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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-09 · Heft 32 (9.8.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (9.8.1846)
Date
1846-08-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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&5Ö von elfteren 2 und von testeten 1 Zahl nach vollendetem Studium besucht «erden soll, aber'fle ist ein todtgebornes Kind. Hr. Heidegger — Professor betitelt — hat nie Schüler gehabt. Er ist schade, daß der tüchtige Mann feine reichen jüdischen theologischen Kenntnisse unbenutzt liegen lassen und sich mit dem Religionsunterricht in den Instituten rc. befassen muß. — Der Geist der Neuerung hat auch den alten Gottesacker ergriffen. Neben den alten düftern Mazeboth sieht man auch schöne Grabsteine mit deutschen Epitaphien. — Dasich in der Nähe besindliche jüdische Hospital, welches früher feine halb und ganz wahnsinnigen Insassen hier posttrt hatte, wurde in neuester Zeit durch ein anderes prächtiges, von einem Architekten jüdischen Glaubens aufgeführtes Gebäude ersetzt, das auch an einem andern zweckmäßigeren Platz erbaut wurde. Das hiesige Gemeindewefen soll in -eHer Ordnung geführt werde», aber ein ungeheueres AuSgabebudget haben. Zwei Rechtsgelehrte, HH. DD. Berlin und Feust, sind bei der Gemeinde angestellt und so Ersprießliches sie hier leisten, fo sehr ist zu bedauern, daß diese Männer wegen ihres jüdischen Glau« beaSbekenntniffes keinen ihren anerkannt tüchtigen Rechtskenttt- «iffen angemessenen öffentlichen Wirkungskreis finden, da man doch weiß, daß sie auf andere Namen die verwlckeltesten Rechtssachen führen und in die öffentlichen Organe der Rechtspflege Lorzüglichcs schon geliefert haben. — Ein Zeitgenosse obgenannten Schwabachers ist der gelehrte Ottensooßer, als Üebersetzer des JsaiaS und anderer Prophetischer Bücher rc. rühmlich bekannt, aber so ziemlich auS der Mode gekommen. Wolfssohn beschloß hier sein Leben. Sonstige Gelehrte von Ruf giebt es hier nicht, obzwar eS nicht an tüchtig gebildeten Männern fehlt. ES wendet sich Alles dem Kaufmannsfache zu, als bei welchem für unS Israeliten noch am ersten elwas zu holen sei. Doch giebt eS hier eine Anzahl von jüdischen Handwerkern aller Art, die sich ehrenvoll mit ihrer Hände Fleiß ernähren. — Schließlich bemerke-ich noch, daß hier auch ein Waisenhaus be. steht, das in neuerer Zeit auswärtigen Waisen seine Thore geöffnet hat. Der Lehrer in demselben, Hr. Bamberger, gehört zu den wenigen israelitische» Lehrer» in Dapern, welche dem starren RabbinismuS anhängen und mit ihrer Denk- und Anschauungsweise noch tm vorigen Jahrhundert stehn, obzwar er in einem Seminarium gebildet und gründliche deutsche Kenntnisse besitzen soll. Die Hyper - Orthodoxen weisen triamphirend auf feine Leistungen, weil feine 6 bis 8 Schüler bei der öffentlichen Schulprüfuug auch rnrWD hersagen konnten. Wird ihnen im praktischen Leben von großem Nutzen sein. Ich verlasse Fürth, um die alte Noris (Nürnberg) zu pafsiren, welches r. I. 1499 die ZudeN „ausgefchaffet" hat, ohne bis jetzt sein Recht wieder gut machen zu wollen! fein vielsprechender Abgeordneter hat beim letzten Landtage auch nicht ein Wort in der Debatte Wer unsere Berhältniße gesprochen — und komme nach Schnaittach, dem Mittelpunkt von n55?"i* rü’"lQ wie die ftühern Rabbinen daselbst die vier den Bezirk bildenden Gemeinden (Ottensörs, Fürth, Schnaittach, Hüttenbach) bezeichneten. Hast Du Dich, lieber Leser! nach langer Zeit wieder Deinem Geburtsorte genähert und die auS der Jugendzeit in Deiner Phantasie im großartigen Style lebenden Umgebungen nun im verjüngten Maßstab im Mannesalter nur gefunden und die tausend kleinen Erinnerungen aus der Kindheit wehmüthig und freundlich begrüßt, so kennst Du Empfindungen, die sich meiner jetzt bemächtigt hatten. Ein sieinaltes Männchen schwankt am Wege. ES erwidert den freundlichen Gruß mit ehrfurchtsvollem Hutabnehmen, kennt den Judenbuben nicht mehr, den es oft aus dem Obstgarten gejagt. Doch davon darf ich und soll ich nicht sprechen. Zu Deinen Zelten' also Israel J — (Schluß folgt.) Vteues aus -vestreich. (Prag, im Juli.) — Zuverlässige Nachrichten aus Wien melvrn, daß der Kaiser beschlossen, die böhmische Judenstrner dergestalt aufzuheben, daß sie für dieses Jahr mit 14 pCt. verringert und so in jedem darauf folgendem mit 54 weniger zu zahlen sei, so daß sie in 8 Jahren ganz aufhöre. Ferner soll an der hiesigen Universität ein eigner Lehrstuhl für hebräische und rabbinische Sprache und Literatur errichtet werden, zu welcher Dr. Wessely als Professor ernannt worden. Nächstens mehr über diese erfreulichen Ereignisse. Literarische Anzeige. Bei Fr. von Schmid und Busch in Wien ist soeben erschienen, und im Auslande durch E. Kummer in Leipzig sowie durch sämmtliche Buchhandlungen zu beziehen: Kalender und Jahrbuch für Israeliten, berausgegeven von Zs. Busch. 5ter. Zahrg. auf das Zahr 5607. (1846/47). in eteg. engl. Leinwand band. 20 Ngr. Verlag der I. C. Herrn anv'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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