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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-28 · Heft 26 (28.6.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 26 (28.6.1846)
Date
1846-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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s fchaftlicker und künstlerischer Beschäftigung niemanden nachstehend , finden sie größtcntheils in der Ausübung und redlichen Benützung ihrer Fähigkeiten, Schranken, Fesseln, Kränkung, auch unwürdige harte Bedrückung; überall Haß und unverdiente Verachtung. Mit geringer Ausnahme ist ihnen Landbesitz untersagt; viele Städte sind ihnen unzugänglich; in den meisten sind sie in den schmutzigsten Winkeln in Ghetto's auf Trödel und Kleinhandel beschränkt; in ganzen Provinzen ist ihnen jede feste Niederlassung versagt, in vielen Landern und Städten ist nur eine bestimmte Zahl von Familien geduldet, damit diese sich nicht vermehre, ist nur dem ältesten Sohn sich zu verheiratbcn erlaubt, allen Abgaben und Lasten gleich allen übrigen Einwohnern unterworfen, an den öffentlichen Wohlthätigkeitsanstaltcn ohne Anthcil, sind sie noch verbunden eine besondere, oft sehr beträchtliche Iudcnstcuer zu bezahlen, für ihre Armen, für Religions- und Schullebrer aus eigenen Mitteln zu sorgen. Zn einer von mehr als vier Millionen bevölkerten Provinz, sind auf bestimmte, mit Ausimbme aller übrigen Wohnplätze, 8000 Zudenfamilien, die nicht überschritten werden darf, daher auch nur 1 Sohn in jeder Familie beirathsfähig ist, geduldet; vom Landbesitz, von vielen bürgerlichen Nabrungsquellen ausgeschlossen. sind sie verpflichtet, außer den vielen Staats- und Hoheitölasten eine Steuer von mehr als 200,000 fl. Zudrnstkuer zu zahlen, eine Summe. die sich mit Zuziehung der Regiekosten, der Provision der Einnehmer, für Religions- und Schulunterricht auf weit rnehr als 300.000 fl. insgcsammt, durchschnittlich pr. Famllie auf mehr als 37'. fl. beläuft. Ein großer Tdcil dieser Auflage ist auf das gcsaunnte nutz- und unnutzbare Vermögen, selbst zweifelhafte Schulden nicht ausgeschlossen — die nur nach vollkommen hergeüclltem Beweis der Uneinbringlichkeit vom Vernrögensstand abzeschriebcn werden — belegt und zur Norm 10°. o ausgcmittelt. Wird bei gerichtlicher Untersuchung ein größeres Vermögen als das angegebene vorgcfunden, unterliegt das Gesammtverinögen der Einziehung, aber auch, wenn bei einer Aciivpvst, bei Abschließung derselben ein höherer Zinsfuß als 6 pCt. sich hcranesteilt, verfällt selbe dem Fiskus. Die Nachthcile, die dieses Verhättniß auf die Mor.ilität bewirken muß wefter zu entwickeln, ist hier nicht der Ott, unerwähnt aber darf nicht bleiben, die Störung, die dadurch aut' das Familienleben bewirkt wirv. Der sterbende Familienvater oft des Trostes beraubt durch letztwillige Anordnung das Schicksal seiner unmündigen Nachfolge der Einsicht der gesetzlichen Obervormundschaft zu unterwerfen stehet sich grnöthigt, mit Umgehung aller natürlichen und rechtlichen Gesetzen. sie der W.Ulühr nnv dem Gewissen eines Universalerben zu unterwerfen. Dennoch lieben diese Sklaven ihre Fesseln so sehr, daß sic es werth sind, durch Annagelung des Ohrs andemHausvsosren, dem Spotte und der Verachtung aller Vorübergehenden au den Pranger gestellt zu werden. Das Beispiel von 56,000 freier deutscher Männer, die im Jahre 1845 ihre Hcimath aufgaben, um in Amerika ihren Kindern ein ruhiges und sicheres Loos zu derei. tcn. sinoct