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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-14 · Heft 24 (14.6.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 24 (14.6.1846)
Date
1846-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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107 „Pflichtgebet" wie auf dem mosaischen von roin pip „Pflicht- Opfer" die Rede sein, und hat auf demselben, wie wir in der Einleitung bemerkten, kein Uebergang aus der Sphäre des Sinnlichen und Aeußerlichen, in welchem der mos. Cultus stch be. wegt, in die des Innerlichen, sondern lediglich ein Symbolwechsel stattgefunden, dessen Geltung so lange dauern soll, bis eine vollkommene Restitution eintreten wird. Wir finden daher in dem rabbinischcn Cultus keinen wesentlichen, principiellen Fortschritt gegen den mosaischen, und müssen ihn, um nicht antiquirten Principien unwissentlich gefangen zu geben, bei der Schöpfung eines neuen Cultus für die Gegenwart mit äußerster Borficht gebrauchen. Diese unsere Behauptung an speziellen Aeußerungen der Rabbincn näher zu erweisen, soll Gegenstand folgender Erörterungen sein. Wie wir im ersten Theil für die symbolische Bedeutung des mos. Cultus überhaupt in Bahr einen ficherenGewährsmannfanden, desten Aussprüche wir als Fundament für unsere weitere Erörterungen gebrauchen konnten, so wollen wir hier in Bezug des rabbinischcn Cultus, bevor wir zur Quelle selbst gehen, einen Mann sprechen lassen, der in das rabbinische Alterthum fich so sehr vertieft, daß er darüber die Gegenwart ganz vergessen zu haben scheint. Bei seiner immensen Kenntniß der rabbinischen Literatur find seine Worte auch da, wo er keine Belegstellen für sie anführt, aus dem Geiste und dem Born dieser Literatur ge-, schöpft und darum von hoher Beachtung. Wie man Maimonides. in Bezug auf die rabbinische Halacha als den sichersten Gewährsmann anführen kann über das, was in dieser Beziehung rabbinisch ist, so kann man in Rücksicht auf die übrigen Elemente wie insbesondere den Geist des rabbinischen Alterthums sicherlich auf Zunz sich berufen, der, ohne, wie Rapoport in weitausholende, zwar scharfsinnige, aber höchst unsichere, bisweilen ans Lächerliche hart anstreifcnde Combinaiionen und Conjekturen fich zu verlieren, mit ganzem Geiste, vollem Gemüthe und allen Kräften, wie der wahre Israelit den einigen Gott, das rabbinische Alterthum liebt, darein sich versenkt und in ihm lebt. Zn der Einleitung zu seinem berühmten Werke die g. B. spricht er auf den ersten Seiten Wahrheiten aus, die wir zwar noch von keinem seiner Nachtreter ercerzirt gefunden, die für uns aber, weil sie das Grundwesen des rabbinischen Alterthums scharf zeichnen, höchst beachtenswertfind. Wir wollen folgende Aeußerungen herausheben: „Jahrtausende find seitdem vergangen; aber bei dem Untergänge aller Institutionen blieb die Synagoge als einzige Trägerin ihrer Nationalität. Zn der Synagoge wurde gebetet. Zum Beten aber war jeder Ort, jede Zeit heilig, wie jede Sprache wohlklingend; gebetet ward auch bdi Privatopfern. Selbst nicht das gemeinschaftliche Gebet allein konnte der Synagoge letzter Zweck sein. In der That hat fich der Ausdruck Bet Haus nichl erhalten, sondern ist von der Benennung Versammlungshaus verdrängt worden, obwohl in dem Worte, welches „Versammlung" oder „Gemeinde" bereutet, durchaus keine Beziehung eines gottesdienstlichen Actes oder einer religiösen Bestimmung enthalten ist; ein Beweis, daß in der Zusammenkunft der zu gemeinsamen ernsten Zwecken versammelken Gemeinde, für welche als Symbol der Nation, die Synagoge als kleines Gotteshaus, das Symbol des großen, d. i., des Tempels war, das eigentlich Heilige lag." Köstliche Wahrheiten, dessen erfolgreiche Fruchtbarkeit fich erst später, wenn der innere Zusammenhang derselben mit vielen andern erwiesen sein wird, wird zeigen können! Die Gemeinde war Symbol der Nation, die Synagoge das Symbol des Tempels, und nur in dieser symbolischen Bedeutung lag das eigentlich Heilige. Die Gemeinde, zusammengesetzt aus Kindern Gottes, die fich vereinigen, ihren himmlischen Vater anzubeten, die Stätte, welche sie aufnimmt, und der Raum, wo sie im Gebete zum'Vater im Himmel fich erhoben, ist dem rabbinischen " "terthum ein nie geahntes Geheimniß und vermag es das Heilige, welches darin liegt, außer ver symbolischen Beziehung zu einem noch frühern Alterthum, zur Ration und zum Tempel, nicht zu begreifen. Wenn im mos. Cultus das Geistige und Ueberfinnliche Gegenstand symbolischer Darstellung gewesen, so ward hier nicht blos jenes, sondern aqch das ältere Symbol symbolifirt; der gegenwärtige CultuS war also nicht unmittelbarer Ausdruck eines Geistigen, wie im mosaischen, sondern zunächst des Alterthums, d. i. des Symbols, welches erst das Geistige darstellt. Wie man beim Ausflerben der hebräischen Sprache den biblischen Znhalt in die neuere Sprache übersetzen mußte, um das Berständniß desselben zu vermitteln, so mußte auch nach dem Untergänge so vieler nationalen Institutionen die ältere Symbolik in eine neue übertragen werden. Der rabbinische Cultus, welcher nicht nur für die ursprüngliche Idee, sondern auch für deren Darstellungsmittel ein neues Symbol schuf, ist hierin um eine Stufe niedriger als der mosaische und sein Berhältniß zu diesem ist in dieser Beziehung wie daS einer Uebersetzung zur Originalsprache. — Für den einen Theil seiner Behauptung, daß die Gemeinde Symbol der Ration fei, hat Zunz keine direkte Belegstellen angeführt, wohl aber für de» zweiten Theil, daß das Gotteshaus Symbol des Tempels ist; vrgl. das. S.2 Note«:. In der symbolischen Beziehung, welche die Synagoge zum heili. gen Tempel hat, ist, zufolge dieser Beweisstellen, der specifisch höhere Werth, welchen die alten Rabbineu auf daS Gebet in der Synagoge im Vergleich mit dem Gebete außerhalb derselben

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