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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-06-14 · Heft 24 (14.6.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 24 (14.6.1846)
Date
1846-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ISO die 9 Artikel des Programms mit, wie sie, freilich nicht offiziell, die mir so eben zugegangcncn ^rcbives Israelites geben. Man verlangt: 1) Die Verschmelzung des deutschen und portugiesischen Ritus in einen einzigen französischen. Man versteht darunter die Einführung derselben religiösen Melodien und der portugiesischen Aussprache beim hebräischen Vortrag statt der deutschen. 2) Unfern religiösen Ceremonien, dem öffentlichen Cultus, Trauungen, Beerdigungen und Confirmationen einbegriffen, so viel wie möglich Glanz, Würde und Rundung zu geben. 3) Aus unserer Liturgie Alles auszuscheiden, was mit unserer bürgerlichen und politischen Stellung in Frankreich, unserm einzigen Vaterlande, unverträglich erscheinen dürfte, sowie Abschaffung der Piutim, die den Gottesdienst zwar verlängern, aber Herz und Geist nicht erweitern. 4) Den Gebrauch der Orgel bei allen religiösen und nationalen Feierlichkeiten zu gestatten, in solchen Synagogen, wo deren Beschaffung nicht zu kostspielig ist. Man verspricht sich besonders viel von der Wirkung der Orgeltöne im Vereine mit unfern altehrwürdigen Melodien (!) und mit dem harmonischen Rythmus der hebräischen Poesie. 5) Dem weiblichen Geschlechte, das bisher von der Synagoge ausgeschlossen bleiben mußte, in unsrer Gemeinde eine prägnantere und würdigere Stellung zu geben, und zwar, indem man dasselbe gleich von der Geburt an ins Judenthum einweihte durch einen Akt, den man später zu bestimmen sich vorbehält; indem man die Confirmation für dasselbe obligatorisch macht, und es zur Theilnahme am öffentlichen Gebete zuläßt. 6) Wo möglich den Unterricht an der Metzer Rabbinerschule zu vervollständigen und zu reformiren durch Einführung der Theologie, d. h. biblische Eregese, die Religionsphilosophie unserer Gesetzbücher (etwa des Orach Chajim und Jore Deah?) religiöse Controverse (etwa den Chilluk?), durch Einführung der französischen statt der deutschen Sprache beim Talmudstudium, (und die Talmud - Melodie des unsterblichen Jakob Falk, was soll denn aus ihr werden?),, und der portugiesischen statt der deutschen Aussprache. (Ein französisch-portugiesisch-hebräischer Chilluk über eine Halacha Tosephot (nicht mehr Halocho Tauswes!) kann so uneben nicht sein.) 7) Bei Trauungen und Beerdigungen alle intoleranten Nachforschungen in Betreff der Personen abzustellen, indem der Grundsatz gelte, daß jeder, der von Seiten des Vaters oder der Mutter Jude ist und sich selbst als solchen bekennt, als Mitglied der Gemeinde zu betrachten sei. Die Verbreitung des Bewußtseins, daß das Amt des Rabbiners nicht blos Belehrung, sondern auch Menschenliebe und Mildthättgkeit bedinge, Es komme den Rabbinern also zu, nicht blos Gottes Wort von der Kanzel herab zu verkünden, sondern auch die jüdischen Kranken und Betrübten in den Hospitälern, Gefängnissen, Zuchthäusern, sowie in den Privathäusern zu besuchen. 9) In den Beschneidungsakt die von der Zett gebotenen Verbesserungen einzuführen. Sie sehen, wie dem sogenannten Judenthum wieder uou, et alter pannus aufgenäht werden soll. Sud 2 sehen Sie, wie ganz besonders Eclat und Knall - Effekt die Hauptaugen, merke der Verbesserer find. Man will das Judenthum durch das Heidenthum heben. Wie sehr mußt du gesunken sein, Gottesdienst der Propheten, daß du solcher erbärmlichen Stützen bedarfst! Schwachheit, dein Name ist französisches Judenthum! Und welche Interpretationen uud Chikanen wird erst ein so in den Hauptpunkten allgemein gehaltenes Programm nach erfolgter Annahme zulassen? Aber in Einem Punkte scheint man jedenfalls sich zu verstehen; man will es dem Katholizismus abgewinnen, man hat Furcht vor dem neuen St. Vinzenzius Ferrerius, vor dem Judenfrauenbekehrcr, dem heiligen Ratisbonnius. Also bald, wenn erst bei Beerdigungen die Rabbiner im Ornate und mit goldgeschnittenem, in Maroquin gebundenem Gebetbuch hinter der Leiche hergehen, die Augen andächtig nach oben gelenkt, oder gedankenvoll nach unten gesenkt; erst wenn bei Trauungen und Confirmationen die jüdischen Rothschilde, Halvhen's und Allegri's orientalische Pracht entfalten; wenn erst die Orgeltöne in die portugiesische Aussprache fahren, dann, dann wird endlich in Erfüllung gehen, was uns verheißen worden von unserem Lehrer Moses, dem Manne Gottes: „Denn dies wird eure Weisheit und eure Vernunft sein vor den Augen aller Völker, welche, wenn sie diese Satzungen hören, ausrufen werden: „„ein weises und einsichtsvolles Volk ist nur diese große Nation allein!"" (Deuteron. 4, 6.) x. x. Jüdische Zustände. [] Krakau, im Mai.— Wenn ich so sehe, wie in Deutschland , wo unsere Glaubensbrüder in sittlicher und geistiger Beziehung ein ganzes Jahrhundert uns vorausgeeilt sind, jegliches friedliche Anbahnen des Bessern durch niedere Parteisucht und er-

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