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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-05 · Heft 27 (5.7.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (5.7.1846)
Date
1846-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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310 men, in Widerspenstigkeit gegen den Brauch, wenn er er auch zum Mißbrauch sich gestaltet hat, in einen ungeregelten, gesetzlosen Zustande. Aus dieser Anarchie müssen wir Herauszukommen suchen; denn sic ist der Hecrd des Indifferentismus. Es muß ein Institut geschaffen werden, aus dessen Quelle der Jsraelüe, welcher, mit den veralteten Formen zerfallen, sich nach einem im Geiste der Zeit geordneten Religionswesen sehnt, Rath schöpfen möge, was von Seiten aufgeklärter, ihrem Glauben mit Hingebung angebörender Lehrer als wesentlich und heilsam für noch zu Rechte bestebend oder als unwesentlich und schädlich für aufgehoben erklärt sei. Ein solches Institut zu werden, ist die Rabbinerversammlung berufen" „Wer hat ihr dazuden Auftrag ertheilt? Die drängende Zeit! Woher hat sie ihren Beruf? Aus sich selbst! Wer bat die Männer jener großen Synode berufen, welche vom Beginne der zweiten Tempelperiode an, nachdem lange Zeit Abfall und Zerrüttung weit schlimmer als jetzt in Israel geherrscht hatten, Jahrhunderte hindurch das religiöse Leben kräftigten und regelten? Oder will man einwenden, es waren unter den Begründern jener Synode Propheten, die mit einer höbern Autoritär die Versammlung bekleiden konnten; wer hat dann, nachdem in den Tagen des Syrischen Glaubensdruckcs neue Störung das religiöse Leben bedroht hatte, die Chachamim berufen, die Männer des Talmuds, welche über ein halbes Jahrtausend in verschiedenen Schulen rhätlg waren, um die mosaischen Satzungen auszuhämmern, damit sie das ganze Leben der Israeliten mit einem religio en Ueberzuge umschließen möchten?" „Man sagt, es seien unser zu Wenige, die zusammen treten. Das wohl bedauern wir selbst, daß so manche unserer gleichgesinnten Amtsgenosscn sich theils durch außer ihnen liegende Gründe, theils aber auch durch falsche Besorgnisse oder Nebenrücksichten abgehalten fühlen, unserem heiligen Werke sich anzuschließen. Uebrigens ist dieses Werk erst im Werden; und wurde die kolossale Arbeit der Talmudisten in einigen Jahren fertig? War ihr Werk in seinen Anfängen nicht so klein? Wie viele Vertreter desselben nennt uns denn die Geschichte während der maccabäischen Fürsten, unter denen die pharisäische Lehre in Schulen sich auszubilden begann? Auch Das tadelt mau an unserer Versammlung, daß sie nickt alle Parteien in sich vereinige. Allein trifft denn die Schuld uns, wenn die conservativ sein wollenden Männer— wahrer Conservatismus ist überall eins mit wahrem religiösem Fortschritt — nicht in größerer Anzahl bei den bisherigen Zusammenkünften erschienen sind, um ihre Sache muthig und kräftig zu vertreten? Denn in unserer Zeit kann vor den Augen der Welt keine Versammlung Bestand haben, wenn sie nicht auf Verbesserung, d. h. zeitgemäße Umgestaltung unserer religiösen Zustände eingeht. Verfinsterung läßt nur im Finsteren sich bewirken; der Troß der Dunkelmänner schleicht im Dunkeln; das Grubenlickr der Zntrigue und der Verdächtigung in der Hand, durchzieht er die nächtlichen Schachte, um unter den Füßen offen redender und handelnder Männer seine Minen anzulegen. Was in unserer Zeit vor den Augen der Sonne geschieht, das muß der Sache des Lichtes dienen. Wollen sich also unsere mit uns sich nicht verbinden wollenden Amtsbrüder unter sich verbinden, um auf ihre Weise die Reform des Judenthums zu unternehmen. Glück auf! Wir wollen ihnen eine recht große Anzahl von Theilnehmern wünschen; sie mögen uns poai noarD (an Weisheit und Zahl) weit übcrtreffeu; sie mögen uns mit jener Bitterkeit bcnrlbeilen, womit recht uncollegialisch die Männer des orientalischen Talmuds die des occibentalischcn beunheilt haben (Sanhedrin 24, 1), nur mögen sie heraustreten, sich in Reih und Glied stellen, uns und dem harrenden Volke, nicht in Bausch und Bogen, sondern in's Einzelne eingehend, bezeichnen, was sie im Judenthum für umgestaltbar halten, und wie man's umgestalte. Thun sie dieses, wir würden uns doppelt freuen; denn cs wäre ein Verdienst der Rabbinerversammlung, dazu den Antrieb gegeben zu haben. Thun sie dieses aber nicht, dann tritt der andere Fall ein: sie gestehen dann stillschweigend zu, daß die Rabbinerversammlung faktisch das einzige, im jetzigen Israel bestehende Institut sei, in welchem sich eine Anzahl von Volkslehrcrn vereinigt hat, um die Regenerirung des Judenthums anzustrcben; eine Tbatsache, welche die Geschichte, wenn einmal die Gegenwart zur Vergangenheit geworden, gewiß nicht zu unserem Nacktheile deuten wird.,, „Auch das setzt man unserer Sache entgegen, die Rabbinerversammlung finde bei der Masse des Volkes zu wenig An klang. Allein so wie

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