Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1846)
- Date
- 1846-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SS« digen Gesetzes, die Willkührherrschaft einiger Weniger cinlrelen. Aber wenn irgend eine Besorgniß sich als unbegründet zeigte, so ist es diese. Die Männer, die cs in ihrem ersten Aufruf ausgesprochen haben , daß sie sich nicht für berufen erkennen, die innerhalb des Judcnthums nothwendig gewordene Umgestaltung selbst auszufuhrcn, und daß sie nur in Gemeinschaft mit einer großen Gesammthcit Gleichgesinnter und durch das Organ einer von allen gemeinsam berufenen Synode das Werk der Reform vollbringen wollen, diese Männer haben cs bewährt, daß sie an diesen Grundsätzen festbalten, und daß sie, weit von dem Streben entfernt sind, sich selbst eine Herrschaft anzumaßen, die sie dem hergebrachten Gesetz nicht mehr zugesteben wollen. Nicht nur die Männer des ersten Aufrufs sind zurückgetreten, und baden als Mitglieder der zahlreichen Genossenschaft, die sich in Berlin gebildet hat, kein Vorrecht für sich in Anspruch genommen, auch diese selbst, wie sehr sie auch gegenwärtig noch an Zahl überwiegt, wie sehr sic auch in Allem, was bisher geleistet wurde, fast allein dastckt, will nur als ein einzelnes Glied der Gesammtgcuosseuschast gelten, das in gemeinsamen Berarbnngen mit andern zu wirken sucht. Auch der Gottesdienst, der zur Befriedigung eines lokalen Bedürfnisses provisorisch ins Leben gerufen wurde, wie hohe Anerkcnnuug sich derselbe auch errungen, ist doch nirgend als maßgebend für die Zukunft und für die Gesammthcit bezclchnct worden. Dagegen ist es den Bemühungen der dortigen Genossenschaft in der neuesten Zeit gelungen, durch Berufung auswärtiger Deputirtcn alle bisher gebildeten Genossenschaften zu einer einigen Organisation zu fuhren, durch welche es der kleinsten Gemeinde wie der größten, ja selbst Einzelnen zusteben soll, ihre Wünsche und Bedürfnisse geltend zu machen. Und diese unsre Ansprache an Euch sie ist die erste Frucht dieser Vereinbarung. Denn nicht einzelne Männer, nicht die Glieder einer einzelnen Gemeinde, sondern die Gcsammtbeit aller derer, die sich im ganzen deutschen Vaterlande bisher dieser Bewegung angeschloss-en haben, sie ist es, die in diesen Worten zu Euch spricht und Euch aufruft, mit Muth und Zuversicht dem Bunde beizutretcn, der sich ein hohes und erhabenes Ziel, der sich die wahrhafte Wiederbelebung unsrer heiligen Religion zu seiner Aufgabe gestellt hat. Aber noch einmal sei es hier wiederholt, was schon im ersten Aufruf ausgesprochen ist: Nur an Gleichgesinnte ergeht unser Wort; daß sie sich zu uns gesellen. Wir wollen nicht unsere Ueberzcu gung denen auf drin gen, die si ch in einer anderen glücklich fühlen, wir wollen nur diejenigen zur Tbat, zur offenen und gemeinsa me n Th a t a uff o rd ern, die di esc U eberzeugung mit uns t hei len und die ein gleiches Bedürfniß mit uns empfinden. Es ist für das Judenthum die Zeit gekommen, in der es ein festes Wollen, in der es eine offene Rede und eine entschiedene That gilt. Darum wähle ein Jeder den Platz wo er stehen und wirken will; denn furchtsames Schweigen, unentschlossenen Schwanken oder gar gleichgiltiges Zuschauen es würde sich an uns, cö wurde sich an unfern Kindern strafen. Und so ergeht zum zwcitenmale an Euch Ihr Gleichgesinnten unter uniern deutschen Glaubensbrüdcrn der Aufruf: daß Ihr Euch einzeln oder in Gefammtheitcn zu zu uns gesellt, um als gleichberechtigte Glieder der einigen Genossenschaft für Reform im Judentbum die Schritte beratben und ausfübreu zu helfen, durch welche wir unsere heilige Religion in derjenigen Gestalt wieder Herstellen wollen, in welcher wir sie zu unserm wahrhaften und vollen Eigcnthum machen und freudig unfern Kindern vererben mögen. Berl in, im Mai 1846. Das provisorische Centra l-C omit6 der Genossenschaft für Reform im Juden thum. Im Aufträge der ersten Deputirtenversammlung. Geschichte des Tages. Rabbinerwahl in Papa. Aus Ungarn. Am 2. t>. M. ging in Papa die Rabbinerwähl vor sich, und der Rabbiner Leopold Löw ist definitiv zum Oberrabbiner bestätigt, ein Mann von großem Revnertalcnie und philosophischem Geiste, dessen bewährte Gelehrsamkeit und mehrjährige befriedigende Wirksamkeit in allen Branchen seines Faches rühmlichst genug bekannt ist, und der seine Hand energisch an das Schulwesen anlegt, was Ungarn so wohl thnt. Es steht auch zu hoffen, daß Herr Löw eine Ausgleichung zwischen beiden hier ob-