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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-16 · Heft 33 (16.8.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 33 (16.8.1846)
Date
1846-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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303 Entbehrung, ja in manchen Fällen die Hingabe unseres Lebens. Das ist doch nur da, wo unser höherer Lebenszweck solches heischet, wo Tugend und Sittlichkeit im hohen Grade gefährdet sind. Aber ein unschuldiges, achttägiges Kind in Lebensgefahr durch Verrichtung einer Ceremonie, die doch imnier nur das blose Sinnbild einer Idee ist, bringen, ist das wohl ein Opfer, das dem Herrn wohlgefällt? Zwar hatdieNabbiner- Versammlung den Gebrauch des Blutaussaugcns (hspsd) bei der Bcschneidung als unbegründet erklärt und die nyn? mittelst eines Instrumentes empfohlen. Aber ist durch diese Reform die Gefahr des Verblutens beseitigt? Ich glaube cs nicht! Aufzeichnungen eines reisenden Schullehrers. (Schluß) Schnaittach, eine sehr wohlhabende Gemeinde, 53 Glieder dermalen zählend, ist eine der ältesten jüdischen Gemeinden Daierns. Fürth soll sogar seine Tobten hiehcr begraben haben. A» der Synagoge befindet sich die Jahrzahl b'W, was nach der Versicherung alter Männer nur die Zeit der Renovi« rung bezeichnet. Man erwartet mit Recht, es werde in der Synagoge des „Vaters der Reform" wie man gleich Lord Grep, den hiesigen Rabbiner, der i. I. 1836 der Referent der Synagogen-Ordnung für Mittelfrankcn war, parodirend nennen könnte, dieser der pünktlichste Vollzug gesichert sein. Nichts weniger! es ist Alles in schönster Unordnung. EinSynagogen-Chor, diese Bedingung eines zeitgemäßen Gottesdienstes, fand ich in wenig Synagogen, aber ein solches Zusammenschreicn und Uebcrschrcien von Jung und Alt, wo jeder unbekümmert um den andern ganz ungenirt seine holde und unholde Stimme beliebig ganz laut ertönen läßt, fand ich nirgends. Man begrüßt und bewillkommt sich, und selbst zur Thora gerufen recken sich einem gleich Bajonetten die grüßenden Hände entgegen. Der Rabbiner steht obenan und steht dem Allen zu, sieht auch wohl, wie mir der. sichert ward, offenen Skandal mit an und — schweigt. Wohl wird mans müde, sich ewig herumzubalgrn, aber wo die Pflicht so gebieterisch spricht, da dürfen auch Unannehmlichkeiten nicht gescheuct werden. hiesige Rabbiner, Hr. Juda Wolf Rekkarsulmer, mit starkgefurchten Ecsichtsziigen, in denen sich Verdruß und Sorgen abzuspiegeln scheinen — ist ein Mann von vielen Kenntnissen, was um so mehr Anerkennung verdient, als er in nichthcbräischen Kenntnissen Autodidakt ist. Niemand weiß so recht, gehört er der alten .oder der neuen Richtung an. Die« ser schwankende Zustand hat ihn in und außer seiner Gemeinde nicht in das beste Licht gestellt. Die sämmtlichen Mitglieder beider Richtungen der Kreisversammlung i. I. 1336 sind gleich schlecht auf ihn zu sprechen. Bei dem guten Sinn, der in der Schnaittachcr Gemeinde herrscht, und den vielen Männern in derselben, welche die Anforderungen der Zeit verstehen, ist der Zwiespalt doppelt zu beklagen, der seit vielen, vielen Jahren zwischen Rabbiner und Gemeinde dahier herrscht. Ich will die Ursachen dieses traurigen Zustandes nicht erwähnen —es tragen gewöhnlich beide Theile die Schuld — aber als höchst beklagenswerth muß ich es bezeichnen, daß in dieser Gemeinde die ewigen Prozeße, die kleinlichen Gehässigkeiten ihre Endschaft nicht erreichen wollen und daß jede Bemühung, die Gcmüther zu versöhnen wie ein Handschlag ins Meer ist. Die Erbitterung fitzt hier zu tief.— Die hiesige Synagoge ist vor noch nicht langer Zeit wieder, aber nicht mit Geschmack renovirt, vielmehr mit Farben überladen worden. Eine Abbildung der befindet sich nnt römischen Ziffern, einer Sonnenuhr nicht unähnlich, über der heiligen Lade, als wenn hier Niemand wäre, der dem Tüncher die hebräischen Buchstaben hätte vorzeichncn können! — Siatt vorgcschriebener Subsellien sind nur die bunten Stände nach Osten gerichtet worden. Ein beliebter Rabbiner hätte sicherlich die projektirten Subsellien zu Stande ge. bracht rmsrn nx nswrn. Die Predigten des Hr. Rabbiners sind sehr gehaltreich, aber von einem sehr schlechten Vortrag begleitet, häufig ohne logischen Zusammenhang, und da er sie ablies't und bei seinem kurzen Gesichte oft das Blatt ganz nahe an das eine Auge bringt, so wird auch der Eindruck sehr geschwächt, den sie sonst ans empfängliche Zuhörer zu machendermöchten. Die hiesige Religions. und Elementarschule, an der der Lehrer Friedmann. der dritte aus dieser kleinen Reise getroffene Lehrer, welcher kränkelt, angestellt ist, zählt 41 Schüler, für die ein eigenes Sehnlhaus erbaut worden ist. Es wären der Gemeinde recht viele Männer des Friedens zu wünschen. Die nron wurden von einer Seite denunzirt, die ich lieber ungenannt lass n will. Einige Stiftungen aus alter Zeit gereichen mehr zur Belästigung der Gemeinde. Der größte Theil derselben nährt sich von Handel, auch Handwerker giebt es, aber keine Bauern. Zur Zeit meiner Anwesenheit hatte eine Frage die ganze Gemeinde in Aufregung gebracht. Es war ein Gegenstand, der so vielfach die Menschheit in Bewegung setzt, der Magen, aber nur ciu Ochsenmagcn. Ein Loch hatte sich in einem solchen gefunden und der Rabbiner mußteden ILN-Bestand aller Küchen in Frage stellen. Von den andern drei Gemeinden habe ich Folgendes zu berichten: Ottensoos, 20 Gcmeindeglieder zählend, mit einer Religioneschule, die von 15 Schul-

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