Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1846)
- Date
- 1846-05-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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170 Eger-Synagoge auSetsehen. Alle pekuniäre Schwierigkeiten, find von vorn herein durch die Munifizenz deS Hm. Jacob Bunzl ge. löst, welcher fich freiwillig erbot, alle Kosten, welche die Constituirung des Vereins und vorzüglich die Einrichtung des neuen Bethauses erheischen würde, allem tragen zu wollen. Auch ein Prediger ist bereits für die neue Gemeinde gefunden in der Person des Hrn. Simon Lowofiz; rin Mann, dessen hinreißende Beredsamkeit allein hinreicht, der Sache der Reform bedeutende Anhänger zu gewinnen, dessen entschiedene Ansichten ihn auch verhinderten, die Predigerstelle an dem hiesigen Tempel, die ihm unter den glänzendsten Bedingungen angeboren wurde, anzunehmen. Daß die Orthodoxie alle ihre Truppen ins Gefecht führt, um die Realifirung des Vereins zu hintertreiben, läßt fich leicht denken. Aber trotz allem Schimpfen und Schelten des Rabbiners Rapoport, der in einer GelegenheitS - Derascha mit einem schlecht versteckten Fanatismus dagegen eiferte, wird die Sache des Lichts dennoch durchdringen, trotz allen Kämpfen der Finsterniß wird das Morgenroth sie verscheuchen. Zcdoch haben wir mit mehr Hindernissen zu ringen, als jede andere Genossenschaft dieser Art, indem unsere Regierung keine besondere Freundin von Neuerungen, am wenigsten aber von Vereinen und Versammlungen ist. Es muß daher mit großer Vorsicht zu Werke gegangen, und alles vermieden werden, was Aufsehen erregen, und den Charakter einer Association verrathen würde. Wolf Leipen. Anträge arr die dritte Versammlung deutscher Rabbiner. 1) Die Versammlung wolle eine Commission ernennen, welche ihr Gutachten abgebe, ob bei der Beschneidung die Peri'ah (nj?ns), welche gerade die gefährlichste Handlung bei der Be. schncidung werden kann, beibehalten werden müsse, da es im Talmud ausdrücklich heißt, daß die Peri'ah kein mosaisches Gebot sei, sondern erst Iosua ihre Entstehung verdanke, denn so heißt es: W3K DiTQi6 n6’D nj?nD rurw *6 (Iebam. 71 d). (Antrag des scl. Landrabb. Hofmann in Walldorfam 23. Juliv.I.) 2) Die Versammlung wolle, in Anerkennung der Zweckmäßigkeit von Genossenschaften für Reform des Zudenthnms im Allgemeinen, in Anerkennung ferner der Zweckmäßigkeit von Sonntags- Gottesdiensten als an demjenigen Werktage, welcher mehr als andere dem heutigen deutschen Zsraeliten Muße gewährt, im Uebrigen die Erklärung abgeben, daß die Abhaltung eines Sabbath-Gottes dienstes am Sonntage, er möge der einzige in ver Woche fein oder neben fich einen solchen am Sonnabend bestehn lassen, der Lehre und dem Geiste des Zudenthums widerspricht und als solcher verwerflich ist. (Antrag des Hrn. Rabb. Dr. S. Adler in Alzey vom 29. April d. I.) 3) Die Vers, wolle mit der Verwaltung der Kaffe zur Unterstützung der Rabbiner-Versammlungen sich benehmen und dieselbe dahin zu vermögen suchen, eine angemessene Summe für allzweijährliche von der Rabbiner-Versammlung zu stellende Preisfragen zu bewilligen, dam eine solche Preisftage für den nächsten Termin bestimmen und eine Commission zur Beurtheilung der einlaufenden Arbeiten aus ihrer Mitte erwählen (Antrag deff. von dems. Dat.) 4) Die Vers, wolle erklären, daß das Entbehren der ledernen Schuhe am Versöhnungstage, am Tage derTempelzerstörung, beim Priestersegen und in den Traucrtagen, weil blos auf orientalischer Anschauung beruhend, bKuns jedoch unanständig, daher auch religionswidrig sei (Veranlaßt durch die Anfrage der Gemeinde zu Papa.) 5) Die Vers, wolle erklären, daß der zweite Festtag, mit Ausnahme einer beizubehaltenden besondern, jedoch abzukürzenden gottesdienstlichen Feier, seinen Charakter als Festtag von nun an verliere, der achte Tag des Peßach ganz abgeschafft werde, deßgleichen der erste Neumondstag (n""9 an den Monaten, in welchen bisher zwei Tage gefeiert worben sind. (Veranlaßt durch die Anfrage der Gemeinde zu Teplitz.) 6) Die Vers, wolle erklären, daß das Verbot des Gesäuerten am Rüsttage des Peßach (NO2 21)?), als mit dem Darbringer: desPeßachlammes zusammenhängend, nunmehr erloschen sei. 7) Die Vers, wolle erklären, daß die Sitte, die Tage zwischen Peßach und Wochenfest zu zählen (“)0iynrwSD), noch dazu mit einem vorhergehenden Lobspruche (rvotal DW rrüin), als auf einer zweifelhaften, ja unwahrscheinlichen Erklärung einer Schriststelle beruhend, mit dem Darbringen des Fruchtopfers im Zusammenhänge stehend, von nun an aufzuhören habe. 8) Die Vers, wolle erklären, daß das Schofarblasen am Neujahrstage, nach Angabe der Mischnah (Rosch Ha-Schanah 4, 5), auf die im Mußafgebete üblichen Stöße TQiyD) zu beschränken sei, das Blasen vor dem Beginne des Mussaf (2l7l'O my’pn) wegzufallen ha-be, .daß ferner, gleichfalls nach Angabe ver Mischnah (das.3,3), das Schofar von andern Blasinstrumenten begleitet werde. Breslau, 13. Mai 1846. Zm Namen des Ausschusses Geiger. Aufforderung. In Bezugnahme auf ß. 4 der Bestimmungen für die Kaffe der Rabbiner-Versammlungen ersucht das Unterzeichnete Comits ergebenst die deutschen Rabbiner und Prediger, welche.<m der diesjährigen, in Breslau abzuhaltenden Versammlung als wirkliche Mitglieder Theil zu nehmen gesonnen find, Sr. Ehrwürden Hrn. Rabbiner L e o p o l d S t e i n dahier die Anzeige machen zu wollen. Frankfurt a. M., 8. Mai 1846. Das Comite der Kasse für die Rabbiner-Versammlungen und in dessen Namen: Dr. I. Weil, Präses. Leopold Beer, Secretäk. Verlag der Z. C. Hermann'fchen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in.Offenbach.