Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1846)
- Date
- 1846-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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»04 Theologen. Wir behalten uns darüber weitere Mittheilun, gen vor. Nachschrift. — Eben find auch Meldungen von Herrheimer in Beruburg und L evy in Münsterberg eingegangen, mit den ferneren Vorbereitungen geht es auch rüstig und wacker und im Goldschmidtfchen Saale wird die Wohnungsliste für die Herrn Theilnehmer aufgelegt sein. Die dritte Rabbiner-Versammlung. (Breslau, im Juni.) Mit den Vorbereitungen zur Rabbiner-Versammlung geht es hier rüstig vorwärts, es werden sehr nahmhaftc Beiträge zur Kasse gezeichnet, die Verbindung mit Frankfurt a. M. ist eingeleitct, andere Gemeinden des Ostens, welche bis fetzt noch nicht beigctragcn haben, sind zur Theilnahme aufgesordert und sind von ihnen gleichfalls angemessene Beiträge zu erwarten, und die Erstattung der Reisekosten wird verbürgt. In diesem Jahre ist aber auch die Verpflichtung zu erscheinen noch größer als in irgend einem Jahre; und die Entschiedenen müssen allen jenen Winkelzügen treu und fest begegnen und durch Thaten die Worthelden beschämen. Auch mit den Wohnungen geht es vortrefflich, und es werden sich für Alle solche bei Privaten finden. — Wie die hiesigen Verhältnisse stehen? vr. Freund macht sich lächerlich durch seine ewigen „Sendschreiben", die er im Namen der „großen Mehrzahl der Breslauer Israeliten - Gemeinde" schreibt, die buchstäblich kein Mensch billigt, wenige lesen, noch weniger kaufen, und durch andere Handlungen, welche nur aus Schornung noch nicht der Oeffentlichkeit übergeben werden, macht er sich verächtlich. Unsere Gegenwart und unsere Zukunft. (Schluß.) (Aus Thüringen.) Ja viel Erfreuliches bieten unsere Zustände allerdings noch nicht dar. Ich will nicht von der Orthodoxie reden, der noch so viele besonders in den Landgemeinden huldigen; die ist noch immer ehrenwert-, die hat doch eine Gesinnung, die kämpft und schlägt sich doch für ein Etwas. — Aber unsere sogenannten Aufgeklärten, unsere Lichtfreunde, verdienen sie diesen Namen? Was thun sie, um ihre bessere Gesinnungen zu bethätigen, um ihrer Ueberzeugung auf einem entsprechenden Boden eine sichtbare und lebensvolle Gestaltung zu verschaffen. Sind nicht die Aufrufe der Reform-Vereine zur Frankfurt a. M., zu Berlin, zu Breslau nach außen hin fast ganz ohne Erfolg geblieben? Und doch sind Hunderte und Tausende, die mit den in jenen Auftufcn bekannten Grundsätzen übereinstimmen, ja noch über dieselben hinaus sind! Alleines kömmt — wie man bei uns sagt — nichts dabei heraus. Freilich nicht für alle die, welche keinen Sinn für die Wahrheit haben, die es gar nicht ahnen, wie überaus empörend es ist, gleichgültig in einem Zustande zu verharren, der unserer Ueberzeugung auf das Grellste widerspricht, gleichgültig es mit anzusehen, daß die Erscheinung des Judenthurns, seine Lehre, sein Cultus, überhaupt alle seine Institute für Erweckung und Bethätigung des Glaubens mit diesem selbst, wie er jetzt ist, wie er in der Ueberzeugung aller Höherdenkenden lebt, in scharfem Widerspruche stehen. Das Interesse hiefür hat bei unfern christlichen Brüdern in der neuesten Zeit Wunderbares gewirkt, und der neuen Bewegung rasch unzählige Gemeinden gewonnen, bei uns aber ist cs kaum erwacht, bei uns verdammen sogar, wie es unlängst vorgekommen, die Aufgeklärten ihren Geistlichen, wenn er sich praktisch als einen solchen erweist, statt, wie das in so gesinnungsvoller Weise bei unfern nichtisraelitischen Brüdero geschah, sich um ihn zu schaaren, und sich einer solchen höchst werthvollen und sichtbaren Vertretung ihrer Ueberzeugung zu fteuen. — Und doch, mein werther Herr Rcdacteur! habe ich die feste Ueberzeugung, daß auch bei uns die Wahrheit eine Zukunft haben werde, und wenn ich mich so unumwunden über unsere gegenwärtigen Zustände aussprach, so geschah es nur, um auf das, was uns noch fehlt, aufmerksam zu machen, damit Jeder Hand daran lege, und das, was der Gegenwart noch Betrübendes aus einer trüben Vergangenheit anklebt, fortzuschaffen suche. In Wahrheit aber erscheint schon jene als eine überaus fortgeschrittene und läßt noch mehr für die Zukunft hoffen, wenn wir sie auch nur mit der jüngsten Vergangenheit, mit den Zuständen vor kaum zwei Jahrzehnten vergleichen. Wie sah es da noch aus! Wie ward damals noch kein einziges freie« Wort von einem Rabbiner, von einem Religionslchrer im Amte vernommen. Wie verzweifelte man an jeder neuen Wahrheit des Judenthums und gab sich einem völligen Jndiffcrentismus hin und huldigte dem Abfall, der Untreue. Und wie ist es in dieser Beziehung jetzt! Welche erleuchtete Grundsätze werden von einzelnen Rabbinen, wie von den Rabbiner-Versammlungen ausgesprochen, und wie freudig werden sie von Einzelnen, wie von ganzen Gemeinden begrüßt; wie fängt es, wenigstens in einigen der größten, sich mächtig zu regen an, und wie arbeiten selbst die Vertreter des Bestehenden dem Fortschritte in die Hand, ja find ohne es zu wissen und zu wollen nicht geringe Werkzeuge