Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1846)
- Date
- 1846-06-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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S«8 sündhafte, aber wohl das unschuldige und unschädliche. Hier finden gewiß des Predigers Worte Anwendung: pi toS Es hat Alles seine Zeit, eine Zeit ist zum Reden und eine Zeit zum Schweigen. Zum Schluffe will ich nur noch an jene schönen Ermahnungen des Talmuds erinnern, die seine vorgeblichen treuesten Anhänger leider am gröbsten verletzen, nämlich: TI8 p 8171 mipab jniyner von n« pn «no: mxn b Israelitisches Schulwesen. (Pesth, im Juni.) — Angeregt von der in Nr. 13 Ihres Blattes enthaltenen Aufforderung an jüdische Lehrer, wage auch ich es, eine kleine Spalte in der Rubrik, die Sie „der israelitischen Schule" gütigst widmen wollen, in Anspruch zu nehmen und es dürfte vielleicht der Oeffentlichkeit nicht unangenehm sein, zu erfahren, von dem, was für die geistige Entwicklung und Ausbildung der weiblichen Zugend gegenwärtig geschieht, sowie von den Fortschritten, welche dieselbe im Gebiete des religiösen Lebens Die Zahl der hiesigen israelitischen Mädchen-Erziehungsanstal. ten hat fich seit neuerer Zeit vergrößert; doch mangelt es keiner von ihnen an einer hinreichenden Anzahl von Zöglingen, ein Beweis, daß in unfern Tagen das Bedürfniß, auch den Töchtern eine den Anforderungen der Zeit entsprechende, die Ausbildung des Geistes und des Herzens erzielende Erziehung zu geben, bei den Israeliten mehr Würdigung als je gefunden hat: so, daß auch schon die minder begüterten und ärmerenKlaffen keine Opfer scheuen, ihren Töchtern eine solche Erziehung angedeihen zu lassen. Es muß aber auch zum Lobe erwähnt werden, daß die jüdischen Anstalten die christlichen dieser Art übertreffen, sowie überhaupt die jüdischen Zöglinge, zumal in den Elementar- und niedern Klassen. mit mehr Lust und Eifer lernen und antworten. Doch verdient unter allen diesen die Anstalt der Madame C. Weiß besondere Erwähnung; hier wird nicht nur der Nationalsprach? würdige Aufmerksamkeit geschenkt, so daß der größte Theil der Lehrgcgenstänve, zu welchen außer den Elementar-Gegenständen auch Geographie, allgemeine und vaterländische Geschichte, Naturlehre und Geschichte gehören, in ungarischer Sprache gelehrt werden, und Mädchen. welche diese Anstalt nach einem mehrjährigen Besuche verlassen, fich ungarisch und deutsch» sowohl schriftlich als mündlich correct auszudrücken im Stande find; sondern es wird hier auch einem religiösen Bedürfnisse, das bei der weiblichen Zugend noch zu wenig Würdigung gefunden, und in welchem fie immer noch stiefmütterlich behandelt wurde, ein Feld geöffnet, was meines Erachtens in seiner Art ganz neu zu sein scheint, und eben sowohl Aufmunterung als Nachahmung verdient. Es wird hier nämlich jeden Samstag ein den Mädchen entsprechender Gottesdienst abgehalten, die Gebete werden da in hebräischer und ungarischer Sprache von den Zöglingen theils vorgetragen, theils im Chor, welchen ein gebildeter Gesangslehrer leitet, abgesungen. Nach geendetem Gottesdienst hält einer der Lehrer einen moralisch religiösen Vortrag, abwechselnd bald in deutscher, bald in ungarischer Sprache. Es möge diese schöne Einrichtung, welche der in unfern Tagen schon angeregten Frage über Emancipation der Frauen einen Schritt vorgeeilt, überall Anklang finden, dieser Anstalt aber bleibe das dauernde Verdienst den ersten Zmpuls zur Befriedigung dieses religiösen Bedürfnisses gegeben zu haben. Jüdische Zustände. (Preßburg, im Juni.) — Als Ergänzung des Berichts Nr. 40 v. Z. in Ihrem geschätzten Blatte über die Zustande der ungarischen Israeliten möge Folgendes als Resultat meiner genauen Beobachtungen dienen. — Die Wehen der Zeitumwälzung werden immer mehr fühlbar, das Aechzen und Krächzen mancher Rabbincn find in der Luft verhallende Töne und der Sieg muß fich sicher auf die Seite ver Hellsehenoen und Beffergefinnten neigen; wenn die hochfinnigen Rabbinen Deutschlands nur den Muth nicht sinken lassen, das vorgesteckte Ziel energisch zu verfolgen. Haben nun auch einige Rabbinen von den Füßen der Karpaten gegen die Rabbiner - Versammlung Pamphlete geschleudert, worin fie wuthvoll ihre Galle ergießen — was zählt ein Rabbiner zu Bonihad, der gar keinen Begriff von Menschheit uno Bildung hat; was zählt ein Lasse aus Urnwn, oder was fruchtet ein Schreiben des Rabbiner zu Neustadtel, der ein Vierteljahr mit dem Aufsatze zubrachte, alle Wörterbücher durchblätterte, um einige lateinische Floskeln cinzuflicken, der hungerize Studenten ersuchen muß, seinen Aufsatz sprachlich zu säubern, um ihn — an den Wächter schicken zu können. — Hier in Preßburg aber ist das höchste Jnquifitionstribunat der ungarischen Ju.enschaft. — Die Schleudersteine gegen die Rabbiner - Versammlung werden hier geschliffen. Zm hiesigen Beth-Hamidrasch ist die Hauptfabrik des Unsinns uud der Sittenlofigkeit, die alljährlich wenigstens einige Dutzend laffenhakter Flegel fabrizirt; Deutschlesen ist diesen eine Sünve. Deutsch, sprechen ein Verbrechen. Der Intendant dieser Fabrik ist der Rabbiner, ein Mann von 30 Jahren, der sich zum mittelalterlichen Großinquisitor ausbilvet — von dem ich eine Derascha hörte — ein Gemisch von Unsinn an — §"D^D ubv mim D’JS rta grenzend. So würden die, welche einen bessern Sinn haben, jedes Gottesdienstes, ja jeder religiösen Ansprache entbehren müsden, wenn sie nicht dann und wann in Wien durch eine Predigt des Hrn. Mannheimer an das ermahnt würden, was Mensch und Israelit sei. Doch verzweifle ich noch nicht an einer bessern Zukunft auck) bei uns, da schon einige Rabbinen vorhanden sind, die mit Besserem auftrcten. Unter diesen verdienen erwähnt zu werden, Schwab in Pestb. Wabrman in Wardein, Freger in Raabe Löw in Kanischa. Oppenheimer in Temeswar, Steinhart in Arad und Zipser in Weißenburg, die im Gebiete des Wissens tief eingedrungen und die Zeitaehen wohl kennend, zur Durcharbeitung einer zum guten Ziele führenden Bahn nicht unvermögend sind. Sie sollen nur keine müßigen Zuschauer sein und in ihrem Eifer nicht erkalten. Legen diese Männer mit vereinten Kräften Hand ans Werk, dann strömen gewiß auch mehrere Rabbinen herbei und vielseitiger Beistand wird ihnen nicht fehlen, einen ruhmvollen, glänzenden Sieg zu erringen. — 1 — Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankftrrt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach. Hierzu eine Beilage.