bei ihnen keine Nachahmung; die Aufopferung höchst mit hochgestellter Edlen; der Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Teras, der dem Wohl ihrer Landesleute ein ausgebreitetes Gebiet erkaufte, findet bei ihren rinflußhabrnden Reichen kein Beispiel. Die Verehrung Gottes, ihm darzubrinzendrn Dank für gespendete Wohlthatcn, für Reueäußerung begangener Vergebungen, für Vorsätze zu künftiger Besserung, ist jeder Winkel des Erdbodens ein heiliger Tempel. Unsere frommen Vorfahren sorgten dafür, Synagogen zu bauen, damit diese Gefühle und Gelübde um so feierlicher in gemeinschaftlicher Versammlung dargcbracht werden können. Wir haben nur zu bedauern, daß sie immer mehr und mehr verödet werden. Statt dafür zu sorgen, die Entfernten zurückzusühren, sehen wir zwei deutsche Gemeinden sich anschicken, 2 bis 300,000 Thlr. zur Errichtung neuer prunkvoller — womit dem Herrn aller Herrlichkeit kein Dienst erwiesen wird — Synagogcn zu schaffen, ohne Garantie, daß selbe nach 20 Jahren nicht noch över vastehen werden, als die von ihren Vorfahren erbauten. Wäre e6 nicht weit gottgefälliger, für alle Zukunft fortwirkendrr Tempel, diese Beiträge dazu zu verwenden? zur Erstarkung des väterlichen Glaubens, tausenden von Mitbrüdern, Ruhe, Sicherhcit. Wohlstand nnv Frohsinn, statt Kummer unv Qualen zu erkaufen? O! halsstarriges Volk! »piy DJ/! öffne deine Augen und siehe den Abgrund, in den dich allgemeine Verarmung z» stürzen drohet, öffne deine Ohren und höre den Posaunenruf aus dem dir eröffnctcn Mcssiasreich: Ein Reich, das keine Staatskirche, keine bevorzugten Klassen, keine ausschließlichen Rechte, keine willkührlichen Abgaben kennt; wo alle dem Gesetze gehorchende Bürger zu jedem erlaubten Gewerbe gleichberechtiget sind; wo dem Geringsten, durch Fahigk.it und Tugend sich Auszeichnenden, der Weg zu den höchsten Würden und Ehrenstellen gebahnt ist; ein Land, unerschöpflich an Hülfsquellen für jede Thätigkeit. Dieses Land breitet dir seine offenen Arme zum Empfang entgegen, wenn du nur guten Willen, Rechtlichkeit und Arbeitsamkeit mitbringst. Warum folgst du nicht diesem Rufe in Massen? Ihr, welche die gütige Vorsehung mit Reichthum gesegnet hat, ihr könnt nebst der eröffneten Aussicht euer Vermögen, wenn auch nicht gleich, doch in den Händen eurer nächsten Nachkommen, sicher, verdoppelt, vervielfacht erwarten; zugleich Taufenden von Glaubcnsbrüvern Arbeit und Auskommen sichern. Ihr Vermöglichcn, wenn ihr auch für eure Person, mit dem gewohnten, angcbornen, unbehaglichen Zustande euch begnügt, bedenkt doch, daß ihr auch für eure Kinder Pflichten zu erfüllen habt; diese zu einer andern Zeit geboren, mit andern Begriffen und Gewohnheiten erzogen, mit weniger Verzichtleistung, mit weniger Indolenz begibt, können sich bei den bestehenden Verhältnissen nur höchst unglücklich fühlen. Durch Jahrhunderte ohne Gegenwart, an der Vergangenheit zweifelnd, von der Zukunft hoffend, vergleicht doch die Chancen, die euch und euen Nachkommen, hier in Deutschland, in Europa und in Amerika devorstehen. Die vereinigten Staaten von Nord- Amerika, an Ausdehnung und an Hülfsquellen, eine Bevölkerung wie die von ganz Europa zu fassen und zu ernähren fähig, zählte i. I. 1753 eine Bevölkerung von 1.053.000, belief sich schon im Jahre 1833 über 15 Million nnv vermehrlc sich seitdem in glei- ' chcm Berbältniß. So z. B. lebten im Staate Newyork im Jahre

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