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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-12 · Heft 28 (12.7.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 28 (12.7.1846)
Date
1846-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SIS Wonnen haben, als da zum ersten Male das Wort an Euch gerichtet wurde.—Ihr konntet damals fürchten, daß jene Männer des Aufrufs wohl des Wortes fähig, aber nicht auch der That mächtig seien, in der es sich verwirklichen sollte. Könnt Ihr auch noch heute dieser Besorgniß Raum geben, nachdem in Berlin, in einer Gemeinde, die man so lange der religiösen Gleichgültigkeit anklagte, ein Gottesbaus aufgcrichtet ist, das schon durch sich selbst unwiderlegliches Zcugniß ablegt von der festen Willenskraft, die hier gewaltet, und die nicht auf die Hindernisse, welche im Wege standen, sondern allein auf das Ziel blickte, das sie erreichen wollte? Ein Gottesdienst ist ins Leben getreten, in welchem der Odem tief empfundener Religiosität sichtbar lebendig ist, und in dem sich nicht minder der wabre Geist des Zudentbums wie das religiöse Bedürfniß der Gegenwart zu erkennen giebt. Wo solche That in so kurzem Zeitraum ans der Saat eines Wortes emporwuchs, wer darf da noch länger an dem Ernste an der lebendigen Kraft dieses Wortes zweifeln? Ihr konntet damals Bedenken tragen, ob das Bedürfnis nach einer Umgestaltung der äußern Formen im Iudentbum, wie tief Zhr auch dasselbe empfunden, in unserer Religion ein berechtigtes sei, und ob es gar Euch, die Ihr nicht die Wissenden und nicht die Berufenen seid, zukäme, an den bestehenden Formen zu rütteln und Euer eigenes Bedürfniß für ihre Umgestaltung geltend zu machen? Aber Ihr habt Männer des Wissens und Berufs selbst, Ihr habt die ausgezeichnetsten Rabbinen und Prediger unsrer Zeit zusammentreten sehen, um dieses Recht der Gegenwart nicht nur offen anzuerkennen, sondern auch durch die Tbat geltend zn machen. Ihr habt es von diesen Männern selbst vernommen, daß unsre heilige Religion nicht einzelnen Bevorzugten, sondern einem Jeden das Recht zugesteht, seine Ueberzeugung und sein Bedürfniß kund zu geben; Ihr habt von jenen Männern den 'Ausspruch vernommen , daß die Bestrebungen der Genossenschaft wohl berechtigte und durchaus im Boden des Judenthums wurzelnde seien: ja Ihr habt diese Männer selbst für die Einrichtung dieses Gottesdienstes durch ihren Beirath Mitwirken und das Wort Gottes an geweihter Stelle verkündigen sehen. Könnt ihr noch zweifeln, daß es auch Euer Recht, ja, daß es auch Eure heilige Pflicht sei, an diesem Werke durch Wort und That Theil zn nehmen, auf daß es zum wahren Heil des Indentbums und seiner Bekenner vollbracht werde, wie es aus wahrhafter Liebe zum Judenthnme begonnen worden ist? Ihr konntet damals Besorgniß hegen in Eurem Gemüthe: es werde eine Saat des Unfriedens und der Zwietracht sein, die durch dies Beginnen ausgesäet werde unter unfern Glaubensgenossen; es werde das kleine Häuflein unserer Brüder noch mehr zerrissen und zersplittert werden, und es möchten des Landes Mächtige schwerlich zugebcn, daß Solches geschehe in ihrer Mitte und unter ihrem Scepter. — Aber die Tbat har es anders gelehrt. Auch nicht einen Augenblick ist der Friede da gestört worden, wo das Werk begonnen und schon so weit gediehen ist. In ungetrübter Eintracht leben und wirken die Männer der verschiedensten Ansichten neben einander, weil wahre Religiosität die Ueberzeugung eines Jeden achtet, und Keinem das Recht streitig macht nach derselben zu leben und zu handeln; und noch weniger ist von Seiten der Staatsregierung eine Bewegung gehemmt worden, die wie die unsrigc nicht den Kampf, sondern den Frieden sucht, die nicht durch äußeres Aussehen glänzen will, sondern ihren Ruhm in einer stillen inneren Entwickelung findet, die nicht durch gewaltsame Anstrengungen sich ansznbrciten bemüht ist, sondern es ihrer Berechtigung allein überläßt, die Zustimmung und Mitwirkung der Beiheiligten zu gewinnen. Darum mögen die Friedliebenden nicht einen Kampf befürchten, der unsrer Sache um so weniger droht, jemehr sie in ihrer wahren Bedeutung hervortritt; es mögen die Furchtsamen keiner Besorgniß Raum geben, deren Grundlosigkeit schon jetzt offen am Tage liegt, und vor Allem gebe ein Jeder der Wahrheit die Ehre, und halte fest an der Ueberzeugung, daß, wer in ihrem Dienste ist, keine Gefahr zu furchten und keine zu scheuen hat. Und endlich mochtet Ibr damals, obwohl mit Unrecht fragen, ob cs nicht bedenklich sei, sich einigen wenigen Männern auf Treu und Glauben anzuswlleßen, die vielleicht gesonnen sein möchten, nach eigenem Gutdünken einen neuen Koder, oder gar ein bindendes Glaubensbekenntniß desIudenlhums zu entwerfen? Ihr konntet fürchten, cs wurden jene Einzelnen sich selbst zu Gesetzgebern aufwerfen, nachdem sie das Ansehen der früheren Gesetze angefochten batten; und es könnte statt der Herrschaft eines veralteten, aber doch chrwür-

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