Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1846)
- Date
- 1846-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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«15 sammelten für sehr enrünschlich, wenn die angegebene bisherige Hebung, bei der sich Niemand zu beklagen hatte, fortbestehen dürfte- und fügen noch bei, daß diejenigen israelitischen Knaben, die von ihren Vorgesetzten zu öffentlichen Aemtern gebildet werden, ohnehin auch das Schreiben am Sabbathe nicht zu unterlassen pflegen. Hiemit wurde die Verhandlung wegen vorgerückter Zeit geschlossen, und nach Vorlesen unterzeichnet. Hirsch Aub, Rabbiner. E. Marx. Benedikt Henle. Maier. Königliche Regierungs. Conimission. H u s s e l. Rauchenberger. Ansprache der Israeliten in Papa. Aus Ungarn. Ich berichte Ihnen heute von einem Brochürchen, betitelt: „Ansprache an die Jsraeliten-Gemeinde in Papa; von ihren Vorstehern im Jahre 1846." Das Brochürchen ist einigermaßen im Sinne des Fortschrittes geschrieben und ist daher I einer Besprechung in Ihrem Blatte werth. Der Vorstand dringt in der Ansprache auf Reform in Synagoge und Schule freilich in den über alle Maßen bescheidnen Gränzen, daß alles Anstandswidrige aus dem neuen Tempel schwinde d. h. daß die Vorübergehenden den Tempel nicht für eine „Weinkneipe" oder die Hineinblickenden nicht für einen „Jahrmarkt" halten mögen. Auch eine Gemeindeschule soll errichtet werden und wir vermissen hier die Hinweisung und Anregung zur Rückstchtsnahme auf das Vaterländische. Auch ein Oberrabbiner soll angestellt werden, und da auf diesen Punkt die ganze Ansprache abzuzielen scheint und überhaupt der religiöse Fortschritt der Gemeinde sich daran knüpft, so wollen wir denselben näher anschaucn und beleuchten. Der anzustellende Rabbiner soll moralische (besser religiöse) Vorträge in beiden Mundarten so wie dogmatisch halachische Reden abhalten können, er soll durch seinen Ruf über die „übcrkühne Kritik" der Papaer erhaben sein und überhaupt einen Namen sich im ungarischen Israel erworben haben. Wenn wir einerseits die Anforderung an den Rabbiner durch den Ruf seiner Fähigkeit über die „überkühne Kritik" der Papaer erhaben zu sein, für gar hochtönend halten: so können wir andrerseits nicht begreifen, warum der Mann, der über „die überkühne Kritik" der Papaer erhaben sein muß, gerade ein solcher sein sott, der einen Ruf im ungarischen Israel sich erworben hat. Denn wir behaupten, daß in Bezug auf Kanzelberedsamkeit die Leistungen unserer jungen Rabbiner — die alten sollen ja nach der Ansprache ausgeschlossen bleiben — wenn man deren veröffentlichte Predigten liest, eine minder kühne Kritik als die der Papaer nicht befriedigen, und was dogmatisch halachische Borträge so wie die neue wahre Wissenschaftlichkeit betrifft, so vermuthen wir in denselben nicht nur keine große Synagogenlichter - sondern keine kaum bemerkbar flimmernde Kerzchen und wenn gar von Vertretung des Fortschrittes, für welchen doch die Ansprache zu kämpfen scheint, die Rede ist, so könnte einem vollends übel und wehe werden, da unsere jungen Rabbiner — hie und da einen ausgenommen — lauter Schaukel- und Gankelmänner sind, die! nach dem Muster des Pesther Rabbiners den Alten gegenüber neu und den Neuen gegenüber alt thun, denen zuweilen ein Wörtchen i von Fortschritt entfährt, die aber mit demselben blos kokettiren! aber diesen nicht wahrhaft lieben. Im Interesse des Fortschrit-! tes, den doch der Vorstand vertritt, ist zu wünschen, daß ent- > weder gar kein Rabbiner oder ein solcher angestcllt werde, der! entschieden wenigstens dem moderirten Fortschritte huldigt, der nicht O'E'J/O by JJD12 ist, da die Erfahrung lehrt, daß heuchlerische Halbheiten den Gemeinden mehr schaden als nützen. Denn in den Gemeinden, wo kein pfäfsisches Männlein sitzt, gehen die Gemeinden ihren eignen Gang, richten sich mehr oder minder nach den fortgeschrittenen Gemeinden des In- und Auslandes und kommen endlich mit weit mehr entschiedener Gesinnung zum Ziele als solche, in denen halbdunkle Rabbiner hausen.— Wenn aber die Ansprache plausibel machen will, daß die Aufnahme eines Oberrabbiners zur Ueberwachung der Schule nöthig sei und dabei die kühne Behauptung aufstcllt, daß „alle jene" Schulen, die nicht von einem Oberrabbiner, der zugleich ein guter Schulmann ist, überwacht werden, nimmer ihrem Zwecke entsprechen, so sagen wir, obgleich wir nicht zu den überkühnen Kritikern in Papa gehören, daß jene Behauptung eine Unwahrheit ist. Denn viele Schulen bestanden und bestehen im Vaterlande unter der Leitung sachkundiger Männer aus der Gemeinde und entsprechen weit besser ihrem Zwecke als jene Schulen, in welche ein charlatanifcher, orthodox thucnder Rabbiner hineinpfuscht, dem, um sich bei der Orthodoxie einzuschmeichlen, immer und immer nicht genug hebräisch unterrichtet wird, und der aus schmutzigen und egoistischen Gründen das wahre und praktische Bedürfniß der Schule nicht erkennen will. ES muß in der That mit der Papaer „überkühnen Kritik" nicht so furchtbar ausschauen, wenn die Ansprache solche Unwahrheiten zu behaupten wagt. — So weit vom Inhalte. Was nun Form und Styl dieser Brochüre anbelangt, so haben wir Folgendes zu bemerken. Abgesehen von den vielen