Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1846)
- Date
- 1846-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567042--2104-2570115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 Loch immer auch ein sinnliches Wesen ist, für raihsam befunden werden, daß cr auch Gott gegenüber sein Inneres durch Worte ausspreche, aber es darf ihm, so lange sein Inneres von dem Inhalt dessen, was durch Worte zu Äußern, erfüllt ist, die Religiosität, oder was dasselbe ist, die innige Gemeinschaft mit Gott, die immer nur durch die Innerlichkeit bedingt ist, nicht abgesprochen werden. Cs muß da, wo die Innerlichkeit zu ihrem Rechte und zur Anerkennung gekommen ist, der ganze und ausschließliche Werth auf diese gelegt werden. Ob die Rabbinen in ihrer Ansicht über das Gebet, bei welchem sie die Innerlichkeit, die Andacht, als nothwendig erklärten, nicht dadurch, daß sie neben der innerlichen Andacht doch das Gebet als Aeußerltches auch Kr gleich nochwendig hielten, im Gegensatz za obiger Voraussetzung sich befinden, wird bald gezeigt werden. Ein zweiter hierbei höchst beachtenswerther Umstand ist folgender: Es kann nur da von einem innerlichen Gottesdienste, von einer Anbetung im Geiste die Rede sein, wo diese Innerlichkeit ihren Zweck in sich selber trägt und denselben ganz erfüllt. Die geistige Anbetung Gottes muß als das Höchste gelten, was von dem Menschen gefordert werden kann, was derselbe zu leisten im Stande ist, und darf über sie kein Höheres gesetzt oder gedacht werden. Sobald die Existenz einer noch höheren Anbetung als die rein inuerliche und ausschließend geistige als möglich gedacht wird, so muß sie nothwendig gesondert werden, und wenn sie für den Menschen in gewissen Verhältnissen nicht erreichbar ist, so kann die Innerlichkeit nicht als Selbstzweck, sondern nur als einstweiliges stellverttetendes Mittet bettachtet werden, dessen der Mensch sich so lange zu bedienen hat, bis die höhere Anbetungsform für ihn möglich werden wird. Das Innerliche und Geistige aber ist nur dann ein solches, wenn es seinen Zweck in sich selber hat und sinkt zum Aevßerlichen und Symbol herab, wenn es Mittel eines Andern sein soll, wie der wesentliche Charakter des Symbols eben nur darin besteht, daß es nicht Selbstzweck, sondern Mittel ist. Die Radbinen, welche bekannt, lich dem Gebete mit dem innerlichen Gefühl der Andacht, welche sie für dasselbe fordern, dem OpferculMS gegenüber" doch nur einen untergeordneten Charakter geben und dasselbe nur als provisorischeS stellvertretendes Mittel der Opfer bettachte, bis diese in der messianischen Epoche wieder restituirt werden würden, haben die Innerlichkeit ihres eigentlichen charakteristischen Wesens beraubt, haben sie eigentlich gar nicht anerkannt und den Gottesdienst aus der Sphäre der Aeußerlichkeit des mosaischen Symbols nicht her. ausgehobev. Wir erkennen also io der rabbinischen Theorie über den Cult«s zwei wesentliche Mängel: 1) haben sie neben der Innerlichkeit ÄS distn Men ÄoMiitdigen Bestandtheil des Gebetes auch das Gebet selbst, nämlich die Aussprache der Gedanken und Einkleidung derselben in Worte, als den zweiten Bestandtheil, mithin neben der Innerlichkeit auch die Aeußerlichkeit Äs gleich nothweadig erklärt. Wie z. B. auf dem Standpunkte des mos. Cuttus die innere Reue und Zerknirschung des Sünders und dessen Er- Hebung im Geiste zu Gott, Vergebung flehend und Besserung aufrichtig angelobend, ohne das äußere Opferwerk mit dem ganzen symbolischen Ritus nicht gtnügt und der Sünder dadurch nicht gesühnt werden kann, eben so wenig genügt alles das auf dem rabbinischen Standpunkt ohne das gesprochene Pffichtgebet, wenn dieses mit Absicht und Vorsatz zu sprechen unterlassen wird. Der frommste und beste als Jude geborne Mensch, er mag alle seine menschlichen Pflichten erfüllen und im Geiste Gott noch so innig anbeten und verehren, wird doch, wenn er die symbolische Handlungen, wie z. B. Tephilin anlegen und andere ähnliche Ceremonien, mit vollem Bewußtsein unterlaßt oder gar verbotene Dinge, die gleichfalls nur symbolische Bedeutung haben, thätlich Übertritt, in den Augen der Rabbiner als ein Sünver und vor Gott Verworfener gelten. Das Innerlich^ ist daher auch auf dem rabbinischen Standpunkt so wenig wie auf dem mosaischen zur ausschließlichen Geltung gekommen, da es noch immer des Aeußerlichen zu seiner Ergänzung bedarf. 2) Ist auch im Gebete, welches seinem Wesen nach rein innerlicher Natur ist, das Innerliche, weil es nicht in der vom mos. Cultus als allein berechtigt erklärten Form des Opfers auftritt, nur so lange als genügend anerkannt, als jene Form schlechthin unmöglich ist. Wenn man sich daher noch selbst täuschen und behaupten wollte, der sinnliche Theil des Gebetes, die Sprache, sei nicht Symbol, Ceremonie, an welche die Geltung des innerlichen und geistigen Theils wie an das mos. Opfer nothwendig gebunden ist, sondern blos paffende Cultusform im modernen Sinne des Wortes, die neben der Andacht auch entbehrlich sein kann, keineswegs aber den religrösen Werth der Andacht ausschließlich bedinge, so beweist der Umstand, daß diese sinnliche Form der Sprache, weil sie nicht die als Darstellung smittcl des Innerlichen vom mos. Gesetz Ursprunglich bestimmte ist, nur eine prekäre und transitorische Berechtigung habe und deßhalb von der durch den Mesfias wieder herzustellende legitime Form des Opfercultus ersetzt und verdrängt werden würde, daß die Sprache im Gebete auf dem rabbinischen Standpunkt nicht wie in unserer Anschauung das natürliche Werk, zeug des Geistigen, sondern wirkliches Symbol ist, wie es einst das Opfer war und wieder sein wird, an welches die Innerlichkeit nothwendig geknüpft und in ihrem Werthe durch dasselbe bedingt ist. Daher kann auf diesem Standpunkt von NwN rbt>t\