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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-24 · Heft 21 (24.5.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 21 (24.5.1846)
Date
1846-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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106 Nichtvcrbeirathen mit Andersgtaubmden, für die gemeinsame Wohlfahrt der übrigen Staatsbürger nachlhcilig sei und entgegnet hierauf: „Die Verlegung der Feier des Sabbaths auf den Sonntag wäre mancher politischen Znconvenienzen halber wünfchenswerth und (was wir unsererseits sehr bezweifeln) nicht schwer durchzufuhren, ohne daß das Gewissen der Israeliten hierdurch beunruhigt würde. Refer. weist hier auf ein Protokoll der im Jahre *836 stattgehabten Kreissynode zu München*), aus welchem hervorgehe, 1) daß das in dem Pentateuch festbegründete Gebot: „Du sollst gar keine Arbeit verrichten am siebenten Tage, auch erfüllt werden könne, wenn dieser siebente Wochentag auf den Sonntag verlegt werde, indem nicht ausdrücklich bezeichnet ist, von welchem Tag an gezählt werden müsse. 2) Daß es in der mosaischen Glaubenslehre nicht allein erlaubt, sondern sogar geboten sei, am Sabbath zu arbeiten: wenn es eines Menschen Leben gilt, oder dies zur Erhaltung des Menschen nothwendig sei (wozu nämlich Ansbildung zu Gewerben, Betreibung von Gewerben, überhaupt eure Beschäftigung, von welcher der Lebensunterhalt nothwendig abhängr, gerechnet werden können **); 3) daß endlich nicht nur Militär-, sondern jeder Staatsbeamte, deren Dienst eine Uebertretung des Ccremonialgesetzes fordert, von Letzterem dispensirt sein, nach dem Grundsätze dcs Talmuds: Das Staatsgcsetz hat verbindende Kraft. Von dem Nichtgenitsse mancher Speisen sagt Refer. sehr richtig, er sei nur eine den Juden allein berührende diätetische Maßregel, bei der Niemand leidet, als er selbst. Und endlich die Verheirathung mit Nichtjuden betreffend, meint er, sie sei weder wünfchenswerth, noch für wirklich religiöse *) Dieser Theil des Referats wird voraussichtlich viel Aufsehen machen und bei Christen und Juden große Sensation erregen. Ich referire nun um so vollständiger, als hier zugleich eine der religiösen Zeitfragen berührt wird, ohne damit meinerseits ein Urtheil abgeben zu wollen. Ad 1 läßt sich jedoch, meiner Ansicht nach aus dein Protokolle nicht folgern, wohl aber 2 und 3, was indessen auch von allen übrigen Kreissynoden damals erklärt wurde. Um jedoch dem Urtheile nicht vorzugreifen, lege ich eine Abschrift des Protokolls für Ihre Zeitschrift bei. C o r r e s p. **) Auch hierin geht Referent wohl zu weit. Correfp. Personen ausführbar, weil sic nur häuslichen Unfrieden, Familien-Uneinigkeiten, Relkgions-Jndifferentismus oder Haß unter den Kindern u. s. w. erzeugen, und daher von der Staatsrcgierung wohl selbst nicht gestattet werden würde." (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. JDr, H. GrA tz. / (Frankfurt a. M., im Mai.) — Die Frankelfche Zeitschrift ist für uns reich an angenehmen Ueberraschungen. Wir wußten von Hrü. Dr. Grätz. daß er ein Schüler des Hrn. Hirsch in Emden, ein Gegner Geigers, ein Mitarbeiter am Orient war; alles Titel, die an sich empfehlend sein mögen, es uns aber nicht sind. Wie sehr mußte uns eine Abhandlung desselben in jener Zeitschrift*) nicht in Verwunderung setzen, da es auch geübteren Augen nicht leicht sein dürfte, in dem jüdischen Geschichts- Construenten den Geigerschen Mischnah-Lehrbuch-Recensenten wieder zu erkennen. Diese Säule des rabbinischen Judenthums würde, mit Rabenu-Tams-Tefillin umkringelt, sich trefflich ausnehmen neben der andern, dem Hrn. Chacham B ernay s in Hamburg, zwischen dessen biblischem Orient und der Grätzfchen Skizze blos ein Vierteljahrhunvert liegt, mit dem Umschwünge, welchen Ansichten, Lehrweisen und Studien im Lause derselben genommen, da, wie jener nach Kanne und Wagner, diese nach Hegel und Schelling schmeckt. Hr. Grätz scheint auch kein „Sohn der alten Stadt des Glaubens und der Lehre, der Stadt voll Bildung", kein Glogauer Bachomantiker (sifc venia verbo) zu sein, und einen andern Weg einzuschlagen als der Bergmann, Hr. Zunz, und der Goldschmied, Hr. Sachs**), zu Berlin, selbst des Giganten, des Cyclopen, des Chasonim- und Peitanen- Generals, des göttergleichen Rabbi Eleasar Kalir, dessen Vaters, R. Jacob, und Bruders, R. Jehuda, dessen zweifelhafter Geburts- und Wohnorte, dessen „vielkantiger, thurmartiger, unregelmäßiger, räthselhafter" ***) Piutim rc. rc., thut er nicht Er- *) 1846, 3s und 4s Heft. Die Construction der jüdischen Geschichte, Eine Skizze von vr. H. Grätz. **) Ebend., 1846, Heft 4, S. 150. In einer dort abgedruckten Recension der Sachsschen Schrift: Die religiöse Poesie rc. von Hrn. Selig Cassel werden diese Herren so bezeichnet. ***) Ebendas., S. 154.

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