Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1846)
- Date
- 1846-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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m ift diese Forisetzimg des älteren Geschichtswerks des Hrn.vr. Jost eine sehr verdienstliche, gediegene und brauchbare Arbeit, die Haltung würdig, die Zusammenstellung gut, die Gesinnung löblich, nur ist zur Colorirung etwas zu viel Berliner Blau verwendet. Schließlich wollen wir noch lobend erwähnen, vaß, wie man uns versichert, unser Rabbiner Hr. Stein, fest entschlossen ist, zur Rabbiner-Versammlung nach Breslau zu reisen, von welcher wir jedoch erwarten, daß sie nicht, wie die französischen Gerichts, sitzungen bei Verhandlungen, welche das Schamgefühl verletzen könnten, ä Kurs elvs abgehalten werden wird. Der königl. preu. ßifchen Regierung dürste an sich schwerlich daran gelegen sein, ob die Rabbiner ihre Versammlungen öffentlich halten oder nicht, und sie vielleicht nur einer möglichen vergleichenden Zusammenstellung mit den geheimen protestantischen Synodalversammlungen Vorbeugen wollen. Allein die Rabbiner-Versammlungen haben bisher nicht in Preußen stattgefunden, und werden auch künftighin nicht da ausschließlich stattfindcn; sie können aus gar vielen Gründen der Oeffentlichkcit nicht entbehren, und es wäre besser, sie selbst als diese bei ihnen aufzugeben. Wir müßten uns aber sehr täuschen, wenn nicht später andere deutsche Regierungen deni Beispiele der preußischen folgen, und bei Gestattung solcher Versammlungen die Ausschließung der Oeffentlichkeit zur Bedingung machen sollten, ist man ans solche von Seiten der Rabbinen einmal eingegangen. Wir zum wenigsten würden dieses Jahr lieber gar keine Versammlung, als eine ohne Oeffentlichkeit zu Breslau abgehalten sehen und hätten wir als Theilnehmer die weite Reise dorthin gemacht, und fänden bei unserer Ankunft, daß die Sitzungen nicht öffentlich abgehaltcn werden sollten, wir würden cs vorzichen, unverrichteter Dinge zurückzukehren, als an geheimen Besprechungen Theil zu nehmen, in denen wir nichts zu sehen vermöchten, als!« commenceineut de la fin. Damit hingegen, daß, wie Ihr Breslauer Corrcspondeut berichtet (Nr. 20), Zuhörern dort, wie in den bei« den früheren Versammlungen der Besuch nur gegen Karten gestattet werden soll, sind wir vollkommen einverstanden, und finden diese Oeffentlichkeit ausreichend und angemessen. Reformbewegung in Prag. (Prag, im April.*) — Die Wachtfeuer, die an den verschiedenen Punkten Deutschlands im jüdischen Lager aufgelodert, find *)■ Wir ersuchen den geehrten Hrn. Corrcspondenten uns künf. tig mit der Post und unfrankirt zu schreiben, damit seine Berichte fchne,ller uns zukommen, als es mit diesem der Fall war. Die Redaction. nicht vereinzelt geblieben. Die Reveille, die zu Frankfurt a. M., Berlin und Breslau geschlagen wurde, hat allenthalben einen Wiverhall gefunden. Ucbcrall treten Gleichgesinnte zusammen, um ihre Lossagung von den Fesseln des Talmudismus öffentlich zu bekunden. Auch bei uns hat der Lichtstrahl der Reform endlich ge. zündet, nach langem Gähren und Sieden der Elemente; nachdem eine hier mehr als irgendsonst gewichtige Orthodoxie erst zurückgeworfen unv überwunden werden mußte, ist die neue. Sonne endlich zum Durchbruch gekommen. Es ist so eben ein Verein der aufgeklärtesten, entschiedensten und freisinnigsten Männer unserer Gemeinde im Entstehen, in ähnlicher Weise, wie die bereits bestehenden Reformzenossenschaften. die religiösen Formen mit ihrem und dem Bewußtsein der Zeit in Einklang zu bringen. und die Kluft auszufüllen, die sich bisher zwischen Leben und Lebre gezeigt. An der Spitze des Vereins stehen zwei Männer, deren Streben für die Sache des Fortschritts hier längst bekannt ist, Herr vr. Abraham Muncles nnv Hr. Hermann Lasch. Beide sind von dem Eifer beseelt, das Volk von dem Sklavenjoche des Rabbinismus und der sich bereits überlebten talmudischen Satzungen zu befreien. Zn der ersten vorbereitenden Versammlung brachte Herr Muneles 2 Gegenständ: zu Sprache. tJie auch anrerwärro berührt, aber nirgend in solchen scharfen Umrissen hingestellt worden sind. Beide aber sind die praktischsten und vom Leben am dringendsten geforderten Reformen; die erste ist die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag, die zweite, das Niederreißen vcr Scheidewand zwischen milchig und fleischig, eine Sonderung, vie seit zwei Jahrtausenden so viele Verwirrung in den Küchen Israels angerichtet hat. Wurden diese kitzlichen Punkte für den Augenblick nur flüchtig angeregt, so enrcucte sich einer aussührlichern unv hoffentlich bald zu Resultaten führenden Besprechung der Cultus, da derselbe hier einer Veredlung und Verjüngung bedarf, wie sie unser „Tempel", der unter der Leitung des Dr. Sachs hcranwuchs, bei weitem nicht bietet. Da war es Hr. Herrmann Lcssch, der, ein begeisterter Czeche, in einer feurigen Rede seinen Zuhörern zu Gemüthe führte, wie die hebräische, unserer Denk-unv Anschauungsweise ganz fremde Sprache, durchaus nicht mehr geeignet sei, den innigsten Gefühlen unserer Brust, den höchsten Empfindungen unseres Herzens Worte zu leihen und wie wir es dem Lande unv unfern Mitbürgern, die uns so freundlich die Hanv reichen, schuldig seien. die böhmische Sprache nicht nur im ge wohnlichen Leben, sondern auch an heiliger Stätte im Gotteshause' auf der Kanzel und im Gebete einznsühren. Der Vorschlag, ein eigenes Bethaus für den Verein anzuschaffen, fand auch allgemeine» Anklang, und dazu wurde als am geeignetsten die Bunem-