Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1846)
- Date
- 1846-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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3 1790. 34.012 Einwohner, i. I. 1830 schon 1.918,608. welche sich Ho 1846 auf 2,604.254 vermehrten. Der Preis des BodenS aber stieg nicht in diesem Verbältniß, in den Jahren von 1785 diS 1795 wurden verkauft 4.509.808 Acres für 2.788.020 Dollar, ohngcsähr Dollar pr. Acre, ähnlicher Boden ist noch deute zu iy4 Dollar zu kaufen, obschon in den bereits stark bevölkerten Staaten, der u, Culturstand befindliche dem durchschnittlichen Preis in Deutsch« lanv nicht nachstehet. In ähnlichem Verhältniß vermehren sich durch Besitznahme und Urbarmachung des unbebauten Bodens immer neu entstehende Staaten, die vor wenigen Jahren menschenleer sich befanden, sehcnwir schnell zu Lunderttaufcnden sich erheben. Eine ausgedehnte Küste an zwei Meeren, versehen mit vortrefflichen Häsen, bereit, aus unzähligen Flüssen und Strömen, auf riesenmäßigcn Eisenbahnen ihnen zugefübrte Erzeugnisse des Innern zu empfangen und zu versenden; eine überaus große Anzahl gewandter, kühner Matrosen haben ihre Kriegs- und Handelsflotten bereits zur zweiten der Welt erhoben. Bei dieser progressiven Zunahme aller Kräfte, bei dem unermeßlichen Ueberfluß aller zum Schiffbau uöthigen Materialien läßt sich mit Grund erwarten, daß die vereinigten Staaten in nicht gar zu entfernter Zeit sich zu Beherrschern der Meere empon'chwingen werden; begabt mit ausdauernder, wohlberechneter Thätigkeit, ui Intelligenz, in Kunst und Wissenschaft auf gleicher Höhe mit den gebildetsten Nationen Europas stehend, beginnen sie bereits nach Maßgabe, sie an verfügbaren Händen, gewinnen auch in industriellen Erzeugnissen an denen es ihrem Lande nicht fehlt, an manchen. wir Baumwolle, Farbrsioffe re. sie allein Selbsterzeuger find, selbst mit England in Concurrenz zu Preten, und mit der Zeit durch wohlfeilere Erzrugnißkosten zu übertrcffen hoffen dürfen: Welche Aussicht für euch, für eure nächsten Nachkommen gewähren riese Verhältnisse nicht eurem Scharfsinn,' eurer Thätigkeit, eurer angebornen Mäßigkeit und Nüchternheit? Während Asien, die Wiege der Menschen, ihr Lehrer in Kunst und Wissenschaft, in Religion und Sitten, bei dem Reichthum seines Bodens, durch Ueberfluß aller Bedürfnisse sich dem Wohlleben der Gemächlichkeit und der eiteln Prunksucht überließ. der Indolenz sich ergab, und in Barbarei verfiel, sähe sich das kleine, magere Europa bei zunehmender Bevölkerung gcnöthiget, durch Anstrengung aller intellektuellen Kräfte, seinen Bedürfnissen Genüge zu leisten; durch unausgesetzte Uebung aller Geistesanstrengung gelang cs ihm in wenigen Jahrhunderten sich die Suprematie der Welt juzueigncn: Sehr schnell ging es von seinem goldenen Zeitalter zu seinem, immer noch nagelfesten kräftigen Eisenalter, in das jetzige greisenartige Papieralter über. Uebcrall werden die Gebrechen sichtbar: In Nabobismus und Proletarismus, in Anmaßung der Neichen, in Girrde der Communisten, in mystischer Selbsttäuschung und leichtsinniger Freigeisterei; in Liberalität und Unduldsamkeit; in Freiheit im Denken ur.d Schreiben und in religiösen und polir.schcn Zwang; Zwiespalt überall, in Religion, in Sitten, in Politik, in materiellen, spirituellen und ideellen Interessen. Noch aber stehet es fest, indem es sein Gold und