Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1846)
- Date
- 1846-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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264 Andern besucht wird. Uebcr den bisherigen, nun dahingegangenen Lehrer will ich den Mantel der Liebe decken und sckwcigen. In neuester Zeit hat sich die Gemeinde einen solchen Mchsenhausen ist sein Name) aus Unterfranken geholt, wo noch immer Ueberfluß an Lehrern ist, während cs in anderen Kreisen, namentlich in Mittclsrankrn an solchen fehlt. Hier beschäftigt man sich von jeher viel mit Feldbau und legt selbst gern Hand an, was nur Lob verdient. Die hiesige Gemeiner hat oft die jüdischen Seminaristen aus dem nähen Altdorf gastlich ausgenommen. Von dem Gottesdienste kann ich Nichts erwähnen, da ich ihn nicht besuchen konnte.—Hüttenbach hat eine vereinigte Rcligions- und Elementarschule — Lehrer Namens Lamm — mit nur 26 Schüler, obzwar dieGcmeinde an 70 Familien zählt. Gegen gewöhnliche Erfahrungen nimmt hier die Kinderzahl mit dem Wohlstände ab. In neuester Zeit hat sich die Gemeinde eine sehr schöne, für ihre Verhältnisse fast zu prachtvolle Synagoge erbauet, aber Hüttenbach lebt und läßt leben. Seine Bediensteten haben es guk und seine Cultusanstalten dürfen nicht Noth leiden. — Forth, mit 30 Gemeindegliedern und einer Neligionsschule, die von 30 Schülern besucht wird, hat an Hrn. Eismann, der in seinen häuslichen Verhältnissen so unglücklich ist, einen sehr wackern Lehrer. Die Synagoge hat Subsellien erhalten und die ri'-ün, bei welchen Herr EiSmann Vorträge zu allgemeiner Erbauung hält, bestehen noch, trotz sie vom Rabbinatssitze dcnunzirt worden sind. Mit der Synagogenordnuug ist es hier nicht besser als in vielen andern > Gemeinden. Man halt so viel davon, als dem Vorsteher gut dünkt und das soll hier viel sein. Alljährlich einmal kommt der Rabbiner in die genannten drei Gemeinden, gewöhnlich zur Zeit der Schulprüfung, und predigt. Begleite mich nun noch, lieber Leser! auf meiner kurzen Rückreise durch die Gemeinden Schwabach und Windsbach. Erstercs, «ine würdige und viel gebildete Geschäftsleute zählende Gemeinde, bat eine Neligionsschule, die im Verhältnisse zur Gliederzahl nur wenige Schüler hat. Sie wurde heuer durch den k. Kreisscholarchen Schnißlein inspizirt und geprüft, der die Schüler zum fleißigen Besuch der Synagoge auffordertc. Der hiesige Rabbiner, Hr. Abraham Wechsler, ist ein älterer Bruder des Landrabbiners Hrn. Wechsler in Oldenburg, den uns leider das Ausland entrissen hat. Aber so weit der Himmel von der Erde entfernt ist, so verschieden sind beide Brüder in ihren Ansichten und Bestrebungen. Während letzterer einer zeitgemäßen Reform mit allem Eifer eines hochgebildeten Geistes huldigt, ist der hiesige Wechsler der steifste Anhänger des grassen Stadilismus. Er ist der Kandidat derjenigen-, welche das Projekt eines Gegenrabbiners in Fürth eifrigst. betreiben. Schreiber dieses stand früher selbst in dienstlicher Beziehung zu ihm. War er auch damals schon ein Gegner des neuen Schulwesens und hatte er besonders eine spezielle Malice auf den deutschen Gesang iu den Schulen, so trat er doch bescheiden auf und ließ man ihn einmal ein Jahr bei der Schulprüfung gewähren, so konnte man sonst seinen eignen Gang gehen. Seitdem er aber bei der Kreisversammlung in Ansbach i. I. 1836 seine Gewalt kennen lernte, seitdem «r gegen die von ihm selbst «nit berathene undgutgrhcißrne Synagogen-Ordnung, als es nach dem Erscheinen des bekannten Neologen-Rrscripts zu ihrer Einführung kommen sollte, selbst operirte, als er nach München deshalb geschickt sich wie einem kleinen Bischof hosirt sah, wollte er auch ein Geistlicher von Gottes Gnaden, ein Schulinspektor re. sein. Sein Erstes bei seiner Nachhaufekunst war, seinen Lehrer, Hrn. Zedermann