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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-09 · Heft 32 (9.8.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (9.8.1846)
Date
1846-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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255 Aufzeichnungen eines reisenden Schullehrers. (Fortsetzung.) (Aus Mittelkranken, im Juli.) — Die große Synagoge, sonst Alt-Schul, jetzt gewöhnlich die Lorwische Schule genannt, wurde schon L. I. 1616 aufgeführt. Im 30jährigcn Kriege, blutigen Andenkens, von den Kroaten zu einer Stallung ver-- Wendet, entging sie dadurch der Zerstörung, welcher damals fast alle Häuser verfielen. Die neuen Umbauten an derselben und die im Innern angebrachten gothischen Verzierungen, welche be. sonders den, welcher sie in ihrer alten Gestalt gekannt, so angenehm überraschen, wollen Sachverständige als aufgedrungen betrachten. Wahrhaft imponirend sind die Treppen zur heiligen Lade mit der zugleich die Kanzel bildenden Balustrade. Heute, am Donnerstag, war der Gottesdienst nur von wenigen besucht, an Festtagen, besonders wenn gepredigt wird, was selten der Fall, sollen aber die Räume überfüllt sein. Den Gottesdienst leitete wegen Unpäßlichkeit deS Vorsängers ein Antiquar, der, früher Lehrer, immer noch gern seine Stimme hören läßt. Von da begab ich mich in die, in der Nähe befindliche sogenannte Neu-Schule (Synagoge), die nach Art alter Kalender immer noch den Titel „neu" führt. Sie bildet den Gegensatz aller neuexn Bestrebungen im Synagogenwesen und das anwesende zahlreiche aber nicht ausgesuchte Publikum findet hier Befriedigung seines kirchlichen Bedürfnisses. Da sind noch wie vor weilend 50 Zähren die alten wackelnden Stände mit den schaukelnden Betern, das Ueberschreicn des Vorbeters, da wird alles noch gesagt, und gethan als wenn Fürth gar nicht in Mittelfranken läge und nicht vom n"T eine neue Synagogcnordnung bestätigt worden wäre. Das ganze Gehaben sagte mir wenig zu und ich verspürte keine Lust eine dritte Synagoge in der Nähe, Klaus genannt, zu besuchen, die eine Copie dieses Gottesdienstes nur darbictet. Mehrere andere Winkel-Synagogen sind eingegangen und die weiland TO^'-Schule einst der Tummelplatz bachurischcn Muthwillcns, ist dieStudicrstube des Rabbiners Loewi geworden.— In dem Raum, Schulhof genannt, welcher die Synagoge einschlicßt, befinden sich auch die beiden Religionsschulen, eine für Knaben, an welcher der Lehrer Schönbrunn angestcllt, der zugleich Vorsänger in der genannten Lorwischcn Schule und dadurch in dem Besitze einer der besten Stellen in Baiern ist, und eine für Mädchen, mit dem Lehrer Fricscnhausen. Beide Schulen werden nur von den Kindern weniger bemittelter Eltern besucht, die dann auch die christlichen Volksschulen zu besuchen haben. Alle andere Schüler und Schülerinnen erhalten den Unterricht in Erziehungs «Instituten, deren es drei gibt. Der Vorstand der erstcrn altern für Knaben ist ft» haftet, der eö verstanden, sich fast ein halb Jahrhundert in der Gunst des Fürther jüdischen Publikums zu erhalten. Früher Privatlehrer für die Bachurim, deren viele ihm geistige Anregung und Einführung in deutsches Wissen danken, ward er später Vorbereitungslehrer für solche, die ein Seminar besuchten und als dies nicht mehr ging, errichtete er im Jahre 1628 ein Institut für Knaben, das vornehmlich von den Kindern solcher Eltern besucht wird, die weniger dem Neuern zugcthan sind, und die auch ihre Kinder etwas mehr im Hebräischen unterrichtet wissen wollen.*) Hr. Schwabachcr, obzwar den jüdischen Observanzen und Ceremonialgesetzen längst entfremdet, gefällt sich doch darin, gegen alle neuern Bestrebungen Opposition zu machen, und da er noch immer ein sehr fleißiger Lehrer ist und sich tüchtige Lehrer beizugesellen weiß, so hat ihm das später errichtete Institut, an dessen Spitze der päoagogisch wissenschaftlich gebildete vr. Brentano steht, ein Mann von hübscher Persönlichkeit und einer höchst gefälligen Art sich auSzudrücken, nur wenig geschadet. Bon ersterem Institut kann ich aus eigner Anschauung sagen, daß die Schüler sehr viel darin lernen und nach dem allgemeinen öffentlichen Urtheil leistet auch Hr. I)r. Brentano Ausgezeichnetes. Für die weibliche Jugend sorgt das Geiershofersche Institut. Hr. Geiershöfer und seine kenntnisreiche Frau wissen durch ihr eignes anspruchloses Wesen, durch ihren Fleiß und Eifer mit Unterstützung tüchtiger Fachlehrer die gewöhnlichen Klippen weiblicher öffentlicher Bildung, die lieber« und Verbildung zu vermeiden und ihre zahlreichen, in drei Klassen und in drei Localitäten vertheilten Schülerinnen jenen Grad von Kenntnissen und Fertigkeiten beizubringen, welchen unsere Zeit auch für das weibliche Geschlecht erheischt. Gewiß ist es nur anzuerkennen, daß den weiblichen Arbeiten und der angemessenen Bewegung im Freien besondere Sorgfalt gewidmet wird. Es gereichte daher diesem Institut zu besonderer Satisfaetion, daß mehrere seiner Schülerinnen, welche in daS von Christen für Juden und Christen errichtete Marien-Jnstitut gebracht worden waren, diesem wieder entnommen und in jenes wieder zurückgebracht worden sind. Gelegentlich bemerke ich als für unfern öffentlichen Ncchtszustand bezeichnend, daß jüdische Kinder wohl christliche Lehranstalten besuchen dürfen, den christ. lichen Kindern es aber gesetzlich nicht gestattet ist, jüdische Institute zu besuchen, auch wenn sie Religionsunterricht durch ihre Geistlichen erhalten. — Dem Namen nach besteht hier auch ein« Talmudschule, welche von angehenden Nabbinen und Lehrern, *) Das Hebräische wird in den ReligionS'chnlen und Jnstituten nach der richtigen, sogenannten portugiesischen Weise gelesen.

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