Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1846)
- Date
- 1846-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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205 desselben. So wissen es dieHH. Frankel und Samson Raphael Hirsch nicht, daß sie beide mit ihrem Jdealisirungsiystem, und der letztere besonders mit seinem Mensch -Jisroöil Beruf, der in Gerechtigkeit unv Liebe und Erziehung dazu bestehet, geradezu der rabbinischen Orthodoxie, die wesentlich auf die Ausschließlichkeit Israels und die ihm zum Bchufe einer unendlich größeren jenseitigen und im Messiasrcich auch diesseitigen Seeligkeit gegebenen unendlich vielen Zeremvnialsatzungen bassirt, den Krieg erklärt. So weiß es Herr Kirchh eim nicht, wie er in seiner treuen Anwaltschaft des Talmuds, die selbst bis auf die Vcrtheidigung oder Verwerfung seiner Moral sich erstreckt, den Gegnem desselben ihre Triumphe erleichtert, und so wissen es die Entschiedenen unter unfern fortschreitenden Rabbinen nicht, daß der Informator, welcher einst ihre ganze Jugendzeit beherrschte und ihr ganzes Denken, Fühlen und Wollen regierte, daß der Geist und die Dialektik des Talmuds hie und da noch bei ihnen wiederkchrct, und wir wollen ihnen dieses auch nicht hoch anrechnen, sondern uns darüber freuen, daß diese Zuspriiche immer seltener werden, und uns an der Hoffnung leben, daß auch unsere Zustände bald eine freiere und edlere Gestalt gewinnen werden, und statt einen Titanen wie Geiger, zu fesseln, ihn an die Spitze der Bewegungen stellen werden.— Ja! diese Hoffnung ist keine Täuschung, wenn wir bedenken, daß mit Hülfe aufgeklärter Rabbiner und Volkslehrer schon seit geraumer Zeit eine bessere Unterweisung unserer Jugend begonnen, und daß diese nun bald zu einem neuen selbstklaren und gesinnuflgsstarken Geschlechte herangereift sein wird; und wenn wir nicht vergessen, daß wir in dem Leben selbst einen mächtigen unüberwindlichen Factor haben. Dieses mußte einem Separatismus günstig sein, ja ihn erzeugen und Hervorrufen, so lange es selbst von außender separirt wurde, so lange man den Juden aus den Kreisen menschlichen Schaffens und Wirkens zurückstieß und ihn also selbst Menschenverachtung und Glaubensisolirung lehrte. Nun aber, da man uns wieder in Gesellschaft berufen, da man uns an edlere Thätigkrit Thcil nehmen, uns Menschenwohl und Bürger, glück schätzen gelehrt, wird es selbst einen Nappoport nicht mehr gelingen, uns in die ehemalige enge Glaubrnsgasse zurück zu bannen, den Menschen uns wieder auszuziehen, und den Juden, den talmudsch - verknöcherten, rabbinisch-separatistischen wieder einzuimpfen. Ja der Gott, der einst selbst den Priester- und Opfer-Tempel zerstörte und dadurch uns vernehmlich genug verkündete, daß jener Dienst, überhaupt der ganze theokratisch-symbolische einem höheren, dem in Geiste und in der Wahrheit weichen mußte; hat sein Wort gelöst und ferner in unserer Geschichte gewirkt und uns in einem freien Baterlande und einem edlen Menfchenthume einen neuen Tempel gebaut, einen neuen Beweis des Schaffens und Wirkens uns geöffnet, wo die alte Treue und veralte Glauben an den Einen und Heiligen, auch Heiliges schaffen, Edles und Menschliches wirken soll. Dieser Wahrheit, welcher allen Reformbestrebungen im Judenthume zu Grunde liegt, müssen doch endlich alle Herzen sich öffnen, da sie von unserer ganz veränderten äußern Stellung nicht minder als von der fortgeschrittenen Bildung gepredigt wird; wenn aber jetzt noch unsere Glaubensgenossen ver Reform, und resp. den Reformatoren nicht gleich in Massen Zuströmen, wie unsere christlichen Brüder, sondern erst zuwarten und sich's überlegen, so liegt das an dem vorherrschenden, verständigen und prüfenden Sinn bei ihnen, der aber auch sein Gutes hat, indem er sie eben so, ja um so gewisser, vor Schwärmern und Mystikern schützen wird, denen schon manche unserer nationalen christlicher Brüder wieder heimgefallen. — Und so wollen wir vertrauungsvoll der Zukunft cntgegensehen und die Erinnerung an das, was die Gegenwart noch Trauriges und Mangelhaftes hat, uns nur dazu dienen lassen, daß wir desselben mit rüstigerer Hand uns entledigen und die Zukunft zur Gegenwart uns gestalten. Breslauer Korrespondenz im Orient. (Aus Baiern, im Juni.) — Seit einiger Zeit liest man im Oriente viele Berichte aus Breslau gegen vr. Geiger. Es ist sehr begreiflich, daß Geiger Feinde hat, die sich auf diese Weise rühmen wollen; auch nicht unmöglich, daß Geiger Fehler macht, die öffentliche Rüge verdienen. Aber der Breslauer Correspondent ist nicht zufrieden, Geiger anzugreifen, seine Wuth gegen diesen ist so groß, daß er gegen die sämmtlichen Mitglieder der Rabbinerverfammlung sein Geschoß richtet, und auch diese sind ihm nicht genug, er greift in seines Zornes Wuth alle modernen Rabbiner an. Geiger ist Mann genug, jeden Angreifer abzuwehren und für ihn treten wir nicht in die Schranken, für ein Mitglied der Rabbiner-Versammlung wird mich der ehrenwerthe Correspondent auch nicht halten, denn aus Baiern durfte ja kein Rabbiner sie besuchen, ob er mich für einen Rabbiner und dazu für einen modernen anfehen will, steht ihm frei, nur möchte ich ihn bitten, sich und der Welt erst zu erklären, worin die modernen Rabbiner von den andern sich unterscheiden. Sonst pflegte man die Rabbiner in alte und neue zu classificiren, und man wußte, was man damit sagen wollte, man bezeichnete jene., die nur talmudische Studien gemacht, ohne wiffentschaftliche Bildung als alt, dagegen diejenigen, welche letztere besaßen, als die neuen. Was aber den Rabbiner zu