Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1846)
- Date
- 1846-08-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Glaubensgenossen erwähnte, dachten wir nicht entfernt daran, so bald und auf fo eclatante Weise die Bestättr'gung zu erhalten. Viele deutsche Blätter (*) brachten nehmlich seitdem aus dem Zu London erscheinenden Jewish Chronicle den Bericht über die Sitzung der großen Loge von England vom 3ten v- M., in welcher diese beschloß, ihren Repräsentanten bei der Loge Royal Jork zu Berlin abznrufen, auch dem Repräsentanten dieser Loge anzeigen Zu lassen, daß er in seiner bisherigen Stellung seinen Platz' nicht ferner bei ihr einnehmen kenne; als Grund findet sich angegeben , weil die Freimaurerei eine Unterfcheidung im Glauben nicht kenne, und die Berliner Loge von diesem Grundprknzipe, also von den Grundsätzender wahren Freimaurerei stch entfernt habe. Es wäre nicht unmöglich, daß die großen Logen von Frankreich, von den Niederlanden und von Belgien diesem Beispiele folgten, welches man in Ncu- Jork nicht erst abgcwartet hatte. Wir find zwar gewiß, daß die Folge davon keineswegs die Zulassung jüdischer Brüder zu den in und unter Berlin arbeitenden Logen sein wird, und wenn man in Preußen den Juden deshalb mit abgeneigt ist, weil sie in das Staats-System, welches dort an der Tags- Ärdnung, nicht passen, so kann diese Abneigung fich nur gesteigert haben/seit die Juden auch in der Maurcrwelt zu gem'ren anfangen. Erklärten alle übrigen Maurer des Erdenrundes den Berlinern, „ihr mögt gute Christen sein, auch gute Preußen, aber Maurer seid ihr nicht", und brächen sie jede Verbindung mit denselben ab, diese würden darum ihre Logen nicht für Winkel-, nicht einmal für Krähwinkel-Logen halten, und glauben, zum wenigsten sagen, fie verstünden cs besser, denn in Berlin versteht man alles besser; am Ende führten fie gar, wie die Loge Royal Jork wirklich gethan, als Grund an, daß „fie durch ihre Gehorsampflicht gegen ihre maurerischen Vorgesetzten gezwungen seien". Das aber ists, und darum ist es gut, daß es so gekommen; mögen die königlich preußischen Hoftheologcn, Hosphilosophen, Hofjuristen, Hofhistoriker re. fich auch vor dem Auslande öffentlich in ihrer Hoftracht nach neuestem Berliner Zuschnitte sehen lassen, in diN Maurer-Logen soll man nur in maurerischcr Bekleidung erscheinen dürfen. Jener Beschluß ist eine Protestation der höchsten maureriichen Behörde des Landes, welches den Maurer-Orden entstehen sah, von wo aus er fich über alle Weltthcile ausgebreitet hat, und wo fich dessen Geist und Grundsätze durch Ueberlieferung am reinsten erhalten haben, gegen partkcularistische Tendenzen, welche schon einmal im vorigen Jahrhunderte dem Orden fremdartige *) Z. B. Frankfurter Journal vom 22. v. M., Nr. 170. - Elemente beizamkschen versucht, und innerhalb desselben, insbesondere in Deutschland, bedauerliche Wirren veranlaßt hatte». Die jüdischen Brüder, indem fie jene Kundgebung veranlaßken, haben dem Orden, welcher in feiner Reinheit erhalten werden soll, zugleich der Humanität und Aufklärung einen wesentlichen Dienst geleistet; als gerechte Fügung ist eS aber anznfehen, daß gerade von da aus der Partikularismus mit Erfolg bekämpft ward, wo man fich ihn heimisch zu glauben daS Ansehen, und heimisch zu machen unabläsfige Mühe gegeben. Aufzeichnungen eines reifende» Schullehrers. (Fortsetzung.) (Aus Mittelfranken, im Juli.) — Hr. Rabbiner vr. Loewi ist fo zu sagen wenigstens von deutschem Ruf. Man ist gewohnt, ihn als den Repräsentanten der Reform in Bayer» anzusehen. Bon seinen freisinnigen Anfichten läßt sich auch erwarten, er werde, zu Macht ge. langt, tüchtig Hand anlegen. Roch aber ist von ihm Erhebliches nicht geschehen, denn daß er die alte Synagoge in Fürth von ihrem hundertjährigen Staub befreiet und einen erhebenden Gottes, dienst darin eingerichtet hat, kann doch den Namen einer wesent. lichen Reform weder verdienen, noch einen so hohen Ruf begrün, den, und nur in Fürth bei der totalen Versunkenheit des äußern Cultus könnte derselbe eine in der Minorität bleibende Opposition Hervorrufen, die Rabbiner Loewi in Mt. Uhlseld, seine frühere Stelle, nicht gefunden hat, einige Zeloten abgerechnet. Den fünfziger Jahren nahe, von mittler untersetzter Größe, von schwärzlichem Teint und mit einem schönen, schon etwas grau werdenden Kopf, iw welchem ein Paar schwärzlich feuersprühenke Augen fitzen, die einem aus den ersten Anblick sagen, daß mau einen geistreichen Mann vor fich hat, ist Hr. Rabbiner vr. Loewc eine äußerst liebenswürdige Persönlichkeit. Sein schon in der gewohnlichen Conversation so wohlklingendes, von allem jüd.schen Dialekt völlig freies Organ, obzwar ers liebt zuweilen HebäNches, ja Jüdisches einzuflreueu, seine ch^Rcblazenvem Witz übersprudelnden und treffendA^Bemerkungen Unterhaltung sind verinögend, jeden fogln^^pr sich zu gev^rnen. Früher hörte ich schon, daß seine Gegner in Fürth seines persönlichen Umgang meiden, weil sie fürchten durch Vas Liebrnstvtrdige feines Umgangs und seiner Unterhaltung entwaffnet zu werden. Aus einem Gespräche, deren ich mehrere mit demselben zu pflegen die Ehre hatte — hebe ich nur als auffallend hervor, daß er Rabbinerversammlnngen n ie in Braunfchwetg und Frankfurt a. M. noch nicht für zeitgemäß