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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-12 · Heft 28 (12.7.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 28 (12.7.1846)
Date
1846-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sss Programm entnehmen wir folgende Stelle: „Ein Unterricht, welcher eine zusammenhängende Auffassung, eine gegliederte Darstellang der höchsten Wahrheiten und der daraus rcsultirenden Pflich. ten beadsschtigt, muß daraus auszehen, gewisse Sätze als Grundwahrheiten hinzustellen, aus denen das Andere sich dann auf naturgemäße Weise adlcitcn läßt. Man hat es oft gesagt und darin einen besondern Vorzug gefunden, daß das Zudenthum keine Glaubenssätze, keine Dogmen habe. Wenn dies die geschichtliche Thatfache ausdrücken soll, daß man niemals gemeinschaftlich über gewisse Sätze übereingekommen fei, um von dem Bekenntnisse zu ihnen abhängig zu machen, ob man berechtigt sei, den Ramen eines Juden tragen zu dürfen, oder gar um nur dem das Heil zuzuerkennen, welcher gegen diese Sätze nicht das mindeste Bedenkcn hat: so ist dies eine Wahrheit, die nicht in Abrece gestellt werden kann. Hatte Maimonidcs auch einen solchen Versuch gemacht, so traten ihm Chisvai Kreskar und Joseph Aldo entschieden entgegen, und alle wurden sie als berechtigt und fromm betrachtet. Ein Anderes aber wäre es. wenn man diesen Ausspruch so verstehen wollte, als hätte das Judenthum überhaupt keine Grundsätze, keine Wahrheiten, in denen sein Wesen besteht, auf denen seine Lebensanforderungen begründet sind; wäre dieß der Fall, so müßte eine solche Religion, wenn sie noch diesen Namen verdiente, geradezu zur stumpfesten Gedankenlosigkeit und Werkheiligkeit führen. Wir können es als erfreulich betrachten, daß es im Laufe der Zeit nicht dahin gekommen ist, die Grundgedanken des Judenthums so abzuschließen und in so feste Formeln auszuprägrn, daß der menschliche Geist in seiner ewigen Fortentwickelung dadurch eingezwängt worden wäre oder sich dagegen hätte auflehnen müssen, daß es vielmehr dem redlichen Forscher im Judenthum gestattet worden ist, mit treuem Fleiße selbst die liefern Grundlagen aus den Urkunden des Judenthums hervor zu arbeiten, daß verschiedene Ansichten darin ruhig neben einander gehen können, und es der wissenschaftlichen Untersuchung überlassen bleiben muß, diese Abweichungen auszugleichen. Aber ein Jeder, welcher eine jüdisch-rcligiöse Ueberzeugung in sich tragen will, muß dennoch solche Grundlagen sich befestigt haben, er muß von gewissen Wahrheiten durchdrungen sein (nicht blos zu gewissen Handlungen sich verpflichtet fühlen), die er als Wesen des jüdischen Glaubens anerkennt, und diese Wesen gestalten sich ihm natürlich zu Grundvnd Glaubenssätzen." — „Allein eine tiefer eingreifende Frage ist, welche Stellung die sogenannten Ceremonialgefetze in dem Un. terrichte einnehmend *) Soll durch den Unterricht das fromme *) S. hierüber Nr. 36 und 37 Jahrg. H dieser Blätter. Die Redaktion. Leben als Resultat der höchsten Uebcrzcugungeu, felbstgewonnener Erkenntniß geweckt werden, so dürfen auch Ccremonien nicht als unbegriffene, einem Gedanken nicht unterzuordnende nebenher gehen; sie müssen entweder kräftige Erweckungsmittel sein zur Gottesverehrnug, ovcr zu unserer eigenen Veredlung und zur Schärfung unseres Pflichtgefühls gegen den Nebenmenschen beitragen. Nur die ersten sind im eigentlichen Sinne Cercmonien, während dir andern vollkommen den Pflichten angehören. So würde man mit Unrecht die biblischen Gesetze, welche Milde gegen die Thiere anempfehlen, wie z. B. das Vieh mit feinem Jungen nicht an einem Tage zu schlachten, nicht das Vogelnest mit der Mutter auszuheben, nicht das Böcklcin in der Milch der Mutter zu kochen und dergl., als Ceremonien betrachten, sie sind nothwendige Acußerungrn eines liebevollen Sinnes, der auch gegen die Thierwelt sich kundgeben soll; so sind die biblischen Speisegesetze, inso. fern sie vor eckelhaften oder vor schädlichen Speisen warnen, ein Ausfluß aus der Achtung vor der menschlichen Würde, die auch den Körper als Organ der geistigen Thätigkeit rein und gesund zu erhalten trachten muß, die ihn nicht in die thicrische Gier zur unterschicdloscn Befriedigung sinnlicher Bedürfnisse verfallen lassen darf. Hingegen wird eine große Anzahl von Satzungen meistens als bloße Erinnerungsmittel betrachtet, als Bräuche, welche uns den Gedanken an Gott vor die Seele führen, als Symbole, welche einen tiefem Gedanken ausdrücken sollen, und sie sind es, die eigentlich als Ceremonien gelten. Wie der Lehrer in seinem Unter, richte mit diesen Ceremonien verfahre, bei der verschiedenen Auffassung derselben und bei der verschiedenen Beachtung, die sie heut zu Tage finden, ist eine Frage, die sehr ernst zu erwägen ist. Er wird, meiner Ueberzeugung nach, am Geeignetsten thun, wenn er bei seinem Unterrichte auf diese Ceremonien im Einzelnen nicht eingeht, wenn er vielmehr neben Gottesdienst und Feiertagen, welche als Ausdruck wie Anregung zur Gottesverehrung von ihm ausführlich zu behandeln sind, überhaupt darauf hinweist, daß auch noch viele Mittel vorhanden find, welche uns den Gedanken an Gott nicht aus der Seele gehen zu lassen bestimmt sind, daß sie aber mit Geist und Gesinnung geübt werden müssen; er wird hier einzelne Beispiele vorführen, ohne jedoch das Gebiet erschöpfen zu wollen. Noch weniger wird er die wesenlosen längst unkräftig gewordenen Gebräuche bekämpfen, die Schule ist am wenigsten ein theologischer Kampfplatz, und nur wo etwa geradezu ein Gebrauch der reinen Lehre widerspricht, wird er ohne Rücksicht auf jenen begründen. So wird er die Ergebung in Gottes Willen bei Leiden und Prüfungen lehren, davor warnen, bei schmerzlichen Ereignissen, bei Todesfällen, sich leidenschaftlich zu gebärden, durch Kleiderzerreißcn und AehnlicheS, eine wilde

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