlich in dem einen Volke sich concentrirt. Hiermit hat namentlich auch die Naturanschauung eine gänzliche Umänderung erfahren; während sie in dem ersten Ausgangspunkt der israelitischen Religion noch daS schlechthin Unreine, Nichtige, ist — —; so wird sie dagegen in der Schöpfungsgeschichte selbst als etwas Gutes angeschaut, indem durch sie der göttliche Zweck sich verwirklicht. So vereinigt das spätere Judenthum der Sache nach die schärfsten