Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1846)
- Date
- 1846-06-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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ISS Gemeinden finb thrilweise durch die Ausgaben, welche sie für Culrus und Unterricht zu leisten haben, sehr belastet. Die Regierung verlangt, daß jede Gemeinde einen eigenen Religionslehrer anstelle, der entweder zugleich Elementarlehrer ist, wo ihm dann ein jährlicher Gehalt von 300 ff. gesichert werden muß, oder die jüdischen Kinder besuchen die christliche Elementarschule, und der Religionslchrer, welcher alsdann allerdings in den meist nicht zahlreichen Gemeinden, nur wenig Beschäftigung hat, mußte dagegen aber auch mit einem jährlichen Gehalte von 150 oder höchstens 200 ff. verlieb nehmen. Außerdem muß jede Gemeinde an ein Distriktö- Rabdinat sich anschlicßen und zur Besoldung des Rabbiners pro rutu beitragen. Dazu kommt noch die Synagogcnerigenz, die Unterhaltung des Schächters und Anderes, so daß die ausschließlich durch Umlage zu deckenden Cultusausgaben (denn an Stiftungen fehlt es fast durchaus) eine bedeutende Höhe erreichen und an manchen Orten, wo der Wohlstand gesunken und auch die Familienzahl durch die immer mehr überhand nehmende Auswanderung gemindert worden ist, kaum mehr zu erschwingen sind. So befindet sich, um nur ein Beispiel von vielen anzufuhreu, in der Nähe des Berichterstatters eine Gemeinde, welche früherhin zwanzig und einige wohlhabende Familien zählte, deren Zahl aber gegenwärtig ohngefähr auf zwölf Beitragspflichtige herabgesunken ist; die noch dazu theilweise nicht mehr in dem ftüheren Wohlstände leben. Diese Gemeinde hat nun ihrem Lehrer jährlich 300 ff., zur Besoldung des Rabbiners 60 fl., für andere Cultusbedürfniffe ohngefähr 60 fl., und außerdem jedes einzelne Familienhaupt 7 fl. 30 kr. Schutzgeld an den Gutsherrn zu bezahlen. Sind das nicht Lasten, die ein wahres Grauen erregend Schon mehrmals hat sich diese Gemeinde an die Kreisregierung gewendet und um einen Unterstützungsbeitrag wenigstens für ihre Schule, die von der Regierung selbst organifirt worden ist, gebeten. Allein trotzdem daß ihr Gesuch von den Unterbehörden aufs kräftigste unterstützt worden ist, ist es dennoch bisher ohne Erfolg geblieben. Es fehlt zwar der Kreisregierung nicht an gutem Willen, dem schreienden Bedürfnisse abzuhelfen, wohl aber an den hiezu erforderlichen Mitteln, indem der Cultus der Israeliten bei der Festsetzung des Budgets jedesmal leer ausgeht. (Schluß folgt.) Der jüdische Lehrerstaud. (Aus dem Fürstenthume Birkenfeld im Mai.) — Zu Ende des verflossenen Zahres hat die Großherzogliche Regierung zu Birkenfeld zwei auf die hießigen jüdischen Lehrer-Verhältnisse Bezug habende Entschließungen ergehen lassen, die auch anderwärts Nachahmung verdienen dürsten. Nach der ersten Entschließung haben die hierländischen Lehrer die ihnen als Vorsänger zukommenden Emolumente fürder nicht mehr von Privaten, sondern in Summa aus den Händen ihrer Cultus - Vorgänger zu empfangen, wohin die Verzeichnisse der einzelnen Gemeindemitglieder nunmehr gerichtet weroen. Die so eintretende Caualien - Eintreibung enthebt die Lehrer nicht nur einer Unbequemlichkeit und einer gewissen Verlegenheit bei der Einkassirung einer oft sehr geringfügigen Summe, sondern wohl auch mancher unerquicklichen Berührung mit den Betheiligten. Ein anderer Erlaß forderte die hiesigen israelitischen Lehrer zum Beitritte an der Schullehrer -Wittwen- und Waisenkasse, von deren Wohlthaten sie bisher ausgeschlossen waren, gegen Erlegung der gewöhnlichen Beiträge auf. Daß die Aufgcfordcrten ohne Verzug dem hohen Ansinnen entsprochen, versteht sich von selbst, und so können die verheiratheten Lehrer ihre Sorgen wegen des zukünftigen Schicksals ihrer zu Hinterlaffenden einigermaßen mildern. MB r. Geiger. O (Breslau, im Mai.) — Diesen Monat begann Herr 0r. Geiger seine Mischnahvorträge in dem Lehr- und Leseverein fortzusetzen. Seine Behandlungsweise der Mischnah ist nicht wissenschaftlich und gewährt seinen Zuhörern, die, größtentheils Polen, die Mischnah nur in jener verkehrten Weise des unfruchtbaren Pilpul kennen lernten, einen wahren erquickenden Genuß. Literarische Anzeige. In der C. Müller'schen Buchhandlung in Fulda ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Neues bewegliches 2"rr Zehn Tabellen für ifrael. Schulen, das hebr. Alphabet und die Vocale in 2—3 Zoll hohen, trennbaren Buchstaben und eine kurze Gebraüchs-Anweisung enthaltend, herausgegeben von L. L^kvisohn» Preis für alle zehn Tabellen Huf seinchr Schreibpapier: 20 Sgr. - j-'fl. 10 & Die Nützlichkeit der beweglichm Alphabete ist beim deutschen Leseunterricht schon längst von Dtmzel, Schwarz, Stephani, Zerrenner u. A. anerkannt. Dieß dürfte üm so eher beim bebr. Lesen der Fall werden, als mall die Lehrer noch häufig über r>m Mangel an zweckmäßig geordneten Lesefibeln, unv hauptsächlich an brauchbaren Wandfibeln, die doch eigentlich in ^Volksschulen unentbehrlich find, klagen hört. Allen Uebelstä'nden wird aber durch diese'Alphab.»Ausgabe abgeholfcn, indem 1) der Lehrer hierbei jede beliebige Methode anwenden kann, 2) die Buchstaben wegen ihrer Grv'ßVvon der ganzen Classe gesehen werden können und 3) das Leuvernen rasch von Statten geht, indem die Kinder zu ihrem lisWm^eftvertreib die Buchstaben selbst aufsuchcn, auffiecken, WörM bnden und so spielend und mit Lust Lesen lernen Bei direclen Bestellungen bewilligen wir besondere Vortheile' Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.