Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-26 · Heft 30 (26.7.1846) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 30 (26.7.1846)
Date
1846-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567017-2567048--2184-2570201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

240 Porte, wenn ich im „Oreint" (das Sabbathblatt lese ich nicht) die gehässigen und hämischen Ausfälle g'gen die Rabbinerversammlung im Allgemeinen und gegen ihre einzelnen Mitglieder insbesondere gelesen habe. Daß auch ich persönlich völlig unbetheiligt bei der Sache bin. können Sie wohl daraus entnehmen, daß ich, gleich Ihnen, meinen Wohnsitz iu Baiern habe, und demzufolge an keiner Rabbinerversammlung weder bisher Theil genommen habe, noch ferner an einer solchen Theil nehmen werde. Allein eine solche Gehässigkeit, eine solche planmäßige, man möchte sagen sy. stematische Verdächtigung und Vcrläumdung muß auch dem redlich denkenden Zuschauer, welcher dem Kampfe der Parteien ferne sieht, ein Gefühl des Widerwillens, wenn nicht des Ekels, verursachen, um so mehr als, wie Sie ganz richtig bemerken, dieses niedrige Treiben der Religion selbst, zu deren Vertheidigung angeblich jene Waffen gebraucht werden, Nachtheil bereitet, indem sie auf diese Weise besonders bei Nichtjuven. denen doch auch hie und La ein solches Blatt in die Hände kommen mag, D^>pbl Xthb gemacht wird. Zch drücke Ihnen deshalb, und mit mir gewiß auch viele andere Leser des „Israelit" die Hand für die schönen und herzlichen Worte, welche, wenn jene von Ihnen zurcchtgewiesenen Corresponventen nicht ganz verstockt sind, in ihrer Bosheit gewiß auch an diesen selbst nicht ohne Eindruck vorübergehen konnten. So sehr ich nun ihren Ansichten in allem Uebrigen beistimme und ihren Darstellungen den aufrichtigsten Beifall zolle, so kann ich doch in einem Punkte Ihnen nicht beipflichten. Sie meinen nämlich durch diese fortgesetzten feindseligen Angriffe auf die Rabbiner überhaupt, oder vielmehr auf die modernen Rabbiner, die in jenen Blättern stets von Neuem auftauchen, entstehe weniger für die Angegriffenen selbst, als für ihren Beruf, für ihre Wirksamkeit im Amte, und folglich für Andere großer Nachtheil, indem die Wirksamkeit der Rabbiner, wie die der Geistlichen aller Consessionen durch die Achtung und das Vertrauen der Gemeinden bedingt werde, welche durch die fortgesetzten Schmähungen und Verdächtigungen untergraben würden. Allerdings mag dieses die Absicht der Angreifer sein; man sieht cs ihren Artikeln recht deutlich an, daß es ihnen nicht um Widerlegung der Grundsätze, welche sie bekamfcn, sondern um Verkleinerung der Persönlichkeiten, welche ihnen zuwider sind, zu thun ist. Sie halten sich dabei an das Sprüchwort: calumniare audacter, semper aliquid haeret. Allein eben durch das Maßlose ihrer Bitterkeit, durch die allzu sichtbare Gehässigkeit, welche ihren schnöden Angriffen zu Grunde liegt, benehmen sie diesen den Stachel, der verwunden könnte, oder kehren ihn gegen sich selbst. Jeder Leser, der nur einigermaßen urtheilsfähiz und billigdenkend ist (auf den skandallustigen Pöbel, der sich an jenen Schimpfreven, an jenen Verkleinerungen und Verketzerungen ergötzt, kommt wohl nicht viel an), wird leicht die trübe Quelle entdecken, aus welcher oie gehässigen Insinuationen ihren Ursprung nehmen und sich mit Widerwillen von denselben wegwenden. Denn wenn es sonst heißt: „omne uimium nveet" so wendet sich dieser Satz hier gerade in sein Gegentheil um! Ebendas Zuviel, das Uebermaaß des Giftes, welches jene Feinde der Rabbinerversammlung uno der Rabbiner gegen diese verspritzen, um sie moralisch zu tödten und ihnen das Vertrauen unv die Achtung der Gemeinde zu rauben, vereitelt ihre Absicht, benimmt ihrem Gereve allen Einfluß und macht ihre Verleumdun. gen völlig unschädlich für die, welche dadurch getroffen werden sollen. Weiß man vollends, daß diese Ritter des Talmuds und des orthodoxen RabbinismuS, ihren Meister an der Spitze, sich selbst von der Verbindlichkeit und Beobachtung jener Gebote los. sagen, welche sie dem armen Volke für alle Ewigkeit aufgebürdet wissen wollen, und deren Milderung und theilwcise Abschaffung durch die Rabbinerversammlung ihre frommen Gemüther gegen diese so sehr in Flammen gesetzt, so müssen sie vollends allen Crevit beim urtheilöfähigcn Publikum verlieren; ein solch heuchlerisches, lügnerisches Wesen kann nur Verachtung und Indignation bei allen aufrichtigen Freunden der Wahrheit und der Religion, mögen sie gehören, -zw welcher Pv^tri sie sollen, ebretzeu. Ich glaube also immerhin, daß Sie den Einfluß jener Zeitungsberichte zu hoch anschlagen, wenn Sie meinen, daß die dadurch Angegriffenen in ihrem Berufe und in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt und gehemmt werden. * . Literarische Anzeigen. Im Verlage von L. Weyl & Comp, in Berlin ist so eben erschienen und in allen Buch- und Kunsthandlungen, in Frankfurt a. M. bei C. Zügel, zu haben: Sir Moses Monteftore vor Mehemed Ali und Nieolaus I., nach der Natur gezeichnet von Ed. Krüger, Preis f 1. 21 Sir Moses Montefiore in der Synagoge zu Berlin, nach der Natur gezeichnet von Ed. Krüger, Preis 36 aß. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.