Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1846)
- Date
- 1846-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recensionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Iudenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschcm Land-Rabbincn in Eisenach. Nr. 33. Sonntag den ltt. August ä•*-!<>. I. Jahrgang. Plank, der Ursprung des Mosaismns. Zweiter Artikel. Die universelle Gottesanschauung; Vollendung des Iudenthums; das Juvcnthum uns die Offenbarung. (Tbeologische Jahrbücher von Zeller, 1845, 4tcs Heft, 656 — 721.) Indem ich die Fortsetzung meiner in Nr. 16 und 17 dieser Blätter beffndlichen Anzeige der Plantschen Abhandlung beginne, werde ich fast unwillkührlich an den Ausspruch Lesssngs im Nathan erinnert: — Zudem, ich sehe nun wohl, Religion ist auch Parthei; und wer Sich darob auch noch so unpartheiisch glaubt/ Halt, ohne es selbst zu wissen, doch nur seiner Die Stange. Weil cs nun einmal so ist, Wird's so wohl recht sein. Die Wahrheit dieses Ausspruches hat ffch erst in unfern Tagen wieder an Lessing selbst hart gerächt. Er macht einen Juden zum Träger des Humanitäts-Prinzips, läßt ihn die Palme erringen über jede Exklusivität, über alle Vorurtheile religiöser Satzung und Bornirtheit. Ueber den Hauptgedanken des unsterblichen Werks, über die Tendenz desselben war man seiner Zeit außer Zweifel. Der Schrei des Entsetzens innerhalb der orthodoxen Kirche gab davon Kunde, der Eindruck den es überall zur Milderung der Gesinnung gegen die Juden machte, bezeugte seinen tiefen, treffenden Sinn. Eine Geisel gegen die Verketzerung und Verkennung sollte es sein und wurde es auch. Aber Lessing war ja Geist und so kommen dennMännft wie Rötscher und Stahr in ihren christlich dramaturgischen Studien und fragen — „aber warum ein Jude?* Und die Antwort lautet natürlich der Frage gemäß. Weil das Judenthum aS Prinzip der Humanität zu seinem bittersten Gegensätze hat, weil cs Ercluffvität selbst ist, daS in seinem Hochmuthe alle andere Völker für unrein hält, darum könnte nur in ihm ein solcher Sieg gewonnen werden and nicht in dem universellen Christenthum. Wohlgemcrkt, so soll ein Lesung gedacht haben, das soll der „feine Sinn" des Nathan sein nach der Meinung dieser Herren. Wer ste näher kennen lernen will, der lese darüber noch „Nötscher, CycluS dramatischer Charaktere, S. 206 ff. und Jahrbücher der Gegenwart von Schwegler 1344, Nov.« u. Dez. - Heft, Lessingiaaa, 1074 ff. Eine ähnliche Wendung nimmt die Untersuchung PlankS, indem sie zum Prophctismus und zur späteren Gestaltung deS Iudenthums hcrabsteigt und an diesem die Elle des Systems, zu welchem sich Pl. bekennet, anlegt. Sie wird christlich. Zwar nicht in dem Sinne, daß er dem Christenthum, wie es historisch und dogmatisch sich entwickelt hat, wie es heute noch von der bei weitem größten Majorität seiner Bekenner aufgefaßt wird, das Wort redet. Mt diesem Chri-enthum ist auch er unzufriedtw und zerfallen. Katholicismus wie Protestantismus sind ihm nur Wiederholung dessen in christlicher Form, was Innerhalb des alten Testaments das Ceremonial. Gesetz und die Trennung deS Menschen von Gott ist. „Die Versöhnung ist auch im Protestantismus eine noch nicht vollzogene, fertige, insofern auch in ihm die Erlösung eine jenseitige, bloS historische ist, insofern auch in ihm das Ich rein sündig und also St Gott negirt ist." Aber wohl in dem Sinne, daß er sich zuerst fein Christenthum, versteht sich ein philosophisches, aller Erclusivitat entkleidetes, zurecht legt und nun zu dem Schluffe gelangt: diesem Schemen, dieser abstrakten Idee von Universalität gegenüber muß das Judenthum untergehen, in den Staub sinken, weil es mit der Schranke des Historischen behaftet ist, weil das Concretnationale seine Mutter, weil es in der Vergangenheit wurzelt und sich von dieser Wurzel nicht losreißen kann.