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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-28 · Heft 26 (28.6.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 26 (28.6.1846)
Date
1846-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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4 Allgemeine« mit Riesenschritten vorrvckt: glauben wir dennoch, es sind noch hinlängliche Mittel vorhanden, die stattsinoende Gelegen» heit zu benützen, um eine Kolonistrung ins Große zu begründen. Zm festen Glauben und in der Ueberzeugung, daß es noch Männer in Israel gibt, die große Opfer zum Gemeinwohl zu bringen bereit sind, und daß ste mit Salomon Heine und IonaS Frankel nicht auSgestorben, legen wir folgende Ideen zur Unterwerfung eines Plans zur Kolonisirung jüdischer Familien im großen Maßgabe, der keine eigentlichen Opfer, nur Vorschüsse, die stch in wenigen Jahren reichlich verzinsen müssen, vor, der manchem seiner Neuheit wegen abenteuerlich erscheinen mag, nichtsdestoweniger mit GotteS Hülfe und mit gutem Willen leicht ausführbar ist. Wünschen zugleich, daß ein vollkommen dazu befähigter Mann es werth finde, den Plan auszuarbeiten, der Gemüth und Beredsamkeit besitze, um auf das Herz einflußhabendcr Reichen zu wirken. A. Die Kolonie wäre zu begründen durch reiche Familien, die die Absicht haben ihren Nachkommen, nicht nur in eine ehrenvolle, vor allem Druck und vor aller Verkürzung gesicherte Lage zu versetzen, sondern auch durch ein mäßiges Kapital ein Besitzthum zu sehen, das die Aussicht gewährt, mit der Zeit einen Werth zu erlangen, der mancher bedeutenden deutschen landständischen Herrschaft gleichzuachten sein dürfte. B. Durch Vermögende, die im verringerten Maßstab Aehnliches er. eichen wollen. C. In arbeitsamen Einzelnen oder in Familien, die nur so viel besitzen, um die Uebersiedlungskosten zu decken und auf kurze Zeit den unentbehrlichen Unterhalt zu bestreiten, endlich v. Aus fblchen, die ganz ohne Vermögen von den Klaffen A «nd B alS Arbeiter oder Pächter auf eigne Kosten angenommen w.-rden. In der Regel wäre anzunehmen: daß Jene unter C, bei Ankunft am Riederlaffungsorte eine Hütte, nöthiges Arbeitsvieh und Ackergeräthfchaft, nebst 40 bis 50 Acres culturfähigen Boden angewiesen bekomme, von dem er die ersten drei Jahre keine wie immer namenhabende Zahlung zu leisten hätte, nach Verlauf dieser Zeit zahlt er für den ausgemittelten Werth der für ihn gehabten Auslagen 5 pCt. als Grundzins der sich jährlich um 1 pCt. steigert bis auf 8 pTt.. welcher Grundzins für alle Folgezeit bestimmt bleibt. Der Kolonist erhält eignen Grundbesitz ohne Abhäugigkeit, ohne Rabbat und sonstige Rustikallasten zum Geschenk, gegen Entrichtung eines Grundzinses, der kaum den 5. Theil erreicht, den er in Deutschland für Aerarial- und Dominicallasten, für erkauftes oder ererbtes Eigenthum, zu entrichten verpflichtet ist; und das ausgelegte Kapital bleibt versichert und gut verzinset. Zu diesem Behufe bedarf es nur. daß sich einige einflußreiche Männer an der Spitze des Unternehmens stellten und sich namhaft dabei betheiligen zu wollen erklärten; durch Comite's und durch Correspondenz sich eine ohngefähre Uebersicht verschaffen, auf welche Theilnahme man nicht nur in Deutschland, sondern bei allen wohlgesinnten Glaubensbrüdern in Europa rechnen könnte. Zm günstigen Falle wäre die Größe des anzukaufenden Distriktes zu bemessen, dann mittels Unterstützung Londoner, Amsterdamer und Hamburger Hanklmigshäuser sich der M.twirkung amerikanischer in Ansehen stehender Männer zur Berathung zu versichern. Gegen hinlängliche Garantie dürfte es auch möglich sein, den Kauf eines bestimimen Distrikts gegen Uebernahine in einigen zweijährigen Raten abschließen zu können. Es wäre dann in Form einer Anleihe eine Aktien-Gesellschaft zu bilden — z. B. k tOOO fl. — deren Rückzahlung nach Wahl sogleich durch Landbesitz, oder mit der Zeit durch Landrente zu leisten wäre. Obschon dieses Institut hauptsächlich der Erleichterung jüdischer Auswanderung seine Entstehung zu danken hätte, wäre die Theilnahme Christlicher nicht nnr freudig anzuerkennen, sie würde auch zum Gedeihen desselben segenvoll Mitwirken. Die Auswanderung von 56,000 freier Männer in einem Jahre. größtcntheils aus nicht ganz Mittellosen und aus Handwerkern bestehend, die blos auf ihre beschränkte Mittel, auf ihre Thätigkeit uno auf Benützung des Zufälls rechnend; die 5000 Familien, die unter dem edlen Schutz des Terasvereins schon im zweiten Jahr ihres Bestandes die zweite deutsche Stadt gründen, läßt mit Recht erwarten, daß die Theilnahme an eine Verfassung die Vortheile wie keine andere varbietet, auf großen Zufluß zu rechnen befugt ist. AuS tiefster Ernieverung flehen wir Allgütiger, der Du den Nachkommen Abrahams, Jsaacs und Jacobs verheißen hast: „Selbst wenn ihr euch im Lande eurer Feinde befinden werdet, werde ich euch der Entwürdigung, der Verachtung, bis zur gänzlichen Vertilgung nicht überlassen." Du, der daS Herz des Moses mit Liebe für seine leidende Brüder fülltest, der Du Zerubabel und Nehmia mit Selbsthingabe und Aufopferung begabtest; den Asmonäern ausdauernden Muth zuthciltest und sie sämmtlich, ohne alle übrige äußere Hülrsmittel mit Deiner alleinigen Hülfe die Befreiung Israels vollführen ließest. Der Du auch in unfern Zeiten Männer mit Tugend und Wissenschaft, auch noch mit äußern Mitteln und mit dem Vertrauen der Machthaber vieler Völker segnetest, erleuchte ihren Willen, errege ihr Herz, begäbe sie mit der Liebe des Moses, mit der Hingebung des Zerubabel, mit dem ausdauernden Muth der Asmonäer, damit sie das Werk der erneuten Befreiung beginnen und mit Deiner beglückenden Hülfe zu ihrem eigenen Ruhme und zur ewigen Dankbarkeit künftiger Geschlechter vollführen mögen. Erlöse uns, Gott Zebaoth, Heil Israels genannt. Gelobt seyest Du, Ewiger, der — öfter schon - Israel befreite. Amen! Verlag der I. E. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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