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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-12 · Heft 28 (12.7.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 28 (12.7.1846)
Date
1846-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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LS4 digen Glaubens und der reinen Herzcnsftömmigkeit auf uns zu nehmen. Und nur wenn dies der Fall ist, dürfen wir im geistigen Mittelpunkte des prophetischen Judenthums stehend, dem entsagen, was in uns erstorben ist. Indem prophetischen Glauben ruht die Gotteskrast und auch das göttliche Recht, die Liebe höher denn das Opfer, den lebendigen Geist über den todten Buchstaben, die innerliche Religiosität über das äußerliche Symbol zu stellen. Und so klein — so schließt der Redner — und winzig die Schaar sein möge, die sich jetzt um das neue Heiligthum sammelt, so wird es darum nicht minder Segen entfalten, zuerst unter Euch, dann aber durch Euch über Viele Segen verbreiten. Auch Israel war und ist noch jetzt ein geringer Tropfen nur im Meere der Völler, aber auf dem Felde deS Geistes zählt nicht die Größe des Samenkorns, sondern die reiche Kraft, die in ihm ruhet. Darum höret nicht auf, von dem heiligen Posaunenruf der Propheten Euch durchbeben zu lassen, als die Letzten eines großen Erbes in der veralteten Form auch die ersten zu sein, welche mit unerschütterlichem Muthe, mit inniger Verbrüderung durch Wort und That den Grundstein des neuen Baues legen für uns und die Geschlechter, die nach uns kommen. Gering ist die Saat, aber groß und vielfältig die Erndte auf den Feldern, die der Herr gesegnet; klein ist Euer Beginnen, aber groß und herrlich wird die Zukunft es gestalten. Die Rabbiner - Versammlung. (Vom Rhein.) — Gestatten Sie mir heute, mit wenigen einfachen Worten einige Einwürfe und Beschuldigungen zu wider' legen, die man gegen das Institut der Rabbiner- Versammlung von Seiten deren Gegner hören muß. Man verdächtigt zunächst die reine Absicht der Mitglieder dieses Jnstiiuts; man sagt, sie wären Menschen, denen es um die Religion gar nicht zu thun sei. Was sollte denn aber irreligiöse Menschen zum Zusammentritt. zur gemeinschaftlichen Bcrathung über die Religion überhaupt veranlassen? Sind cs etwa hohe Ehrenstellen, zeitliche Güter, die sie dadurch gewinnen? Bringen nicht Viele gerade diese ihrer Ucberzeugung zum Opfer? Hätten sic es denn nicht weit bequemer nach dem Beispiele der s. g. Frommen, zu Hause bequem fitzen zu bleiben, zu heucheln und sich zu mästen und auf die Strebsamen da draußen Bannbullen. Lügen und Verläuindungen zu schleudern? Man nennt sie Unwissende, Unberufene, Stürmer und Radikale. Aber warum widerlegt man denn sie nicht? Ihr Thun unv Reden geschieht ja vor den Augen aller Welt, ihre Protokolle werden ja veröffentlicht, warum entkräftet man denn ihre Beweise nicht; warum weiset man ihnen denn nicht nach, daß sie weder die Bibel noch den Talmud verstehen? Ihre Versammlung kann, darf und will ja keinen einzigen deutschen Rabbinen ausschließen, er mag zur alten oder zur neuen Partei gehören, warum ziehen nun diese Schaaren frommer, gottseliger und gelehrter Männer nicht geradezu in die Rabbiner - Versammlung, um vor den Augen aller Welt die Unwissenheit der Reformatoren zu Schanden zu machen? Warum beweisen sie nicht auf diese Weise bei den Erörterungen und Disputationen in der Rabbiner-Versammlung ihre Ucberlegenheit. Wäre das für die Religion, die sie durch die reformistischen Rabbinen für gefährdet halten, nicht weit ersprießlicher, als aus ihrem finstern Verstecke hervor, die giftigen Pfeile gegen die Freunde des Fortschrittes aus - zusenden. Warum, wiederhole ich, rücken sie nicht mit dem ganzen Trupp der Gleichgesinnten in die Versammlung der freisinnigeren Rabbinen und schmettern sie mit ihrer bessern Einsicht vernichtend zu Boden. Sie wagen dieses nicht, weil sie die innerste Ueberzeugung haben, daß sie den Kürzern ziehen würden; sie wissen gar wohl, daß die Versammlung der Rabbinen Männer in ihrer Mitte zählt, von welchen ein Splitter ihres Geistes ihrer Hunderte aufwiegt; Männer, deren Namen jetzt schon der Geschichte angehören und die in Juda noch lange, lange mit Dank Liebe und Ehrfurcht genannt werden, wenn ihre Namen längst in Nacht und Dunkel, in Vergessenheit begraben sein werden. Alles Anstemmen, alles Stöhnen des starren Stabilismus, alle Anfeindungen und alle Hetzjagd, wie sie sich schon gezeigt und in der Folge noch hitziger zeigen wird, wird auch nicht das Mindeste fruchten. Der Menschengeist ist nun einmal mündig geworden, er hat Warum fragen gelernt unv kann sich in Bezug auf sein Höchstes und Heiligstes, in Bezug auf sein religiöses Leben, nicht vom bloßen Herkommen besiegen lassen. Das Werk unserer frommen Alten ist gelungen und hat dies das Judenthum viele, viele Jahrhunderte hindurch erhalten selbst in Noth und Tod und vielleicht gerade weil in Noth und Tod. Unser Blick ist aber durch die Gnade Gottes freier und lichter geworden». Man hat unsere Kerker geöffnet, uns wieder heraus an das liebe Sonnenlicht gelassen, und Tausende von Israeliten gehören dem Handwerks-, Kaufmanns-, Künstler- und Gelehrtenstanv an. Und für den Befreiten sollte das Sklavengewand mit seinem Pest- und Modergerüche noch paffen? Wir sollten heute noch den vp für einen Menschen niederer Art halten, weil unsere unmenschlich behandelten Voreltern sie dafür halten mußten. Wir sollten heute noch mit lügnerischer Zunge vor Gott klagen, wir werden tagtäglich zur Schlachtbank geführt, zu Tod und Mord und Schande — und es noch obendrein ein Gebet nennen? Wir sollen das tausendfach verschlungene Spinnengewebe, das der israelitische Geist in seinem vor aller Welt abgeschlossenen Sümpfen, in seinem lichtlosen Körper, in seiner tiefsten Trauer wob und das ihn ganz und gar einhüllte und umschloß — auch jetzt noch nachschleifen müssen, da unser Denken, Fühlen, Wissen und Leben ein ganz anderes geworden? Umhüllt also einmal ihr Vasallen des Herkommens, mit Nebeln und Finsterniß dies Bild und machet, daß das offene Auge nicht sehe, daß der Geist in ewiger Knechtschaft an Menschensatzung gekettet, keucht. Es ist umsonst. Gute Nacht, ihr Fesseln, gute Nacht, ihr Barrikaden, die der Geist, wie der Coloß von Nhodus überschreitet. Verlag der I. C. Hcrmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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