schr/fe» lich aufzufordern, sich hinfort oes „unmoralischen Betragens" nicht mehr schuldig zu machen, nicht täglich zweimal den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen. Sogar einen Lehrplan für die Ncligionsschülcr, der sie zu weiland 2'-nn degradiren sollte, ließ er der k. Negierung in aller Stille zugehe», die ihn auch zur versuchsweisen Einführung in deu Schulen hinausgegeben hatte. Als er aber mit seiner Opposition gegen die Synagogcn- Ordnung durchsicl, als er selbst auf die Klage des Vorstands zu Schwabach alles Ernstes durch die k. Regierung zu ihrer Einführung aufgefordcrt wurde, und selbst die Bildung eines Sängerchois noch dazu durch einen christlichen Gesanglchrer — freilich inzwischen wie die meisten seiner Brüder wieder eingegangcn — geschehen lassen mußte, als auch sein Lehrplan allerhöchst verworfen wurde — va zog er die Flügel wieder etwas ein und begnügt sich damit, der Abgott aller „Frommen" und der Antipore aller und jeder Neuerung zu sein. In allerneuestec Zeit hat er sogar den Aufschwung genommen, in einem deutschen (von wem geschriebenen?) Aufsatz — er, dem rin deutsches Buch zu lesen als eine der sieben Todsünden gilt — als Ritter im Dienste eines Andern — gegen den allgemein geachteten Rabbiner Dr. Einhorn öffentlich auszutrcten? D-in möchte man ausrufeu. Bezeichnend ist, daß er, vbschon seit länger als 25 Jahren als Rabbinatsverweftr placirt, dennoch trotz vielfacher Bemühungen seine definitive Anstellung nicht durchsetzen konnte. Die k.' Regierung scheint ihm wegen seiner Ucbertr'eibnngen abhold zu sein unv die Gemeinden fragten mit Recht, was er denn seinem Vorgehen nach bei definitiver Anstellung mehr wirken könne oder wolle. Die Gemeinden find auf ihrer Hut. In Schwabach ist ein Schullehrer-Seminar, das auch Israeliten aufnimmt, obschon sie nicht, wie früher in Alkdorf, im Seminargebäude logiren dürfen. Ein jüd. Seminarist, Rau, arbeitet hier tüchtig an seiner Berufsbildung, besonders auch im musikalischen Fach, was nur zu loben ist. Dagegen lernen mehrere Jünglinge bei dem Rabbiner Talmud unv besuchen — man sagt zum Schein — die hiesige Vorbcreitungsschule zum Seminar in der Absicht, von dem Scminarbesuch ganz dispensirt zu werden, wie dies dermalen in Würzburg zur Freude aller Finsterlinge und zum großen Nachthcil des jüd. Schulwesens bereits im Schwünge ist. Mehr habe ich von hier nicht zu sagen, es ist dies mehr als genug. — Die zum hiesigen Rabbinat gehörige Gemeinde Windsbach hat 14 Glieder und eine Neligionsschule, die von 15 Kindern besucht wird. Der bisherige Ledrer ist nach Amerika ausgcwandert und ein anderer aus dem großen Depot Unterfranken, Blank, hat seinen Platz eingenommen. Außerdem hat sie noch eine dem Einsturz drohende Synagoge, eine Pfütze von Fraucnbad, stets Geld für Polen und Jcruschalmis, aber keines zum Bau ihrer Synagoge, einen aufgeklärten Wohlthätigkcitsverein (7l^Nl)einen Begräbnißplatz in Georgensg cm und rmd einen bedeutenden Schuldcnantheil an der Landj'udenschastskasse in Ansbach. Was will man mehr? Und doch hatten sich vor 15 Jahren in dieser kleinen, bescheidenen Gemeinde viele Keime des Bessern gezeigt, die ungepflegt und von manchem schädlichen Mehlthau getroffen, ohne Frucht zu treiben, abgefallen sind. Und nun, mein lieber Leser, verlasse ich dich, weil ich dich nicht in den engen Kreis eigenen Wirkens einführen will. Hast du an diesen Darstellungen, die nicht die.Ergebnisse momenta. ncn Anschauens, sondern auch die früherer Erfahrungen und Wahrnehmungen sind, einiges Interesse genommen, so begegnen wir uns kommenden Herbst, so Gott Leben unv Gesundheit gibt, wieder. Ich führe dir dann einen andern Theil Baicrns und einen TheilWürternbergs vor., Bis dahin Gott befohlen! — Verlag der I. E. Herrn ana'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.