Mannheim
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-09 · Heft 32 (9.8.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 32 (9.8.1846)
Date
1846-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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SSL tololle beschlossen und als Ort der nächsten Zusammenkunft Mannheim gewählt. Der Präsident verlas noch ein treffliches Resnme über die sämmtlichen Verhandlungen, richtete dankende Worte an die Versammlung, die Gemeinde und das Sekretariat, welche vom letzteren erwiedcrt wurden und erklärte hiemit und nach Verrichtung eines angemessenen Gebetes die Sitzungen der dritten Rabbiucr-Bersammlung für geschlossen. Jüdische Zustande. C (Ans Galizien, im Juli.) — So lange der Jude in unserem Lande noch immer darauf angewiesen ist, seine soziale Geltung durch den Gelderwerb zu gewinnen, so lange er vom chr filicheu Staate verdammt ist, auch dieses einzige und unwürdige Mittel nur in der beschränktesten Weise zu gebrauchen, so lange dürfen wir uns der Hoffnung nicht so leicht hingeben, daß der Jude seinerseits in dieser drückenden Lage aus seiner moralischen Stagnation heraustreten und an eine Negenerirung seines gesunkenen geistigen und sittlichen Zustandes denken werde. Auch zeugt dies von einem hohen Grade von Engherzigkeit und von einer Unbekannlschast mit der Geschichte der natürlichen Ent : icke« lung der Menschen, wenn man die erbärmliche Stellung der hiesigen Juden in politischer Beziehung als eine unmittelbare Folge ihres niedrigen Cnlturstandes und ihrer Nichtbefahigung zu nützlichen sozialen Mitgliedern der Gesammthrit und nicht vielmehr diese ihre geistige und sittliche Unreife als ein nolhwcndiges Produkt des sklavischen Druckes, der auf ihnen hastet, betrachtet. Die Geschichte der Völker offenbart es unzweideutig, daß die Menschen überall und zu allen Zeiten der natürlichen und vernunstgemäßen Entwickelung ihrer geistigen Kräne nie untreu waren, sobald ihnen die Freiheit zu dieser Entwickelung nicht geraubt und die Fähigkeit sich gemäß den ihnen umwohnenden Elementen zu bilden und zur höchsten Blüthe zu entfalten, von Außen nicht abgeschnitten wurde. Ich darf nur, um diese Behauptung zu begründen, auf die großartigen Fortschritte in allen Zweigen der Cultur der Juden jener Länder Hinweisen, wo ihnen der Keim zum freien Aufleben nicht erstickt und die natürliche Empfänglichkeit für sittliche und geistige Bildung durch Engherzigkeit und ungerechten Haß nicht abgestumpft wurde. Man muß dieses Niederdruckende der sozialen Verhältnisse der hiesigen Juden mit eigenen Augen sehen, man muß die durch die mannigfaltigsten Erschwerungen verkümmerten Nahrungszweige und die arge Behandlung, die ihnen zu Thcil wird, kennen lernen und man wird die Forderung, daß sie die inuern Schranken des religiösen Fanatismus und Aberglaubendurchbrechen, nicht in aller Strenge an sie stellen. Bon den vielen will ich nur eine Thatfache hervorheben, die schon allein zur Genüge darthut, wie schroff der Christ dem Juden in allen Beziehungeu des Lebens gegenüberfieht und wie der Staat weit entfernt diesen schroffen Gegensatz durch irgend welche Mittel zu mildern und aufzuheben, solchen durch das Fortbestehenlaffen vieler aus der alten Zeit noch herrührender, die Stellung der Juden verkümmernder Einrichtungen gutheißt. Einem veralteten Gesetze zufolge dürfen die Juden hier auf dem Lande namentlich in den den Grenzen veS Auslandenahe liegenden Gegenden nicht wohnen. Die Regierung übt in der Erecution dieser Verordnung keine Strenge aus und die Juden wohnen trotz deS noch bestehenden Verbots überall auf dem Lande. Dagegen erlauben sich viele Gutsbesitzer, Beamte und Unterbeamte dieses Verbot als Mittel unv Berechti« gung, die Juden zu verfolgen und ihnen das mühsam Erworbene abzuzwingen. So geschieht es sehr oft in der großen LandeSstrecke, die dem Fürsten von JSdebnick gehört, daß ganz unvermuthet eine Ausweisung aller da wohnenden Juden von den Beamten oder Unterbeamten in Anregung gebracht und durch daS schnell cingetriebene Geld der erschreckten Juden vertuscht wird. So geschah es eben in derselben Gegend vor nicht langer Zeit, daß ein Jude öffentlich von einem Untcrbeamten aufs Schändlichste gemißhandelt wurde, und als der Jude beim Gericht sein Recht nachsuchcn wollte, drohte jener, alle da wohnenden Juden hinauszujagen, wodurch der Gcmißhandelte von seinem Vorhaben abst-hen mußte. Dergleichen Vorfälle find hier an der Tagesordnung. — Die Verordnung der Regierung, wonach alle fungirenden Rabbiner Zeugnisse über ihre philosophischen und pädagogischen Kenntnisse abzulegen haben, kommt gegen das Ende dieses Jahres zur Anwendung. Und dennoch scheinen die HH. Rabbinen in einem dolce far uiente bis jetzt sich bewegt und nicht im Mindesten um dieses für das allgemeine Wohl der hiesigen Juden so nothwendige Gesetz bekümmert zu haben. Sie werden aber, wie es sich leicht voraussehen läßt, mit den bittersten Erfahrungen diese ihre Unthätigkeit wie auch ihren fanatischen Eifer gegen jede Spur von Bildung und Wissenschaft büßen. Entgegnung. (Mannheim, im Juni. — Schluß. S. die vorige Nr.) - Wäre das Institut der badischen Rabb.-Brs. für das Sie An-

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