Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1846)
- Date
- 1846-06-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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200 einem mod crnen macht, weiß ich nicht. Ich kann auch den Correspondenten aus Ehre versichern, daß mich nicht irgend eine Partheilichkeit zu diesen Zeilen veranlaßt, sondern lediglich das Interesse des Judemhums und der Iudenheit. Ich kann ihn und die Leser dieses Blattes versichern, daß ich frei von jeder persönlichen Absicht lediglich im Interesse der Sache das Wort ergreife, das darum auch nur ein friedliches sein soll. Weit entfernt für einen, wenn auch sonst noch so rühmlich bekannte» Rabbiner, oder für diesen Stand überhaupt das Privilegium der öffentlichen Unantastbarkeit in Anspruch nehmen zu wollen, so kann man doch mit Recht verlangen, daß wenn Geiger sich Manches habe zu Schulden kommen lassen, wastadelnswerth ist, der Korrespondent sich begnüge, dieses der Welt zu veröffentlichen. Ob nun ihn edle oder unedle Motive leiten — wir können Niemanden ins Herz sehen und wer ein öffentliches Amt begleitet, muß vor das Forum der Oeffentlichkeit als einen Gerichtshof geladen zu werden gefaßt sein. Oder wenn Mehrere Rabbinen sich Fehlgriffe zu Schulden kommen lassen, so steht es den Correspoadenten wieder zu, zu berichten, der und der hat das und das gethan. Aber so verfährt der Corrcspondent aus Breslau nicht, sondern er sucht in lauter allgemeinen Phrasen den Rabbinerstand überhaupt verächtlich und verhaßt zu machen, denn das nichtssagende Epitheton „modern" wird Niemand für eine Einschränkung auf einen Theil ansehcn. Ist es nun schon großes Unrecht, einen Stand oder Commune deshalb anzugreifen und herabzuwürdigen, weil man gegen einzelne Standesgenossen, sei es nun mit Recht oder Unrecht, aufgebracht ist, wievielmehr hier wo der Nachtheil weniger für die Angegriffenen als für ihren Beruf, ihre Wirksamkeit und folglich für andere ungemein groß ist. Die Wirksamkeit des Rabbiners ist, wie die der Geistlichen aller Confessionen durch die Achtung und das Vertrauen der Gemeinden bedingt. Jeder Einzelne muß diese freilich für sich als Individuum durch seine Amtsführung und sein persönliches Verhalten erringen, aber wenn der Stand als solcher herabgewürdigt, verdächtigt und mit Schmähungen überhäuft wird, so kann es nicht fehlen, daß auch der Wackerste darunter zu leiden bat. Kein Rabbiner, welcher Ansicht er auch huldigen mag, ist, besondeS in einer so bewegten Zeit, ohne Gegner, und nicht wohl ein Angestellter ohne Feinde, welchen dadurch Stoff zu Aufreizungen und Widersetzlichkeiten geboten wird. Mag immerhin der gebildete und Sachkundige derartige Artikel mit Indignation zurückweisen, nach eigner Ansicht und Wahrnehmung sein Urtheil fest stellend, der Haufe und die Menge der Unwissenden läßt sich gar oft hiedurch blenden und irre leiten. Man wird mir vielleicht entgegnen, daß ich den Zeitungsberichten zu viel Ehre erweise, wenn ich ihnen solchen Einfluß zutraue, allein täuschen wir uns nicht, die Tagesliteratur, die viel Gutes wirken kann, kann auch viel Unheil stiften. Um so weniger verzeihlich ist der Ton, in welchen seit einiger Zeit der. Orient und das Sabbathblatt über Rabbinen sich äußern. Wer mehr als die letzteren haben dazu beigetragen, daß die jüdischen Blätter bekannt und verbreitet wurden.' Und nun sollen sie das nur gethan haben, um das Band des Vertrauens zwischen ihnen undihren Gemeinden zu lockern, des Vertrauens sie zu berauben. Ist man mit Ansichten und Bestrebungen nicht einverstanden, so greife man diese an, beleuchte sie, kririsire sie nach allen Seiten, aber mit Wahrheitsliebe und auf eine Weise, daß nicht das Ganze darunter leidet. Ich darf überzeugt sein, die Meinung vieler Tausende auszusprechen, wenn ich sage, in den öffentlichen Blättern sollte man ganz objektiv nur das verbreiten, was zur Sache nothwendig ist, die streitigen Punkte beleuchtet, die Wahrheit ermittelt, zur Verständigung beiträgt. Die Divergenz in der Meinung ist nun einmal da und nicht abzuwenden, wenn aber jeder die Wahrheit liebt und will, jeder zum Heile der Ganzen wirkt, so muß er nicht nur seine Meinung mit Anstand und Bescheidenheit Vorträgen, sondern gestatten, ja wünschen, daß dieses auch von dem andern geschehe. Verdächtigung des moralischen Charakters derer die nicht mit unseren Meinungen harmoniren, ist als Verläumdung verächtlich und als Versündigung an der Wahrheit unverzeihlich. Liest man Alles, was in einer großen Anzahl von Artikeln im Oriente und im Sabbathblatte über die Rabbinerversammlung geäußert wurde, so sucht man vergebens eine klare Darstellung von dem was denn diese Gegner eigentlich wollen, das die Rabbinen hätten thun sollen oder was eigentliches Unrechtes geschehen ist Nichts als Hohn und Spott, Verdächtigung und Verläumdung. Soll dieses dem Iudenthume frommen? auf welche Weise? Soll Fortschritt und geistige Aufklärung hiedurch gefordert werden? Kann man leugnen, daß der Wirkungskreis des Rabbiners dazu besonders berufen ist? Oder will man dieses nicht, sondern Fortschritt und Aufklärung hemmen, um die alte Frömmigkeit zu fördern, so möge man wohl bedenken, daß hiedprch nur daö Gegentheil bewirkt wird, indem alle Religiosität nothwendig darunter leiden muß, und GemüthSbewegungcn hcrvorgerufen werden, die sogar für Moralität und Sittlichkeit höchst schädlich sind. Wir bitten den Correspondenten aus Breslau und seine Genossen, die Hand auf's Herz zu legen und gewissenhaft sich die Frage zu stellen, ob ihren Angriffen irgend ein reines Motiv zu Grunde liege, ob das Heil unserer Religion von ihnen in Wahrheit damit bezweckt werde, ob nicht vielmehr irgend eine verletzte Eitelkeit