Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1846)
- Date
- 1846-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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21§ fcmtcr des Judenthums, wie ächte Söhne der Zeit, des Vaterlandes sind, denen sie angehörcn. Nicht weil es neue und außerordentliche Ideen waren, welche hier plötzlich an den Tag kamen, haken sie sich in der Nähe wie in der Ferne Anerkennung gewonnen, sondern weil es langst erkannte Wahrheiten sind, die in eindringlichen und überzeugenden Worten ausgesprochen wurden; nicht weil ungckannte und fremde Bedürfnisse durch dieselben angeregt wurden, haben sie freudigen Anklang in den Herzen von Tausenden gefunden, sondern weil sich ein tiefgefühltes und allgemein empfundenes Bedürfniß in demselben kund gab. — Und was vor Allem geeignet war, jenen Worten Vertrauen zu erwerben, es ist die warme Begeisterung für unsere heilige Religion, die sichtbar ans denselben hcrvortrat, cs ist das feste und unerschütterliche Vertrauen auf eine schöne und große Zukunft des IudcntbumS, von dem sie Zeugniß gaben. Aber nicht Zustimmung und Billigung allein war es, welche jener Aufruhr forderte. Zur Tbat, zur entschiedenen und gemeinsamen That sollten diejenigen angeregt werden, die in demselben ihre eigene Ucberzeugung, ihre eigenen Wünsche und Hoffnungen ausgesprochen fanden. Mit ihrem Namen sollten die Männer der Reform hervorrrcten, um sich zur offenen Kundgebung ihrer Ueberzeugungen und ihres Strebens zu vereinigen. Mit ihren Kräften sollten sie Mitwirken, um sich zu einer großen und einigen Gesammthelt zu verbrüdern, von welcher das Werk einer wahrhaften Wiederbelebung des Jndembums begonnen, und durch das Organ einer Synode vollbracht werden sollte. ist ein bedeutender, ein oft gar schwerer Schritt, . Wort zur That fuhren soll, es finden sich viele Wege, die zwischen der Zustimmung und der Mitwirkung liegen. Doch so tief, so dringend war das Bedürfniß, auf dessen Befricdigunng die neue Bewegung gerichtet war, ein so entschiedenes Vertrauen hatten sich jene Worte durch die Gesinnung gewonnen, die sich in denselben kund gab, daß die Zahl derer nicht geringe war die sich mit Wort und That zu den Gründern des schönen Bundes gesellten, um sofort das Werk der Vereinigung für die große Aufgabe zu beginnen, welche das Judembum in unsrer Zeit von seinen Bekennern fordert. Und mehr als tausend Männer ans den verschiedensten Gegenden des deutschen Vaterlandes sind es, die sich bis heut schon zu einer einigen G enos senschafr für Reform im Judenthum verbunden haben. Doch wollen wir darum auch nicht mit denen rechten , die bis jetzt noch mit ihrer Erklärung zurückgeblieben sind, obwohl sie mit ihrer Gesinnung auf demselben Boden stehen, die bis jetzt noch angestanden haben , sich unsrer Bereinigung anzuschließen, obwohl sie das Bedürfniß und das Streben theilen, von dem dieselbe herbeigcführt wurde, die bis jetzt ibre Kräfte noch nicht für die Zwecke der Gesammtheit verwendet haben, obgleich sie vielleicht in ihren Kreisen sich schon längst einer ähnlichen Wirksamkeit widmen. Es gilt ein zu heiliges Interesse, als daß man cs mißbilligen könnte, wenn Einzelne zögerten, den schlichten, aber dcnno t> leicht zu mißdeutenden Worten unbekannter Männer ibr Vertrauen zu schenken; es waren zu viele, zu bedeutsame Rücksichten zu beobachten, als daß man von Allen den gleichen Much eines schnellen und entschiedenen Ent, schlusses hätte fordern können. Aber fürwahr, das werden die treuesten un'ercr Freunde, die zuverlässigsten unter unfern Verbündeten sein, die erst sich und uns prüfen wollten, um mit vollem Bewußtsein ein so heiliges Bündniß cinzugehen. Darum sind wir nicht schwankend geworden in unserer Zuversicht, da sich die Zahl der Genossen anfangs nur langsam mehrte, wir hofften nicht auf allzurasche Erfolge; wie unerschütterlich wir auch im Vertrauen zu unserer Sache waren, die die Gewißheit ihres Gedeihens in sich trägt, so wollten wir doch nicht Männer die Unsrigen nennen, welche nur von der Begeisterung des Augenblicks sich Hinreißen ließen, sondern solche die einer wohlgeprüften, aber auch um so festeren Ucberzeugung folgten. Aber nicht nur gehofft haben wir auf das einstige Gelingen unsers Werkes, wir haben auch murbig Hand angelegt, um es zu beginnen; und nicht Worte allein, auch Tbaten sollten davon Zeugniß geben, daß es uns hoher Ernst sei um die Wiedererweckung des ewig lebendigen Jndembums aus dem Schlummer, in dem cs seit Jahrhunderten durch die Verdüsterung seiner Lehren, seit Jakrzehnden durch die Gleichgültigkeit seiner Bekenner festgehalten wird. Und so lasset uns denn Zusehen, ob wir heut ein höheres Recht an Euer Vertrauen, einen begründeteren Anspruch an Eure Mitwirkung für unsre Aufgabe ge-