Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1846)
- Date
- 1846-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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S4S sachte Aufregung, die Spannung der Gemüther, die Zerrüttung im Schooße der Gemeinden tief betrüben. Wohl mag da die Versuchung nabe liegen, vom Schauplätze des öffentlichen Wirkens sich zurückzuzicheu, in der Bcsorgniß, cs möchten Mißdeutungen und Anfeindungen daraus erfolgen, aber weit entfernt von solchen Rücksichten haben Sic um so mehr die Verpflichtung gefühlt , die heilende Maßregel aufzusnchen und die Verständigung zu erzielen. Za meine Herren, die Verhältnisse sind schwierig, und die Unklarheit in religiösen Trugen ist eher im Zunchmen begriffen, aber in dem Bewußtsein eines redlichen Willens gehen Sie doch mit neuern Mutbc an den Versuch den reinen ewigen Inhalt des Iudenthums für die Gegenwart auszuprägcn, und so derselben einen neuen kräftigen Geist einzuhauchen. Sie wollen überzeugen, zur Wahrheit Hinführen, nicht Bande und Fesseln auflegen; Sie wissen cs wohl, daß Sie nicht als Vormünder der Gewissen anftreten/ daß Ihnen keine Machtvollkommenheit über die unantastbare religiöse Freiheit der Gemeinden, und.der Individuen gegeben ist, und Sie würden eine solche, wenn sie Ihnen übergeben werden sollte, feierlichst zurückweiscn, denn nur in der Freiheit der Ueberzeugung gedeihet das wahre religiöse Leben. Nicht als geistliche Zwingberrn treten wir hier zusammen, sondern als Männer, die mit den Urkunden und der Geschichte des Iudenthums vertraut, durch inner» wie äußern Beruf um dessen lebendige Erhaltung besorgt, durch stete Aufmerksamkeit ans die Ereignisse der Zeit, und durch Erfahrungen im Amte befähigt, die Bedürfnisse zu erkennen und die Mittel zur Abhülfe den Gemeinden vorzu, schlagen, denen dann die Entscheidung allein zusteht. Nicht der Geistliche stellt sich dem Laien gegenüber, Begriffe die in priestcrlicher Bedeutung dem Zudenthnm ganz fremd sind, sondern der Kenner des Iudenthums, der Mann, der in dessen Lebensäußeruugen stets sich vertieft, dem cs zur Aufgabe geworden, den Regungen der Geschichte nachzugehen, und das religiöse Leben rn pflegen, er sucht mit Amtsbrüdern, Ansichten und Erfahrungen auszutauschen, um dann ans der erzielten Verständigung die Resultate seiner Gemeinde zu empfehlen. Nicht minder weisen wir die Anforderung von uns ab, daß wir lösen und blos lösen sollen. Befestigung in der Wahrheit und in der Frömmigkeit ist unsere Aufgabe, und nur wo diese erkannt worden sind, da müssen wir die Rinden, die sich um sie gelegt, ' zu sprengen suchen. Es ist ein mia'? 'D"y rrvnD, Umstoßcn um zu erbauen. Das Lcberisvollc und Kräftige wird Pflege von uns finden, und nur der Schlingpflanze, welche dem Baume Saft und Kraft entzieht, sie möge uns geraubt werden. So erkennen wir unsre Aufgabe, und wir freuen uns, daß uns durch Gottes Beistand gelungen, uns zu solchen Zwecken wieder zu vereinigen, und hoffen auf seine Erleuchtung, auf feinen Segen. Im ehrfurchtsvollen Danke gedenken wir der huldvollen Erlaubniß, welche von Seiten nuferer hohen preußischen Behörden zur Abhaltung unserer Versammlungen ertheilt worden ist. Nur dem Grundsätze unsers weisen, hochherzigen Königs, und der hohen Räthe, welche seine Ansichten erfassen, daß ein wahrhaft religiöses Streben aus der Glaubensgemeinde und deren Bewußtsein heraus erbaut werden müsse, hatten sie bereitwillig unser Streben gefördert. Mit ernstem Elfer hat denn auch die hiesige Gemeinde Alles vorber.eitet, was zum Empfange so werther Gäste nothwendig ist, sie weiß die Bedeutung der Versammlung und deren Mitglieder zu würdigen, sie fühlt sich geehrt, Sie hier vereint zu sehen. Manchen Würdigen, den wir sonst begrüßten, vermissen wir zwar heute, theilS die Erwartung froher, theilS die Nachwirkung schmerzlicher Familienereigniffe, hält ihn fern von uns, mögen die Hoffnungen bald für freundliche Wirklichkeit sich gestalten, nnd möge der Trost des Glaubens Kraft verleihen, in harter Prüfung. Gin wackres Mitglied, Hr. Hoffmanm, Weilarw Laudrabbincr in Sachsen - Meinungen ist uns durch den Ted entrissen worden; von früh an mühsam strebend unter schweren Verhältnissen sich emporarbeitend war sein Geist nnd Gemüth ibm frisch geblieben, sein Charakter schlicht und bieder, sein Wirken geräuschlos und fruchtbringend, und wenn er in die Oeffentlichkeit gezogen wurde, ss^Lplängnete er nimmer die Einfachheit seines Wesens. Friede seiner Asche, seinem Andenken Segen. Aber auch manches neue wackre Mitglied schließt sich diesmal neu an unS au damit immer segensreicher die Verständigung werde nnd immer gedeihlicher die Entwickelung. Wir heißen diese E^kstrebcnden - besonders willkommen. So treten wir denn geehrte Versammlung wieder zusammen mnthig nnd besonnen, erfüllt von unserer hohen Aufgabe, mit reifer Erwägung der Verhältnisse ein Jeder fest insei-