Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1846)
- Date
- 1846-06-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567041--2090-2570100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literatur-Matt zum Israeliten des U Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, Literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben »on vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 33. Sonntag den 7. Juni 1840. I. Jahrgang. Noch ein Wort zur israelitischen Nesormfrage. Eine Stimme aus dem Volke, vielleicht auch eine Stimme aus der Wüste. Hamburg, bei C. I. Vogel. 1845. (Schluß.) Die Reformbewegung im Judenthum sei eine Nachäfferei der deutschkatholischen, und Stern habe von Czerski - Ronge den Impuls empfangen, spreche — nach der Meinung des Verfassers — das Volk, resp. er selbst, als eine Stimme aus dem Volke. Aber wer gibt ihm dazu das Recht? Kann denn eine geistige Be. wegung nachgeahmt werden, wie eine flüchtige Mode, wie der Schnitt eines Kleides? Setzt sie nicht das Bedürfniß hiezu im Gemüthe, einen Seelenzustanv voraus, wo das Alte abgelebt, und ein Neues, Höheres an seine Stelle getreten und den ganzen inneren Menschen mit seiner Macht erfüllt und ihn treibt, es auch auszusprechen, ihm auch Leben und Gestalt zu geben? Darum hatte auch die Reformation des sechszehnten Jahrhunderts keinerlei Rückwirkung auf das Judenthum gehabt, weil hier das Ueberkommene noch ganz im Geiste und Gemüthe wurzelte; Sterns Vorlesungen hingegen mußten zünden und zur That anfeuern, weil sie das so treffend aussprachen, so anschaulich entwickelten, mit so viel sittlichem Ernste darstelltcn und so überzeugend als in dem ganzen Entwicklungsgang des Judenthums begründet, nachwiesen, was bereits im Bewußtsein der Zeitgenossen eristirte. Aus dem Umstande, daß die Berliner in ihrer Ansprache den Frankfurter Reform-Verein ignorirten, folgert der Verfasser, daß Eitelkeit die Quelle jener Bewegung gewesen. Auch dieses scheint uns ein ungerechtes Urtheil. Es fiel uns zwar jenes Jgnoriren ebenfalls im Anfänge unangenehm auf; aber wir mußten uns doch bald zur Entschuldigung sagen, daß demselben gerade ein Eifer und Ernst für das Gelingen der Sache zu Grunde lag, welches man nicht in dem Grade erwarten zu dürfen glaubte, wenn man sich mit den Artikeln des Frankfurter Reform-Bereins, die, wie es schien, durch ihre negative und streng-rationalistische Fassung Anstoß erregten , einverstanden erklärte. — „Heilige Dinge — meint der Verf. weiter — wollen in heiliger Stille des Herzens und des Geistes empfangen sein", und er tadelt darum di« Oeffentlichkeit, welche man gleich dem Unternehmen gegeben. — In der Stille ves Herzens und des Geistes ist gewiß auch die Reform. Angelegenheit der Gegenwart empfangen, durch die Herrschaft des Geistes und das Hervortreten edlerer Gefühle gezeitigt und vorbereitet worden, aber die Veröffentlichung war das alleinige Mittel, zu erfahren, ob das, was hier und dort gereift war, auch anderwärts Sympathien habe, war das alleinige Mittel, der Wahrheit durch Hören und Prüfen der verschiedensten Anfichten näher zu kommen, wie denn gerade zu dem Eigenthümlichen und gewiß Schätzenswerthen unserer Zeit gezählt werden muß, daß sie durch die Presse den Ideenaustausch zu fördern und jeder einseitigen, naivgläubigrn Richtung, der gewissermaßen auch unser ehrenwerther Verfasser angehört, entgegenzuwirken strebt. — Dreierlei findet der Verf. noch zu tadeln, daß die Frankfurter mit den Worten „Fortbildung des Judenthums" und di« Berliner mit dem „wir wollen Glauben, wir wollen pofitive Religion", etwas gesagt haben, was wever ihnen, noch anderen verständlich; daß man von einer Synod« spreche, „welches vielköpfige Ungeheuer" die Sache zerstören werde, ehe fir noch begonnen habe, und daß man der MefsiaSl«hre, „dieser so hochpraktischen, reinen, erhabenen Idee" den Krieg erkläre. — Wir glauben nun auch, daß die Berliner wie die Frankfurter sich einfacher unv populärer, wie es vor Allem einer religiöse» Ansprache