Silber an England für Kunst und Naturerzeugniffe überliefert. Statt diesen Zahlmittelu bewegt nun Papier sein Herz, treibt es durch seinen Adern und erregt seine Nerven. Diesem Bilde gegenüber sehen wir das jugendkräftige Rord- Amerika, mit seinen großen Erwartungen, mit feinen unermeßlichen Hülssquellen, durch entstehende, sich ausbreitende Industrie, den Weg des füdamerikanifchen Metallreichthums über das atlantische Meer abschneiden. Der Weg nach dem Osten von Asien, nach China. sicherer und kürzer alS von London und Liverpool, über das Cap. Dem merkantilifchen Riesen Goliath mit seinem Speer von der Stärke eines Weberbaums, wird nicht der kindliche David mit einfacher Schleuder gegenüberstehen, sondern der mannskräftige Jonathan, dessen Speer dem Maste eines Kriegsschiffes gleichen wird. Dem großen Christoph, dem es ein Leich, tcs wäre die Meerenge zwischen Asien und Amerika zu durchwaten. ohne daß ihre Fluthen seine Waden benetzten, mangelt es seinem Unteileibe an aller Lebrnsthätigkeit; feine rechte Seite ist durch die Türkei, Kaukasien und Polen paralyfirt, nur vom Herzen zum Kopfe und in der linken Seite herrscht kräftiges Leben. Die vormaligen Weltmächte Portugal und Spanien nähern sich mit starken Schritten dem Schicksal alles Fleischlichen; der Auflösung. Die kräftigen Völker Vorderafiens, aufgeschreckt aus ihrem Winterschlaf, beginnen sich nun europäische Civilisation anzueignen, unterstützt durch die Politik mehrerer europäischen Mächte, und durch Handlungs-Interessen werden in kürzerer Zeit die Bahn durchlaufen, deren Ziel Moskowiter ohne frcmve Unterstützung in 100 Jahren vernichten. China, mit seinen 300 Millionen kunstfertigen, schlauen, fleißigen Einwohnern, begierig sich der ihm gewaltsam aufgcdrungenen Opiumvcrgiftung zu entziehen; die Völker am Ganges in Vcrwaltungs- und Kriegskunst durch England belehrt. bereit sich vom Joche der Fremdherrschaft zu befreien, werden sich freudig in die geöffneten Armen der Vereinigten Staaten stürzen. Denken wir uns nun Europa mit seinen Kunsterzeugniffen, mit welchen es seinen unentbehrlichen Genuß und Lurus fremder Welttheile deckt, vom Welthandel verdrängt, die es in der Zukunft nur durch eigne kaum zureichende Metallmittel zu befriedigen im Stande fein wird; kann ihm bei Zunahme der Bevölkerung und der unverhältnißmäßigen Zunahme der Armen, trotz seines Papierreichthums, der Finanzzustand des fünfzehnten Jahrhunderts nur wünschenswerth werden. Dieser in gewisser Beziehung Manchem phantastisch scheinenden Zeichnung, dürste wohl das Bild Europas in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert 6 nicht ganz unähnlich sich darstellen. Nun wollen wir uns zu dem Thema, wovon wir ausgcgangen, zur Uebersiedelung deutscher Juden nach Nordamerika, wenden. Weit entfernt von der böswillig verbreiteten Meinung, daß die Geldmacht, die die Juden im Mittelalter durch ausschließlich betriebenen Handel besaßen, sich noch in ihren Händen befindet, wissen wir recht wohl, daß durch Abschlachtung, Plünderung und durch Erpressungen aller Art in vergangener Zeit; durch weit überwiegend bevorzugte Concurrenz, in neuer Zeit, bei Beibehaltung der Beschränkung in den meisten ergiebigsten Erwerbsquellen — obgleich es manchem gelang, wie unter allen Ständen und Nationen, durch Benutzung der Zeitumstänke und durch Zufall eia kolossales Vermögen zu erwerben — die Verarmung im