Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1846)
- Date
- 1846-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SSL waltenden Parteien zu Stande bringen wird. Gebe es Gott, daß auf die Stürme Sonnenschein folge» und nach so vielen Kämpfen ein stiller Friede in unsere Gemeinde einziehe. -t. -d. Die Reformgenossenschaft zn Berlin; die alte Gemeinde. (Berlin.) Noch zittern mir alle Gebeine obdrrschrecklichenKunde, die mir eben geworden. Denken Sie, ein gewaltiger Sturm ist gegen die Reform im Anzuge, der das noch schwache, mit so vieler unermüdlicher Sorgfalt gehegte und gepflegte Bäumchen der Reform wahrscheinlich bis auf die Wurzel vernichten wird. Die Thatsache ist nämlich Folgende; Zwei Männer der orthodoxen Partei haben beim König, sage direkt beim König, eine Dciluntiation gegen die Genossenschaft eingereicht, in welcher sie beweisen, daß das Christenthum durch dieselbe in großer Gefahr sei; denn cs haben schon einige Christen und getaufte Juden den Tempel der Res.-Genoss, besucht und wie leicht könnte diese jüdische Reformlicbhabcrei in der Christenheit um sich greifen! wie leicht könnte diese Hand voll Christen Europas sich zum neuen Judenthume bekennen und was sollte dann der christliche Staat anfangen, wenn alle seine Bürger Juden geworden find! Sie können sich auch schwer vorstellen wie sehr die Nachricht dieser furchtbaren Anklage alle Reformer in Betrübniß und Trauer versetzen mußte. Doch hat die Reform - Genossenschaft trotz der Gefahr, die gegenwärtig ihrem Dasein droht, sich nicht abhalten lassen diese Tage eine Generalversammlung zu berufen, in welcher ein Chorführer mit einem Gehalt von 350 Rthlr. gewählt wurde. Eine zweite Generalversammlung zur Wahl eines ersten Predigers stand auch schon in Aussicht, ist aber aus gewichtigen Gründen bis nach der Rabbincrversammlung verschoben worden. Die Zahl der Candidatcn zu diesem höchst wich- ' Ligen aber auch höchst schwierigen Amte ist, wie ich höre sehr klein und läßt sich auch gegenwärtig noch nicht vermuthen, auf wen die Wahl fallen wird; nur so viel ist gewiß, dag sich das Rcformpublikum sehr nach einem bestimmten Prediger sehnt, und daß die Besetzung dieser Stelle sich immer entschiedener als eine Lebensfrage hcrauostellt, welche daher auch alle Gemüther lebhaft beschäftigt. Nicht minder aber als in der Neformgenossenschakt herrscht jetzt auch in der alten Gemeinde große Regsamkeit. Die Vorsteher sollen schon einen geeigneten Platz für die neu zu erbauende Synagoge känflich an sich gebracht haben, und wird dieser Bau wenn nur irgend möglich, noch diesen Sommer in Angriff genom. men werden. Es soll Alles auf's Glänzendste und Erhebendste eingerichtet, jede nur irgend thunliche Verbesserung des Gottesdienstes vorgenommrn werden, und nicht wenige der conservativen Partei tragen sich mit der wohl etwas zu sanguinischen Hoffnung, hierdurch die Reform gleichsam zu erdrücken, wobei natürlich auch auf die Rednergabe des Hrn. vr. Sachs bedeutendes Gewicht gelegt wird. Um aber dem Publikum schon pränumerando gewissermaßen ein kleines Angeld auf die in Aussicht gestellten Reformen zu geben, suchen die Führer jener neuconservativen Partei schon jetzt mit aller ihrer zu Gebote stehenden Macht die Abstellung einiger, wenn auch nur unbedeutender Mißstände, zu erwirken. Ein solcher Versuch ist ihnen auch neulich gelungen. Es war nämlich hier Sitte, daß die Trauungen, wenn sie nicht in der Behausung der betreffenden Familien stattfanden, nur im Vorhofe der Synagoge, niemals aber in der Synagoge selbst vorgenommen wurden. Neulich wünschte nun eine angesehene Familie, daß ihre Tochter in der Synagoge getraut würde. Hr. Rabbiner Lettinger schlug natürlich die Bitte ab. Man wandte sich an die Vorsteher, diese stellten cs dem Dr. Sachs vor und dieser erklärte sich sofort erbötig dem Wunsche nachzukommen. Darauf wurde nochmals bei Hrn. Rabbiner Oettinger nachgefragt und da er einsah, daß fein Widerstand durchaus fruchtlos sei, so verstand er sich endlich dazu in der Synagoge zu trauen. Es wurde kein Glas zertreten, kein Bärcntauz um den Bräutigam aufgeführt und mehrere andere dergleichen Kleinigkeiten weggelassen. So winzig und kaum der Reve werth diese Verbesserung dem Fernstehenden auch erscheinen mag. so viel Aussehen hat sie in den hiesigen jüdischen Kreisen gemacht, und länger als man glauben sollte, bildete das Ereigniß hier das Tagesgespräch. Die Altorthodoren find zwar sehr aufgebracht über diesen Eingriff in ihre angeblichen Rechte, allein sie bilden die große Minorität, und haben zu wenig geistige Capacitäten unter sich, um auch nur auf kurze Zeit mit einiger Wabrscheinlichkeit des Sieges sich in einen Kampf einlassen zu können. Geigers Programm. Breslau, im Juni. — Ich habe Ihnen schon gemeldet, daß die letzte Prüfung der Zöglinge der hiesigen jüdischen Religionsunterrichtsanstalt abermals erfreuliche Beweise von dem Gedeihen der religiösen Pflanzungen abgelegt hat. Die Zahl der Zöglinge beläuft sich schon auf 250 und ist in stetem Zunehmen begriffen. Außer dem l)r. Geiger sind noch zwei andere Lehrer an dieser Anstalt beschäftigt. Aus dem von vr. Geiger verfaßten