Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1846)
- Date
- 1846-05-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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108 macht? Gehören etwa die Mitglieder der hochw. R.-D. minder zum D^nD rcfcED als unser Rabbi und Consorten? S. 6 wird wiederum Bezug genommen auf das brüderliche Machwerk //Rücksprache mit allen Gläubigen des rabbinischen Judenthums." Dioscrhalb wegen Absprechung der talmudischen Autorität wurden die Karaiten gesondert von der Eril - Gemeinde nbn blp. Sollte aber die R.-V. den Einwand geltend machen, daß dies eben nur eine talmudische Consequenz ist, nach der wir uns wenig kehren, so weiß unser Rabbi zu antworten: was wollt ihr (die R. - V.) von uns. Kann das einem Vernünftigen einkommen, daß 25 Karaiten uns Pharisäern Gesetze geben sollen? Das grenzt schon an Erkommunikation. Nur schade, daß derartiges Zeloten - Feuer heutzutage nicht zündet. In Schofar und Lulab, die Kirchenrath Maier aus wahrer Pietät, einigermaßen würdiger, unscrm ästhetischen Gefühle zusagender zu gestalten beabsichtigt, nur ein Emancipations-Liebäugeln. Sehen Sie, Hr. Red., um so zu folgern, muß man Talmud mit Mforschim studirt haben. Vielleicht erklären Sie, Hr. Red., die Floskel ruiDfcQ LZ ipbl tox» smn ,n»iran letzteres ist ein verdrehter Vers aus Hofes 5, 7. und paßt eben so wenig zum Mschiach - Glauben, Wie das N""l überhaupt in unscrm Jahrh. Schimpfend fährt unser Rabbi fort: //Große Anordnungen wurden da getroffen. Wie einige nniDK mbND ,pnn bo nbn zu erlauben. Doch wird derselbe plötzlich gefühlvoll, und seine allumfassende Vaterlandsliebe macht sich durch eine herbe Kaschie Luft: Warum, fragt er, soll der Jude nachstehen, jedem fremden Nichtjuden, bezüglich der Bürgerrechte? Hierauf erwiedre ich, daß die beschränkte rabbinische Auffassung der Bibel, ja selbst des Talmuds, den Staat fast zu seinem Unrechte, zur Schmälerung des Lebens- Genusses der Juden berechtigt. Selbst der Talmud lehrte freillch nur in einer momentanen hellen Aufwallung — Dro ’m 0,“D DID’IP 601. Herr Rabbi: Können wir nach talmudischrabbinischer Sabbath-Auffassung, also nach roty mbn u. p3TTy uns am Staate, an seinen Interessen betheiligcn, oder überhaupt heutzutage, wo wir nicht in der arabischen Wüste, sondern in Deutschland sind, leben, ohne in Kollision mit uns selbst zu kommen? Dem EWOn Holdheim, jenem freien, muthigen Denker, der den Talmud so auffaßt, wie er ist, nicht wie ihn spätere Finsterlinge aufgefaßt wünschen, diesem Manne, macht nufer Rabbi auf eine höchst eigenthümliche Weife Furcht. Man höre und staune: „Durch die Eidesbehanptung wird H. nichts bezwecken. Man wird ihm und seines Gleichen in eidlicher Beziehung kein Vertrauen schenken, «eil die Behörden doch wissen, WQ D«»“ni?«n bflOBO ttrobl und derselbe folgt nur dem Talmud, wo dieser erleichtert, folglich auch bei Eidesleistungen — sehr brav, Hr. Rabbi! witzig und talmudisch minutiös. Wissen Sie aber nicht, daß die hochw. R.-V. und namentlich H. selbst vor talmudischen NNlZ und vollends gar vor ihren niütyft keine Scheu Hat? Sich mit dergleichen Verirrungen des menschlichen Geistes, wie Sie und Ihr Gelichter gar nicht befaßt, sondern Alles, wie Sie ganz richtig bemerken, nach dem nyn nn (3dtgeifi) religiöser Gefühle, und nach ftommer Anschauung beurtheilt? Auf dieser Seite wurden ferner noch alle gemachsten Beschlüsse der R.-V. unv die zukünftigen, nach der weiland Kol Nivre-Weise im Voraus gelöst. Eingeräumt wird zwar, daß viele deutsche Juden sich der Thora-Pflichten bereits entzogen haben, und noch entziehen, worüber des Rabbi Herz bricht; allein eingedenk jener Wahrheit: „hat der Faule die Hand in die Tasche gesteckt, er nimmt sie selbst seines Genusses wegen nicht heraus", kann unser Rabbi nichts thun. Er tröstet sich und feines Gleichen mit den 10 Stämmen Jsr. und vieler Juden dir ausgcartct, und dennoch eristirt die Torah.—Allein Alles heißt eristirt. Die Rabbiner mit ihren Institutionen, Schulen und Synagogen, Mizwoth-Auktionen, Haman und Hosana-Klopftrei, und Kaparoth-Schlägcrei eristiren auch zur Zierde des JudenthumS und der Judcnheit.— Somit glaube ich für diesmal mich meiner Aufgabe entledigt zu haben, und will nur noch, da ich mich schließlich mit Rabbinen befaßt habe, nach ihrer Art 'LNN2N L"38durchcine Bemerkung darthun, daß unsere Zeit eine wahrhaft fortgeschrittene zu nennen ist. Hatte unser so sehr geplagte Moses in Kanaan einen Correspondenten gleich Ihnen in Schlesien, welches Unheil wäre dadurch verhütet worden. Indem ich der hochwürdigen R..V. recht inniglich wünsche, einmal ist sie einig unter sich selbst, recht zahlreich gerüstet vor ihren Brüdern in unser Silesia einziehen, dann aber daß meine winzigen Lokalkenntniß- Beiträge ihr nützen mögen, versichere ich sie der Herzen aller Denkenden in unserer Mitte. Literarische Anzeige. So eben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: am 2. April stattgefnndenen Einweihung des GotteS« Hauses der Genossenschaft für Reform im Judenthum, gehalten von Dr. Sam. Hol-Heim, Großherzogl. Mecklenburgisch-Schwerinschem Landes-Rabbiner. (Der Ertrag dieser Schrift, ohne Abzug der Kosten ist zu rvohlthätigen Zwecken bestimmt.) 8°. 5 Sgr. Berlin, April 1846. B. Behr's Buchhandlung. Verlag der I. C. Hermann'ichen Buchhandlung in Frankfurt a. M- Druck von Fried. Krähe in Offenbach.