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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-21 · Heft 25 (21.6.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 25 (21.6.1846)
Date
1846-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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300 Rabbinen auf das Minimum von 400 fl. festgesetzt. Daß die Gemeinden freiwillig nicht mehr geben, läßt sich leicht denken. Dazu kommen noch die Accivenzien, welche gewöhnlich nicht höher als auf 100 höchstens 150 fl. jährlich anzuschlagen sind. Mit einem solchen Einkommen konnte nun wohl vor 20 Jahren eine Familie unterhalten werden, nicht aber heute, nachdem der Preis der nothwendigsten Lebensbedürfnisse gegen damals um mehr als 30 Prozent gestiegen und der Werth des Geldes in gleichem Maße gesunken ist. Dabei gicbt es aber auch noch solche Stellen, deren Ertrag sich nicht einmal bis zu jener Congrua beläuft. An eine Beförderung für solche Männer, die bereits eine lange Reihe von Jahren im Amte stehen, ist auch nicht zu denken. Denn einmal find der guten Stellen nicht viel im ganzen Lande, und dann vehmen die Gemeinden, welchen ein unbeschränktes Wahl, resp. Präsentationsrecht zusteht, wodurch allen Jntriguen und Cabbalen Thür und Thor geöffnet wird, selten Rücksicht auf den würdigsten Bewerber, sondern es wird gewöhnlich derjenige gewählt, welcher die meisten Connexionen und Empfehlungen hat. Sollte man bei einer solchen Sachlage wohl erwarten dürfen, daß fortan fähige Köpfe geneigt sein werden, sich einem Stande zu widmen, der so geringe Aussichten für eine dereinstige gute Versorgung darbietet, besonders da noch überdies das Studium der jüdischen Theologie an und für sich ein höchst schwieriges ist und es an einer geregelten Anstalt für dasselbe zur Zeit ganz und gar fehlt? Diese Andeutungen mögen genügen, um zu zeigen, wie wohl begründet der Antrag des Freiherrn von Lepchcnfeld sei, daß der Staat auch zur Unterhaltung des israelitischen Cultus einen erklecklichen Beitrag gebe, damit wenigstens den dringendsten Bedürfnissen desselben einigermaßen abgeholfen werden könne. Mögen aber jene Andeutungen dazu beitragen, diejenigen welche das Jnterresse des israelitischen Cultus zunächst zu vertreten haben, dazu zu bewegen, daß sie in der Zwischenzeit zwischen diesem und dem nächsten Landtage. welcher ein Budgetlandtag sein wird, bei der Staatsregle, rung die nöthigen Schritte thun, damit diese auch für unseren Cultus, gleichwie für den der christlichen Confessionen, eine Pofi. tioo in das Budget einstelle. Ein Jude als Bürgermeister. Luxemburg.*) Das Neueste bei uns ist, daß der Israelit Samson Godchau in Schleifmühl, eine Stunde von hier, vom König - Großherzog zum Bürgermeister der Gemeinden Sandweiler und Schlcifmühl ernannt worden. Die Bauern haben ihre Freude darüber durch einen festlichen Aufzug, einen *) Durch Zufall verspätet. Ball, und einen Ring, den sic dem neuen Bürgermeister überreichten, ausgedrückt. Verschiedenes aus Belgien. Brüssel.— Die Taufzeugen eines Kronprinzen bestehen aus einem Protestanten, einem Römischkatholischen und einem Juden. Jcb werde Ihnen gleich den Beweis davon geben. Der König Leopold von Belgien ist wie bekannt, Protestant. Seine Kinder indessen müssen im römischkatholischen Glauben erzogen werden, indem die Taufe durch den Cardinal Erzbischof von Mecheln an ihnen vollzogen wird. Nun ist es bei einem königlichen Taufacte herkömmlich, daß der Bürgermeister des Ortes sich als Zeuge unterschreibt. Als nun der Kronprinz von Belgien zu Lacken getauft wurde, war gerade der Bürgermeister daselbst ein Jude, wodurch der Tauffchein des Prinzen unterzeichnet ist von einem protestantischen Könige, einem römischkatholischen Prälaten und einem jüdischen Bürgermeister. Das „Christian Ladies Magazine" erzählt seinen Leserinnen, daß die jüdischen Ammen, so oft sie mit Kindern ausgehen: niemals vergessen, den Talmud mit sich zu nehmen. Bedaucrnswerthe Geschöpfe, eins oder zwei Kinder auf dem Arm und noch die zwölf Bände Talmud auf dem Rücken! wahrlich die christlichen Journalisten unserer Zeit wissen dem Gesetze noch einen größeren Ausbund zu geben, als unsere Talmudisten und Rabbinisten.—Aus Malta schreibt ein Glaubensgenosse, daß hintereinander ein französisches Schiff mit sieben jüdischen Reisenden und ein englisches mit 29. an diese Insel landeten, um sie sämmlich nach Jerusalem zu befördern. Literarische Anzeige. In der C. Müller'schen Buchhandlung in Fulda ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Neues bewegliches 2"« Zehn Tabellen für israel. Schulen, das hebr. Alphabet und die Vocale in 2—3 Zoll hohen, trenn« baren Buchstaben und eine kurze Gebrauchs-Anweisung enthaltend herausgegeben von L. M. Lewisohn. Preis für alle zehn Tabellen auf feinem Schreibpapier: 20 Sgr. - 1 fl. 10 kr. Die Nützlichkeit der bewegliche» Alphabete ist beim deutschen Leseunterricht schon längst von Denzel, Schwarz, Stephani, Zerrenner u. A. anerkannt. Dieß dürfte um so eher beim hebr. Lesen der Fall werden, als man die Lehrer noch häufig über den Mangel an zweckmäßig geordneten Lesefibeln, und hauptsächlich an brauchbaren Wanvfibeln, die doch eigentlich in Volksschulen unentbehrlich sind, klagen hört. Allen Uebelfiänden wird aber durch diese Alpdab. - Ausgabe abgeholfen, indem 1) der Lehrer hierbei jede beliebige Methode anwenden kann, 2) die Buchstaben wegen ihrer Größe von der ganzen Classe gesehen werden können und 3) das Lesenlcrnen rasch von Statten geht, indem die Kinder zu ihrem liebsten Zeitvertreib die Buchstaben selbst aufsuchen, aufstecken, Wörter bilden und so spielend und mit Lust Lesen lernen. Bei directen Bestellungen bewilligen wir besondere Vortheile. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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