Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1846)
- Date
- 1846-05-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567040--2074-2570083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 §. 1. Eine Gleichstellung der Zfraeliten mit ibren christlichen Mitbürgern in allen civilrechtlichcn und staatspolizeilichen Beziehungen. §. 2. Namentlich die sofortige Aufhebung des §. 12 des Ediktes von 1813 lautend: die Zahl der Judenfamilieu an den Orten, wo sie dermalen bestehen, darf in der Regel nicht vermehrt werden, sie soll vielmehr noch vermindert werden, wenn sie zu groß ist." In den nächsten Tagen werden diese Anträge nun in der Kammer zur öffentlichen Verhandlung kommen, und, ich glaube, auch dort kräftige Unterstützung und Be» vorwortung finden. Geschichte -es Tages. Freimaurerthum. JOr, Jost Geschichte. Rabbiner- Versammlung. / (Frankfurt a. M., im Mai.) — UnS war noch dunkel in der Erinnerung geblieben, daß seiner Zeit von Berlin aus ein Hr. Zeller und ein Hr. Borchardt gegen die Reform im Judenthum Gereimtes und Ungereimtes geschrieben, und daß der eine ein wirllicher Schneider, der andere ein Tiiular-Rabbiner gewesen; wir konnten uns aber nicht mehr entsinnen, ob Rabbiner oder Schneider der Dichter, ob Borchardt oder Zeller der Schneider gewesen; so schnell vergißt die undankbare Mitwelt große Thaten und große Männer, welche die Bewunderung der Nachwelt sein werden. Wenn wir Ihnen sagen, daß uns eine Einladung zur Subscription auf ein Werk zugekommen, welches den Titel: „Das Studium der Freimaurerei" führen, und einen dieser beiden Herren zum Verfasser haben wird, und Sie rathen lassen, welchen, den Rabbiner oder den Schneider, wird Ihre Antwort nicht vom Zufall adhängen? Wenn wir selbst weiter gehn, und Ihnen aus der Einladung mittheilen, daß unter andern in rem Werke „eine eigenthümliche und neue Erklärung gegeben werden soll über das Sechseck als Geheimniß aller Religionen, über Körperbedeckung, kurze Hosen und drei Farben", finden Sie sich dadurch gefördert? Gerade oder ungerade. Münz oder flach, Wirklicher oder Titular, wenn Sie es errathen, ist es ein glücklicher Zufall. Wir hingegen wissen es gewiß und können mit Bestimmtheit versichern, daß Hr. I. S. Borchardt zu Berlin, feiner Bezeichnung ein Obcr-Krcis-Rabbiner, es ist, von dem die Einladung ausgeht. Sie werden nicht erwarten, daß wir uns bei dieser Veranlassung über Freimaurerei auslassen; denn entweder gehören wir diesem geheimen Oroen nicht an, und sind außer Stand, aus eigner Wahrnehmung darüber etwas zu sagen, oder wir ge. hören demselben an und sind es um so weniger im Stande. Deßhalb würde es uns auch wundern, wenn, wie Hr. Borchardt versichert, „hochstehende Maurer" sich über den Orden in Unterhaltungen mit ihm eingelassen haben sollten, da wir zwar nun von ihm wissen, daß er kein Schneider, aber keineswegs die Ueberzeugung haben, daß er Maurer ist. Die wohlgemeinte Warnung möge er jedoch nicht überhören, daß maurerische Studien, nach dieser Richtung verfolgt, zwar vom Judenthume auszugehen, aber ins Christenthum einzumünden pflegen, was ihm die „Hochstehenden" wohl schon bemerkt haben werden; auch irrt er, wenn er glaubt, daß Sohar, Srfcr Jezira und ähnliche kabbalistische Schriften nicht bereits zu dem Behufe benutzt find. Dahingegen erwarten wir, daß Dr. Jost in seiner Mischen CulturgeschiL te den wohlthätigcn Einfluß, welchen der Freimaurer-Orden und zwar in anderer Richtung, mittel- und unmittelbar auf die Juden, insbesondere Deutschlands, gehabt, ausführlich besprechen werde, was schon bei der Darstellung der hiesigen Gemcindeverhältnisse*) ohne alle Veröffentlichung der Ordens-Grundsätze**) recht gut hätte geschehen können. Er hätte überhaupt, da er hier lebt, bei dieser Darstellung sich nicht, wie er gethan zu haben scheint, auf Gedrucktes und Geschriebenes beschränken, vielmehr einen und den andern der vielen noch vorhandenen Theilnehmer an den Kämpfen, welche er aufzeichnet, befragen sollen, was ihm manche Aufklärung, wohl auch eine bessere Gesammiübersscht verschafft haben würde. Um nur Unbedeutendes zu erwähnen, macht er einige Brochüren namhaft, ohne deren ihm an sich wohlbekannte, auch von ihm sonst genannte Verfasser nur zu ahnen; so: Die Juden in der freien Stadt Frankfurt und ihre Gegner, 1816, auf S. 45, Anm. 1; Ueber die Posse Unser Verkehr und den Schauspieler Wurm, auf S. 48, Anm. 1; Jacobs Kriegsthaten und Hochzeit, 1816, auf S. 48, Anm. 3; beide ersten rührten von Börne, letzte von Friedrich her, was zu erfahren ihm ein Leichtes gewesen wäre. Wer alte Geschichte schreibt, kann freilich nur aus Büchern und Urkunden schöpfen, wer aber neue, darf den noch frischen und ungetrübten Quell mündlicher Ueberlieferung der Zeitgenossen nicht unbenutzt lassen, nur dadurch wird sein Werk selbst zur Quelle, während es sonst immer mir Ausfluß bleibt. Im allgemeinen *) Neuere Geschichte der Israeliten, B. 10, Abth. 1, S. 23 - 110. **) Ebendas. S. 59.