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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-05 · Heft 27 (5.7.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (5.7.1846)
Date
1846-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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210 grammatikalischen und orthographischen Fehlern — die um so auffallender sind, da der oder die Herausgeber am Druckorte anwesend sind und in einer Stadt der „überkühnen Kritik" gewiß Biele sind, die orthographisch und grammatikalisch richtig schreiben können — leidet sie noch an Mängeln anderer Art. Eine Ansprache an eine Gemeinde muß vor Allem schlicht, einfach und leicht verständlich fein; gar viele Sätze in derselben sind aber gespreizt, verrenkt, und wie auf Stelzen cinhergehend. Eine Ansprache soll ferner, namentlich wenn sie von einem neu gewählten Vorstande ausgeht, Versöhnung und Frieden athmcn; zwar sind in derselben einige Phrasen zu diesem Zwecke geschnitzt, aber man merkt es der ganzen Ansprache an, daß sie nur mit großer Mühe und Anstrengung an sich hält, und sie platzt denn doch, wo sich Gelegenheit bietet, mit Zank und Streit hervor. Endlich sind Phrasen wie „wir arbeiten ja für die Nachwelt, sie möge uns richten" hier nicht nur unsinnig, sondern läche"lich. Spräche die Ansprache von wichtigen und kräftigen Reformen, so wäre vielleicht ein solcher emphatischer Satz anwendbar; allein sie »ersteigt sich in ihrer Feigheit nicht weiter, als ob der neue Tempel einer „Weinkneipe" ähneln soll oder nicht; die Nachwelt wird aber sicher etwas Besseres zu thun haben als zu Gerichte zu sitzen, ob in einer Stadt der überkühnen Kritik jene Partei Recht hatte, welche behauptete, man solle im Tempel nicht schütteln und beuteln oder die, welche das Gegentheil behauptete. In Summe: wir glauben nicht, daß die Ansprache den wahren Sinn und Gedanken des gutmeinenden Vorstands ausdrücke, sondern daß derselbe nur das Rohr sei, in welches eine sehr unlautere Stimme hineinbläs't. Hüte sich der Vorstand und die, welche zu ihm halten, — die Gegenpartei wird ohnedies auf ihrer Hut sein — daß man am Ende nicht mit ihnen — blinde Kuh spiele. Predigt hei der Einweihung des Gotteshauses der Genossenschaft für Re. form im Judenthum, gehalten von Dr. Sam. Holdheim. Berlin, 1846. Es ist, wie die Leser sich erinnern, dieser Predigt bereits von unserem Berliner Eorenspondenten gedacht worden. Dieselbe enthält jedoch so viel Treffendes über das Bestreben der Reform-Genossenschaft, wie über die Wahrheit des Judenthums überhaupt, daß wir cs uns nicht versagen dürfen, den wichtigsten Stellen einen Platz in diesem der Reform gewidmeten Organe einznräumen: „Das Haus—beginnt der geistreiche Redner—steht vollendet vor unserem Blicke, und doch ist es zunächst der unsichtbare Boden, in dem es rnhet, und der erste Grundstein, der es trägt, die wir allein im Auge haben müssen. Nur in dem Maße, als dieser Boden kein schwankender und der Grundstein ein fester. in sich gegründeter ist, werden beive den, jeglichem Sturme trotzenden Bau tragen und unaussprechlichen Segen entfalten für uns unv unsere tbeuere Glanbensgenoffenfchaft, von der —wir sprechen es mit innigster Zuversicht aus — Ihr Euch im Raume getrennt, um desto inniger im Geiste und im Herzen Euch mit ihr brüderlich wieder zu vereinigen. Indem wir die Weihe dieses Heiligthums vor Gott begeben, die Erstlinge unserer Andachtsgefüble auf den neu eirichteten Altar deS Herrn nicverlegcn, feiern wir zugleich das Jabresfest und die Geburtsstnnde einer neuen herrlichen Schöpfung im Schooße unserer heiligen Religion, einer Schöpfung nicht etwa eines neuen Lichtes uns einer neuen Wahrheit, sondern eines neuen sittlichen Bodens, der neben dem Lichte die Jinstcrniß nicht duldet; einer neuen sittlichen Kraft, die neben der Wahrheit die künstlich übertünchte Unwahrheit nicht Raum gewinnen läßt. Zu den Hauptsätzen des Aufrufes der Genossenschaft übergehend , fährt nun der Redner fort: „Wenn euer Bestreben binnen Jahresfrist so weit gediehen ist, rc so habt ihr diesen Erfolg nichts Anderem zu verdanken, als dem Zurufe: wir wollen Glaube' v. h. wir wollen festhalten am Glauben, daß er weder in den uns umrauschenven Wogen des weltlichen Sinnes untergehe, noch in einem leeren Thun ohne Begeisterung sein Grab finde, daß! weder in den versengenden Strahlen unheiligen Feuerö der Le-; bensquell unseres Herzens versiege, noch durch die Wucht äußerlicher Werktheiligkeit die Kraft des Glaubens in unserem Herzen erdrückt und ertödtet werde. „Und weil wir den Glauben ernst, lich wollen, so müssen wir eilen, zu retten aus der Zerfallenheit was in unserer geistigen Gesammtentwickelung fortbestehen kann, denn wie wir den Glauben wollen, so wollen wir auch Alles, was den Glauben in uns beleben und befestigen kann. Die Entfernung alles dessen, was als erstorbener Zweig an dem Baume des Glaubens sein Leben nicht theilt und nicht fördert, kann noch immer nicht erhöhen. Dies können nur die lebendigen Zweige, durchtränkt von den Lebenssäften des Baumes, Kraft und Nahrung aus ihm ziehend,und dieselbe in gleichem Maß ihm mitthcilenv. Der weise Gärtner schneidet die verdorrten Zweige ab, die dem Wachsthume des Baumes schaden, aber er Hüter sich, das Messer an die Zweige zu legen, in welchen noch frisches Leben vorhanden ist. Hätte Mose nur den Götzendienst der heidnischen Naturreligionen vernichtet, aber nicht zugleich die Anbetung des einzigen Gottes in Israel aufgebauet, er würde nicht der Begründer einer die Menschheit nmbildenden Religion geworden sein. Hätten die Propheten nur gegen den äußerlichen Zcremoniendienst angekämpft, aber nicht zugleich den innerlichen Dienst des Geistes und res Herzens tiefer begründet, ihre Worte wären nicht von so nachhaltiger Kraft uuv Wirkung nach Jahrtausenden gewesen. (Schluß folgt.) j Zur gefälligen Notiznahme.! Unfern Corresp. in Cassel bfttcn wir um Fortsetzung seiner Berichte; der vorletzte ist durch Zufall nicht abgedruckt wor- I den. — Herr — r in Baiern wird uns durch baldige Fortsetzung! seiner Reiseberichte verbinden. — Zur Besprechung der uns iiber-! machten Druckschriften hoffen wir nun bald Raum zu gewinnen. Verlag der I. C. Hermann'fchen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Dri'ck von Fried. Krähe in Offenbach.

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