Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1846)
- Date
- 1846-05-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567039--2060-2570068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 er es aus, daß dem nicht also. Die mosaische Confessio«, sagt er §. 7, ist es, das strenge Halten an den angestammten Dogmen und Glaubensformen, was stets als ein Haupthinderniß galt der bürgerlichen Gleichstellung mir den Christen. Bei der Glaubens- und Gewissensfreiheit, welche die Verfassung aufrecht erhalten wissen will und garantirt, huldigt aber Referent der Ansicht, daß ein Volk, welches inmirre» der Verfolgung und Bedrückung fest an dem Glauben seiner Väter hält und den Jndiffcrentismus, der eben sowohl hier, als in andern Confessionen immer mehr um sich greift, strenge von sich weist, daß cs für dieses Festhalten einem Vorwurfe nicht verfallen könne. Ueberdies ist die Religion der Juden in hohem Grade der Verbesserung fähig. Die Keime der Veredlung liegen um so gewisser Ln ihr, als ja die Grundlage des Judenthums die nämliche ist, wie die Grundzüge der christlichen Religion. In neuerer Zeit bat sich ein besseres Leben auch im Religionszustande der Juden geregt, und mit Hochachtung nennt man die Namen israelitischer Schriftsteller und Volkslchrer, welche dazu mitgewirkt haben, die Religi.onsansichten ihrer Glaubensgenossen zu läutern, ihre Gesittung und ihren Glauben zu verbessern und insbesondere die Cultusformen des jüdischen Gottesdienstes zu veredeln. Referent geht nun an die Bekämpfung jenes Vorurtheils, als wenn die jüdische Religion den Christen zu betrügen gestatte und äußert sich auch in dieser Beziehung mit einer erfreulilichen Unbefangenheit. Um die Jmmoralität der jüdischen Religion hervorzuheben, habe man auf den Talmud hingewicsen, einzelne Lehren aus demselben herausgerissen und daraus ein Glaubens bekenntniß zusammengesetzt. Allein der Talmud sei nur ein Commentar der mosaischen Gesetzgebung, habe die Autorität eines religiösen Canons in keinem seiner Theile bei den Juden erhalten, und Niemand höre auf, ein Bekenner des jüdischen Glaubens zu sein, wenn er auch die Dogmen des Talmuds ganz verwirft. Achnliches, fährt Referent fort, tritt auch bei den Christen hervor in Ansehung der so mannigfaltigen Streitschriften der christlichen Scholastiker; die oft so paradoxen Sätze derselben, wird Niemand für den Geist des Christenthums ansgeben. Wie dieser in dem N. T., so ist das Wesen der jüdischen Religion im A. T. zu suchen. Das Zeugniß, welches nun der jüdischen Religion von Herrn v. Gumpenbcrg gegeben wird, wird jeder Jsraelite mi* Freuden begrüßen und in ihm ein Denkmal mehr von der fortgeschrittenen Zeit Zeugniß gebend, erblicken. Die jüdische Religion, sagt Hr. v.G., hat alle Tendenz einer rein moralischen Religion; der Mosaismus ist weder Götterdienst noch Schwärmerei; der Gott der Juden ist der christliche Gott. Die Grundideen beider Religionen gehen, wie schon einmal erwähnt, von derselben Wurzel aus; was wir Tugend nennen, ist auch denJuden Tugend, was uns Laster ist, nennt auch der Jude Laster. Nachdem Referent für seine Behauptung einige Belege aus dem Religionsbuche von Dr. A. Brhr angeführt , fährt er also fort: Cs könnte hier die Frage aufgeworfen werden, woher es denn komme, daß trotz dieser Religionsgcbote dennoch so manche Inden dahin trachten, ihre Nebenmenschen zu übervortheilen? Allein, eben so gut, lautet die Antwort, könnte gefragt werden, warum so manche Christen sich dem Wucher oder Betrüge hingcben, und ob deßbalb ein Tadel auf ihre Glaubenslehre geworfen werden dürfe? In den obigen schönen, beißt es nun im Referate weiter, im christlichen Sinne erhabenen Lehren wird die jüdische Jugend auferzogen, der achtbare Charakter so vieler Rabbiner im Königreiche, ein Stand, dem sich die Besten aus der jüdischen Bevölkerung zuwenden, da dem Bildungsfähigen sich alle anderen Wege verschließen, verbürgt, daß diese Lehre nicht allein in ihrer ganzen Reinheit fortgepflanzt, sondern daß mit Wärme dahingearbeitet wird, ein Volk immer mehr zu veredeln, welches nur deßhalb rief gesunken war, weil unter dem Drucke der ihnen feindlichen Gesetze ein Aufschwung znm Bessern kaum möglich wurde. Roch wirken die Rabbinen auf ihre Gemeinden, indem sie dieselben auffordern, auf die Gerechtigkeit der Regierung zu bauen, und dieselben dadurch anspornen, kräftig auf der Bahn der Vervollkommnung fortznschreiten. Wird auch diesmal die so billige Hoffnung zu Nichte, dann tritt der Mißmuth ein, der gewöhnlich zu Rückschritten führt. Referent kommt nun (§. 8) zur Widerlegung der speciellen Einwürfe, welche die Gegner der Cmancipation zu machen pflegen, und zwar zunächst an die, daß manche den Cuttus betteffende Vorschrift, wie z. B. die Feier des Sabbaths, der Nichtgenuß mancher Speisen, daL