Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1846)
- Date
- 1846-06-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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181 Hassahfeste, bei welchem die Schrift ebenfalls die Erinnerung an die Befreiung aus dem Sklavenjoche als einzigen Zweck angibt, ohne daß dies den Rabbinismus verhindern konnte, die allerängstlichsten Bestimmungen zu treffen, um die mögliche Untermischung auch nur eines Stäubchens vom Gesäuerten unter das Ungesäuerte zu verhüten! nDS3 pon (Schluß folgt.) Geschichte -es Tages. Die Emancipationsfrage in Bayern. Aus Bayern, im Mai. — Am 7. kam, wie Sie bereits aus ven Zeitungen wissen werden, die jüdische Angelegenheit zur Berathung in der Kammer. Die zuversichtliche Behauptung des Correspondenten der Allg. Zeit, des Judcnthums in (Nr. 18 d. Z.) die Hoffnung, daß unsere Angelegenheit auf dem diesmaligen Landtage zur Sprache komme, sei sicher eine vergebliche, hat sich somit als unrichtig erwiesen. Noch erfreulicher als dieses ist aber, daß auch die weitere Meinung dieses Correspondenten, dieselbe würve nicht wesentlich gefördert werden, wenn sie auch zur Sprache käme, sich als eine irrige erwiesen hat. Doch nein, nach seiner Ansicht war cs allerdings der Fall, denn ihm scheint Förderung und günstiger Abschluß gleich bedeutend zu sein. Zch will mit ihm nun darüber weiter nicht rechten, wie ich überhaupt mich nicht in einen.journalistischen Federkrieg einlassen möchte, aber ich gestehe, schon etwas genügsamer zu sein. Das O'Connell'sche System dürfte wähl auch für uns sowohl bezüglich unserer inneren Verhältnisse, als unserer bürgerlichen Stellung das praktisch annehmbarste und empfehlenswertheste sein: Entweder Alles, oder — etwas. Es giebt aber wirklich unter uns Leute, die den widersinnigen Wahlspruch zu haben scheinen: Alles oder Nichts. Nur jugendlicher Leichtsinn oder tollkühne Verwegenheit spricht so. Keine Gesammtheit, und sch denke, am Wenigsten die jüdische, darf Jugendstreiche machen. Es ist wirklich noihwendig, daß ich dieses bemerke, und ich,wünschte sehr, daß die Correspondenten der jüdischen Blätter, besonders wenn sie sich über unsere bürgerlichen Verhältnisse auSspdcchen, sich mäßigen und klug und vorsichtig sein möchten. Ich will nicht, wie Herr Kr. in dem genannten Blatte dem Sinai vorwirft, Heimlichthuerei oder Beschönigung. Wahrheit -soll vor Allem, das Charakteristische der jüdischen Blätter sein, abv mgn muß auch von dem üblen Eindruck, den dieses oder jenes Mißfällige macht, von der Ungeduld, daß nicht Alles mit einer Raschheit vorwärts geht, wie wir wünschen, sich nicht verleiten lassen, seine Augen ganz zu schließen, und nun jammernd auszurufen, es ist alles schwarz, alles Nacht, nirgend ein leuchtendes Pünktlein. Die jüdischen Verhältnisse müssen in ihrer Totalität erlaßt und besprochen werden. Jede einseitige oder thell« weise Auffassung und Besprechung wird auf Jrrthum beruhen und Schaden bringen. Der Fortschritt setzt einestheils eine geistige Erwachung und Erstarkung voraus, anderntbeils nach Außen wenigstens die Möglichkeit der Bewegung. Man darf diese beiden Hauptbedingungen sich nur vorstellen und man begreift, wie unzählig Vieles noch vorauszusetzen ist. Der ist ein Thor, der seinen Kopf an der steinernen Mauer lieber zerschellt, um nur gradaus zu gehen, als zögernd und anstrengend allmählig sie wegräumen zu wollen. Ich stelle nicht in Abrede, daß in Bayern jetzt kein eigentlicher Fortschritt bemerkbar ist, aber daß kein Streben vorhanden sei, daß nicht, trotz allen Hemmnissen, ein Fortschritt angebahnt werde, wird Niemand behaupten können. Nehmen wir die Zustände, wie sie sind, und bringen wir roch ja nicht „ns in Rechnung, woran Anvere. die nun einmal außer dem Bereiche unseres Einflusses sind, die Schuld tragen. Reaktionen haben in Bayern Viele stattgefunden, aber die festeste und zuverlässigste Schutzmauer ist unsere Zeit. Diese bildet einen Damm gegen alle Reaction und setzt ihr eine Gränze, über die hinaus sie sich nicht wagt. Wer unsere Kammerverhandlungen mit Aufmerksam, keit gelesen hat, wird sich hiervon überzeugt haben, und die Verhandlungen über die jüdische Angelegenheit ist nicht der kleinste Beweis. Es mag kaum jemals in einem Staate eine interessantere Statt gefunden haben. Nlir ein einziger Abgeordneter sprach eigentlich gegen uns, der Abgeordnete Pfeffiuger, und sprach so, daß es uns mehr zur Ehre gereicht, einen solchen Gegner zu haben. Er meinte, weil es unter den Juden doch reiche Leute gebe, sogar einige Adelige, so fehle ihnen nichts, uns er könne gar nicht begreifen, was ihnen noch zu wünschen übrig bliebe. Außerdem sprach noch gewissermaßen dagegen der Abgeordnete Döllinger, Professor der Theologie zu München. Er erklärte zwar, daß er für die Anträge des Ausschusses sei, jedoch gegen Emancipation, und zwar im Interesse der Juden selbst, deren Religion darunter leiden würde. Wir sind ihm für diese zärtlicheBesorgniß wenig verbunden, und Herr D. wird sich kaum beschweren können, wenn wir unverholen die Meinung aussprechen, es fei dieses nicht sein Ernst, denn im Interesse der Religion hat er gewiß die Modistcation nicht eingebracht, daß bei Aufhebung der Ausnahmsgesetze sogleich eine neue Ausnahme statuirt werde. Er beantragte nämlich zu dem 2ten Anträge des Referenten, die Worte beizufügen, „jedoch dabei die nothwendige Rücksicht auf den, unftren christ-