Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1846)
- Date
- 1846-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567049--2195-2570213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
240 hält, es habe jeder nach vor feiner Thüre zu lehren.-Bei der Schulprüfung welche am andern Tagemit 1V Werk- und einem Feiertagsfchüler vorgcnommen wurde, verhielt sich jedoch der Herr Rabbiner mehr passiv und ließ den Lehrer gewähren. Dieser katcchisirte, meines Bedünkens, sehr regelgerecht über die Allmacht Gottes, eine Frage floß ungezwungen aus der andern, war bestimmt und fortschreitend und dabei voll Wärme; die Fragen erfolgten rasch und richtig und wurden mit Bibelstellen belegt. Auch in allen übrigen llvterrichtSgegrnständen fiel die Prüfung zu Aller Zufriedenheit aus. Die ertheilten Roten waren glänzend. Die Art und Weife der vor noch nicht langer Zeit errichteten Rcligions- und deutschen Schule verdient lobende Erwähnung. Als durch die Munifizenz des seligen Maier Lohn und zweckmäßige Grmeindceinrichtungen ein Schulfond, der die Hälfte einer Lehrerbesolvung deckte, gebildet, die Anstellung eines deutschen Lehrer- und die Quieszirung des alten ReligiouslehrerS ermöglicht war, ward auf die bloße Empfehlung des genannten zuständigen Rabbiner- Hr. Wvrnitz angestellt und die Gemeinde verschmähte eS, Wahlumtricben Thür und Thor zu öffnen. Ich sah auch den herrlichen Pokal, welcher die dankbare Gemeinde dem abtretenden alten Lehrer überreicht hatte. Anerkennungen, welche angestellten israelitischen Lehrern werden , gehören zu den Seltenheiten. — Mt. Erlbach eine nur aus 12 Gliedern bestehende jüdische Gemeinde ist eine sehr wackere Gemeinde und die Söhne degenannten Lohn bilden ihre Säulen. Einer, der Vorstand, ist Gärbermeister, der selbst tüchtig arbeitet und vom Handel nichts weiß. Die vielfach in neuester Zeit gehörten Vorwürfe bezüglich jüdischer Handwerker, die nicht ganz ohne sind, treffen überhaupt die hiesige Gemeinde nicht. Die hiesige Synagoge aber, ein altes verfallendes Haus, daS im Innern noch die veraltete Einrichtung hat, ist ein fauler Fleck im hiesige» Cultuswesen. Man unterließ alle Veränderungen -war darum, weil man nach fünf Jahren eine ganz neue Synagoge bauen wollte, aber die fünf Jahre sind demnächst um, und ich hörte nicht, daß Vorkehrungen getroffen sind , das Vorhaben ins Werk zu setzen. Abends beim Sabbathgottcsdienste w4^nir der Genuß, Hrn. Rabbiner korwi njn!?Ui? vortragenW^hören, wobei^ie kleine Gemeinde den Chor bilrcte. Zch^ sage mit Genuß", denn das ist cs. Wie Keiner tragt R. Loewi das Hebräische so wohlklingend, so schmelzend, so rrhebend vor. Man muß ihn gehört haben, um Ln diesem Urtheile volle ungefchmeichelte Wahrheit zu finden.— Zum Morgengotte-dieoste Verfugte sich der Rabbiner nach dem eine Stunde entfernte«, und seinem Rabbinat gehörigen WilhermSdorf und eS versteht sich von selbst, daß auch ich mich dahin begab, besonders da gepredigt werden sollte. Nachmittags vorher war dort Schulprüfung gewesen, denn hier besteht die eigentümliche Einrichtung, daß die Schule als deutsche Schule früher gleichzeitig mit den christlichen Schulen nnd später erst bei Anwesenheit des Rabbiners als Religionsschule nochmals geprüft wird. Eine Wahrnehmung, die ich in einem andern Kreise so ungern vermisse, und die ich bei allen auf dieser Reise beigewohnten Prüfungen machte, war mir die vielfache Theilnahme der Erwachsenen, und die Freude, die sich auf ihren Gesichtern bei guten Antworten der Kinder malten. Das ist immer ein Zeichen eines guten Sinnes nnd erwachter Bildung. Nachdem die Schüler, 3l an der Zahl — die Zahl der Fciertag-schüler sind mir nicht mehr bekannt — von ihrem Lehrer Hr. Heiligcnbronn, einem sehr praktischen und gewandten Schulmanne, eraminirt worden und Proben ihres Fleißes abgelegt hatten, knüpfte der Rabbiner eine Unterhaltung mit den Schülern an, die wie zu erwarten, Geist und Gemüth ansprechend war. Mir gefiel insbesondere der Freimut-, mit welchem der Examinator über die Vorzüge der jüdischen Religion und die Mission Israels in Gegenwart dreier christlicher Geistlichen sprach. Bel solchen Gelegenheiten möchte ich immer den Gemeinden -uru« fen; Sehet! wer dient eurer Sache mehr, unser neuer Rabbiner oder jene frommen Leutchen, die besonder-im Beisein von Christen weder Muth noch Kraft haben, unsrkr Svche das Wort zu reden und ein jedes Wort aufder Goldwage wagen möchten aus Furcht, der christliche Beamte möchte cs ungnädig vermerken. Bei dem Eraminatorium in der hebr. Sprache ward mehr auf Satzbildung re. gesehen» Gut, aber schwierig kn der Ausführung. Derlei fordert viel Zeit und die ist den vereinigten Religions- und Elementarschulen nur spärlich zugemessen. — Doch treten wir jetzt in die Synagoge. Sie ist für die große Gemeinde (52 Glieder) ziemlich geräumig, mit Subsellien versehen, jedoch ohne Eleganz. Der Vorsänger— dem im Vorbeigehen gesagt — die Gemeinde die Verehelichung resp. die feste Anstellung ohne etwas gegen ihn zu haben, weigert, tragt die Gebete mit etwas dünner Stimme, jedoch wacker und deutlich vor. Die Andächtigen (?) verhalten sich ziemlich stille, jedoch soll dies heute mehr aus Rücksicht der Fall sein. Au andern Tagen soll man vielfach je zwei und zwei miteinander plaudern sehen. Die allerhöchst genehmigte Synagogen-Ordnung soll hier wie in den meisten Gemeinden Mittelfrankens nicht völlige Ausfnhrung finden. Während nun der Rabbiner die Kanzel betrat, sang die ganze Gemeinde das ^22 j'X nach einer bekannten Melodie , was mir so wohl gefiel. Der Rabbiner sagt, eS pre-