Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1846)
- Date
- 1846-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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330 schaft hresiger Gemeinde, besonders ihr erstes Mitglied, Herr Kitzinger, der auch Inhaber eines Handelsinstituts ist, ist der Re. form zugethan, und werden sich ihr einst von oben herab günstigere Auspizien eröffnen, so wird auf unsere Kreishauptstadt zu rechnen sein. Die Gemeinde hat mehrere WohlthätigkeitS.Anstalten. Co j. B. eine Kasse zu Preisvertheilungen an fleißige Schü« lrr und erst in allerneuster Zeit hat der in München verstorbene von Ansbach gebürtige Bankier Joel Oberndorfer eine Summa zur Anschaffung für Arme testamentarisch gestiftet, was der dor« tige Magistrat im Jntelligenzblatt belobend zur öffentlichen Kenntuiß bringt. Am andern Tage führte mich mein Weg durch Lehrberg eine aus 20. jüdischen Familien bestehende Gemeinde mit einer R cligionösch ule. welche fünf schulpflichtige Kinder zählt. Hier schmachtet seit fünf Jahren rin äußerst geschickter unv würdiger Lehrer auf dem Krankenbette und da von dem Gehalte von nur 150 fl. kein Gehilfe bestellt werden kann, so ist der Unglückliche genöthigt vom Schmerzenslager aus das an und für sich mit vielen Verdrießlichkeiten verbundene Geschäft des Schulhaltens zu besorgen. Der Wohlthätigkcitssinn der Gemeinde und der Umgegend hat schon viel geleistet, drohet aber bei der Länge der Zeit schwächer zu werden. Die hiesige verdrießlich dreinschauende Synagoge ist zwar mit Subsellien versehen, das soll aber Alles sein, was aus der neuen Synagogenordnung in dieselbe übergegangen ist; man soll sich in ihr an Sabbath- und Festtagen sehr gut unterhalten, nota beue wenn inan sür ein Gespräch über einen abgeschloffencn oder abzuschlicßcudcn Viehanvel re. viel Interesse mübringt. Natürlich der Rabbiner ist fern, der Lehrer krank und die Vorsteher sind gleichgültig unv bigott. Es gilt in unserm Kreise fast überall als ein religiöses Verdienst, der Synagogenordnung zuwider zu handeln. Dagegen hat die Gemeinde ein hübsches neuerbautes SchulhauS. — Einige Stunden weiter liegt das Dorf Egerhausen' das nur 12 Gemeindeglieder zählt, eine saubere kleine Synagoge und aus dem eine Viertelstunde entfernten 12 Gemeindeglieder jüd. Glaubens zählenden Marktflecken Obernzenn einen gemein, samen Begräbnißplatz und eine gemeinsame Religionsschule hat. In crstcrcr Gemeinde soll eine in kleinern Gemeinden sonst seltne Brüderlichkeit und Verträglichkeit herrschen. Zu meiner Freude war grade öffentliche Schulprüfung. Nach einem guten Gesang aus Johlsons Gesangbuch fragte der anwesende Hr. Distrikts- Inspektor einiges aus dem Dehr'schen Rcligionsbuch, und ob er g'eich die Antwort zur Hälfte selbst gab, so ermangelte er doch nicht, sie sogleich mit kräftigen Lobsprüchen zu begleiten. An die Lehre, daß wir auch gegen Thicre barmherzig sein sollen, reihte, zum Fortfahrcu aufgefordert, der anwesende Rabbiner ein recht fruchtbares Gespräch über Thierquälerei vom jüd. Standpunkte aus, an. Die Kinder. 16 an der Zahl, konnten die hierauf bezüglichen Bibelstellen hebräisch und deutsch gewandt angeben; und der weitere Verfolg der Prüfung hat bewiesen, daß ein weniger methodisch gebildeter Lehrer doch auch recht wackere Prüfungsrcsultäte erzielen kann. Der Lehrer ist ein Bruder des Hrn. Rabbiners Stein in Frankfurt a. M. Eine erfreuliche Wahrnehmung war mir auch die Theilnahme an der Prüfung, welche hier die Eltern mehr als in andern Gegenden an den Tag legten. Sie eilten zahlreich mit Versäumung ihrer Geschäfte herbei und waren von jeder Antwort ihrer Kinder sichtlich freudig erregt. — Die hiesige Synagoge wurde erst kürzlich renovirt und mit Gesang, Predigt und Einladungen von Honoratioren eingeweiht. Ein Anschlag des Rabbiners an der Synagogenthüee, welcher sogar den Vorsteher mit Geldstrafen bedroht, zeigt aber leider, wie viel Synagogen-Unordnung auch hier herrscht. Das Abendgebet (2'"'>2) machten die Leute brevi mann in der Wohnung des Synagogen- Wächters ab. Wer wollte ihnen auch zumutheu, in der Nacht den heiligen Berg, zu dem eine ziemlich steile Treppe führt, nochmals z» besteigen. Bis hieher reichte der Krummstab des Hrn. Rabbiners Grünebaum. Am andern Tag betrat ich in Mt. Erlbach denSprengcl des Hrn. Rabbiners Dr. Löwi zu Fürth. Mir konnte es auch höchst erwünscht sein, daß derselbe dort ankam, um Schulprüfungen zu halten und in dem eine Stunde entfernten Wilhermsdorf Sabbath zu predigen. Es sei mir vergönnt, vorher diesen vielbesprochenen Mann durch einige Linien zu zeichnen. (Fortsetzung folgt.) An den Einsender des Artikels: „Breslauer (Korrespondenz im Orient" in Nr. 26 des Israeliten. tAus Baiern, im Juli.) — Ihre Worte in dem angezogenen Artikel, geehrtester, obwohl unbekannter Herr Correspondent, waren mir und gewiß den meisten derjenigen, welche den „Orient" und den „Israelit" lesen, wie aus der Seele gesprochen oder vielmehr geschrieben. Ich hatte schon mehr als einmal die Feder ergriffen, um den von Ihnen mit so vieler Ruhe und Gelassenheit beleuchteten Unfug, der seit geraumer Zeit in manchem unsrer öffentlichen Organe getrieben wird, gleichfalls zu rügen. Allein eben jene Ruhe und Gelassenheit war es. welche mir fehlte, unv darum legte ich die Feder jedesmal wieder nieder, um nicht etwa in denselben Fehler zu verfallen, welchen zu züchtigen ich mirvorgenommen hatte. Ja, ich muß es sagen, daß eS mich wirklich em-