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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-21 · Heft 25 (21.6.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 25 (21.6.1846)
Date
1846-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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107 Wie soll man sich ferner den Uebersetzer jenes Sendschreibens den in Alles sich mischenden und überall zuspringenven Kirchhrim erklären. Hat sein Beruf ihn so untreu gegen sich selbst gemacht, daß er verteidigt, was er selbst nicht glaubt, schützet was er selbst verletzt, daß er sich einredet, für sich ,Dmn mrQ kenne man thun, was man wolle, mit dem Volke müsse man aber vorsichtig sein, damit Dieses nicht zu weit geht, und Alles selbst des Schächt.rs und des sich entledige.— Soll ich nun noch des „Zionswächters" gedenken; er verdient eS nicht, selbst in dieser Gesellschaft genannt zu werden, und findet nur in den schlechtesten Kreisen Eingang, wo Verschrobenheit und Gemeinheit, Fanatismus und Unwissenheit sich die Hand bieten und sich in die Hände arbeiten. Aber nicht geleugnet kann es werden, daß er eben dort noch mehr böses Blut mache und neue Saaten des Hasses und der Zwietracht ausstreut in den Gemeinden und den Familien! — Und so bin ich nun freilich mit allen meinen Hoffnungen auf die kleine Schaar unserer Entschicdnen gewiesen, die cs redlich mit uns meinen und mit aller Kraft des freien Geistes und des glaubensinnigen Gemüthes der Sache des Fortschrittes dienen. Aber wie vieles lassen auch sie noch zu wünschen übrig, wie haben die lang gebrauchten Krücken des Talmuds ihren Gang unsicher, schwerfällig gemacht, und wo dieser wirklich für sich ein fester, sicherer, rasch und klar dem Zielezueilcndcr ist, wie muß er der Menge wegen sich cinhalten, der Menge wegen den raschen Flug hemmen! Ich führe, um meinen Satz zu beweisen. Ihnen nur einige der hervorragendcnsten unter jenen Männern vor! Sehen Sie den wackeren Herzfcld, den fleißig Forschenden, den Entschiedenen in Wort und That! Wie manches läuft aber in seinen Arbeiten (z. B. in seinen Vorschlägen zu einer Reform der Ehegesetze) unter, was aufdas Grellste mit seinem Standpunkte contrastirt, wie kann er sich der Zusprttche, des alten Freundes, des Talmudgeistcs, dem er cinstmal so treu und innig huldigte, nicht erwehren! Sehen Sie auf Hirsch in Luxemburg, den Religions- Philosophen, der in die Tiefen der neuesten Philosophie gedrungen, und selbst so viel Tiefes in seinen neuesten Arbeiten ausspricht und von den höchsten Principien aus zu kämpfen und die Stabilen zu Boden zu schlagen weiß; wie stellt er auf der andern Seite wieder Theorieen, z. B. über Symbole auf, die zumal in ihren Consequrnzen, seine eignen Prinzipien wieder erschüttern. Sehen Sie den geistreichen Wechsler, der mit gleich klarem Blicke die Zustände, wie die Ideen des Lebens, wie die Leser zu schauen und zu beurtheilen vermag, und doch seinem alten Lehrer gegenüber seinen freien Blick verliert-und die Talmudisten zu Rationalisten stempelt. - Ja nur ein Nichtrabbiner, der vortrcfliche vr. Stern in Berlin hat es auszusprechen gewagt, daß man den Geist der Bibel von ihrem Körper trennen müsse und daß dieser nur die erste Erscheinung der göttlichen Religion, des Gedankens des Judenthums sind. Ihm ist bis dahin nicht einmal Holdheim, der fruchtbarste, thatkräftigste und rüstigste unter den reformatorischen Rabbinen gefolgt, ja in der Weise wie diesernoch von einem prophetischen Juventhum spricht, weiß ich wahrlich nicht, wohin er die letzten von Tempel-Opfer und P iesterdienst so umständlich handelnden Kapitel des Ezechiel thun will, und Geiger, der Göthe unter den deutschen Rabbinen, in dem eine Welt von Ideen ruht, und der Vergangenheit wie Gegenwart und Zukunft mit einem klaren Blicke umfaßt, Geiger der durch Beredsamkeit, wie durch Wissenschaft, durch Gesinnung wie durch Charakter den heiligen Beruf eines Reformators im ganzen reichen Umfange erfüllen könnte, muß leider! durch seinen speciellcn Wirkungskreis daran verhindert, durch unsere unglücklichen Zustände noch zur Abhängigkeit und Unfreiheit verdammt sein. - (Schluß folgt. Dr. Freund. (Breslau im Juni.) Es werden hier bereits Vorbereitungen zum würdigen Empfange der Mitglieder der dritten Versammlung deutscher Rabbiner getroffen, auch die Zeichnung von Beiträgen zu diesen! Behufe nimmt einen erfreulichen Fortgang. Hier verdient wie bei allen Angelegenheiten des Forlschrittes namentlich der Aktivvorsteher Herr Moritz Schreiber genannt zu werden, welcher in unermüdlicher großartiger Freigebigkeit ein würdiges Seitenstück zum seligen Salomon Heine bildet, bei allen bessern Gemeindebestrebungen aber neben großen Gelvopfern auch keine persönliche Mühe scheut. Der vr. Freund hat ein drittes Sendschreiben an vr. Geiger erscheinen lassen. Mit diesem Sendschreiben hatte es ein eigenes Bewandniß. Vorerst wurde ihm vom hiesigen Censor die Druckerlaubniß verweigert, und es mußte in Berlin gedruckt werden, wo es das Imprimatur erhielt. Aus diesem Umstande läßt sich schließen, daß der hiesige Censor bei seiner Verweigerung des Jmprimatur weniger auf den Inhalt des Sendschreibens reflektirte, welcher auch ganz ruhig und von Persönlichkeiten freier als das erste Sendschreiben gehalten ist, als auf das Getriebe der Freund'schen Polem ck welches bereits offenkundig geworden, vr. Freund hat es aber auch einsehcn gelernt, wie sehr er sich verrechnet, wie wenig er der Mann ist, um die Orthodoxie oder die gemäßigte Reformpartei zu vertreten. Seine Sendschreiben wurden mit Aus-

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