Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1846)
- Date
- 1846-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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350 denen sich die Genossenschaft Ln der Verfolgung ihrer Aufgaben veranlaßt gefunden, nicht darin, daß die Genossenschaft die bestimmten Vorschläge zur Ausführung bringt, welche die Rabbinerversammlung in ihrer eigenthümlicken Stellung zum Beschluß erhoben hat, sondern in der Uebereinstimmung des Zieles, dem Beide mit vollem Bewußtsein, wenn auch auf verschiedenen Wegen, cntgegengehen; und eben diese Verschiedenheit des Weges ist eine nothwendige, wenn zwischen beiden eine Wechselwirkung eintrcten soll, durch welche Zeder zur Stütze des Andern wird, ohne seine eigene Selbstständigkeit dadurch aufzuheben. So lange die Rabbincrversammlung sich selbst getreu bleibt und wie bisher nur als Vertreterin der Wissenschaft des Zudcnthums erkennt, jede Regung hierarchischen Strcbens aber mit Entschiedenheit zurückweist —so lauge die Genossenschaft nicht das Recht autokratischer Gesetzgebung in Anspruch nimmt und für die Schritte, die sic zur Befriedigung des besonder» religiösen Bedürfnisses in ihrem Kreise zur Ausführung bringt, nicht bleibende und allgemeine Geltung erzwingen w.ll, so lange Beide nach Wissen und Gewissen der Aufgabe treu bleiben, durch ihre Wirksamkeit eben so sehr zur Erhaltung wie zur lebendigen Entwickelung des Zudenrhumö beizuirageu: so laiige werden sie sich gegenseitig achten und anerkennen, und auch die Achtung aller Wohlgesinnten gewinnen, wenn dieselben auch anderen Uebcrzeugungen folgen, und so lange wird cs Beiden auch an Kraft nicht fehlen, um den Widerwärtigkeiten und Anfeindungen zu begegnen, die fort und fort gegen sic ins Werk gesetzt werden mögen. Wir tragen das volle und ungetrübte Bewußtsein in uns, das Rechte zu wollen und auch, wo' wir im beschrankten Kreise zu wirken haben, stets der Aufgabe zu dienen, die wir für die Gesammtheit zu verwirklichen streben. Zn dem sichtbaren Erfolg von dem unser Wirken begleitet war, in der Ausbreitung und Befestigung, welche unsere Genossenschaft gewonnen, in der Anerkennung, welche unserm Streben auch von Andersdenkenden unter unfern Glaubensgenossen, so wie in dem Wohlwollen, das uns von hoben Staatsbehörden zu Tbcil wurde, glauben wir den Beweis finden zu dürfen, daß wir uns nicht nur die rechte Aufgabe gestellt, sondern auch den rechten Weg zu ihrer Verwirklichung gewählt haben, und dieses Bewußtsein giebt uns den Muth furchtlos fortznschreiten auf dem Wege, den wir mit Zuversicht betreten haben. Auch die Rabbinerversammlung darf mit vollem Vertrauen der Zukunft entgegensehen. Ihre Wirksamkeit kann sich nicht sowohl in Erfolgen kund geben, die Ln kurzer Zeit zur äußern Erscheinung kommen, als sie vielmehr vorzugsweise auf den allmächtigen Wandel der Uebcrzengung gerichtet sein muß, die sich von der Gleichgültigkeit gegen dqs Iudenthnm auf der einen und von dem starren Festhalten an den veralteten For« men desselben von der andern Seite, zum Vertrauen auf seine ungcschwächte Lebenskraft und auf seine Ent« wickelungsfähigkeit wendet. Nicht diese oder jene Ver« änderung empfohlen oder ins Leben gerufen 'zu haben ist das wesentliche Verdienst der Rabbinerversammlungen, sondern ihr Verdienst ist es vornehmlich, das Be« wußrsein geweckt und befestigt zu haben, daß es nicht nur die Zeit ist, welche dem Zndenthum eine Iftngestaltung seiner äußern Formen aufdrängt, sondern auch das Zudenthnm, das diese Umgestaltung in Uebercin« stimmung mit dem Bcdürfniß der fortgeschrittenen Zeit für sich fordert. Diese stille, aber darum nicht .minder segensreiche Wirksamkeit in den Ucbcrzengnngen der Gesammtheit den Boden zu gewinnen, ans dem sich eine wahrhaft lebendige Entwickelung des Judenthnms erheben wird: diese Wirksamkeit wird Ihnen Niemand rauben. Niemand schmälern, wie sehr man auch Ihrem Einfluß entgegen zu treten sucht. Werden wir daher nicht müde, durch unsere Wirksamkeit sichtbar an den Tag zu bringen, welche Forderungen die Gegenwart an das Judenthum und seine Bekenner stellt, werden Sie durch Zbr Wort Zeugniß ablegen von den Ansprüchen, welche das Zndenthum an die Gegenwart zu richten berechtigt ist, so wird eben so sehr dem Zndenthum wie dem Bewußtsein der Zeit sein Recht werden, und das ist unsere gemeinsame Aufgabe, für die wir in »»erschütterter Uebereinstimmung, wenn auch ein Zeder in freier Selbstständigkeit, zu wirken haben. Geschichte des Tages. Die dritte Rabbiner-Versammlung. (BreSlau, 24. Juli.) — In der vertraulichen Sitzung vom 19. Juli beschloß die dritte Rabbiner-Versammlung die