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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-24 · Heft 21 (24.5.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 21 (24.5.1846)
Date
1846-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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103 wiederholter Anträge mehrerer Abgeordneten bei dem gegenwärtigen Landtag, in dem Betreffe, durch das Präsidium der Kammer diese wichtige Angelegenheit bei dem königl. Staatsministerium, d. I. in Erinnerung gebracht und von demselben Auskunft verlangt werden möge, ob der versprochene Gesetzentwurf ehestens zu erwarten sei, um in dcrmaliger Sitzung noch diesen Gegenstand zum Bortrag bringen zu können. Die Antwort des königl. Ministers lautete dahin, daß die Erlassung eines neuen Gesetzes, wodurch die Verhältnisse der Israeliten geändert werden sollen, noch nicht zeitgemäß gefunden werde, ungeachtet des Zugeständnisses, „daß d'e erbobencn statistischen Ucbersichten, in Anbetracht des kurzen Zeitraumes seit der Bekanntmachung des Ediktes vom 10. Zuni 1813, und bei vielen verschiedenartigen widrigen Einwirkungen schon zur Zeit befriedigende Resultate geliefert hätten." Man war gleichwohl nicht durchaus befriedigt und überzeugt, daß bei einer so lange gedrückten und vernachläßigten Menschenklasse noch sehr viel zu tbun übrig sei, — und — ließ den Druck fortbesteben. Ter UI. Ausschuß und mit ibm die Kammer glaubte damit der Zusicherung entsprechen und bei der erhaltenen Aufklärung sich beruhigen zu können. (Wer die bestehenden Ausnahmsgesetze kennt, muß staunen über die Beruhigung durch eine solche Aufklärung.) Bis zum Landtage im Jahre 1831 finden wir in den ständischen Verhandlungen der Verhältnisse der Israeliten keine Erwähnung mehr getban. In dem genannten Jahre erneuerte diese ihre Bitten um Revision der sie betreffenden Ausnahmsgesetze. Die Kammer beschloß, Se. Maj. darum zu bitten, und im Landtagsabschiede wurde darauf hin verheißen: „eine umfassende Revision der über die Verhältnisse der isracl. Glaubensgenossen bestehenden Gesetze und Verordnungen vorzunehmen und den von den Ständen vorgelegten Antrag (den Entwurf eines auf Beseitigung der gegründeten Beschwerden der Judenschaft und die Erleichterung ihrer bisherigen bür» gerlichen Verhältnisse zielenden Gesetzes vorlegen zu lassen) sorgfältig zu berücksichtigen." Aber auch diese Verheißung wurde bei dem darauf folgenden Landtage 1834 nicht erfüllt und es fanden sich die HH. Abgeordneten Eberz, vr. Schwind!, Dekan Weinmann und Advokat Willig veranlaßt, in zwei gleichlautenden Eingaben den Antrag zu stellen, „bei der königl. Staatsregierung sich zn verwenden, daß die Verbesserung der bürgerlichm Verhältnisse der Israeliten durch die bereits mehrmals zugesicherte Revision doch endlich einmal erfolge. Ter Landtagsabschied schweigt über die Anträge, was zu erkennen gibt, daß die Regierung, trotz ihrer Zusagen nicht Sinnes war, eine Aenderung eintreten zn lassen. So verstrichen abermals 11 Jahre, während welcher die bairischen Unterthanen mosaischen Glaubens, wahrscheinlich entmutbigt, keine weitere Schritte bei den Ständen rhaten*), um eine Verbesserung ihrer Zustände zu veranlassen, nichtsdestoweniger aber mit Eifer an ihrer Veredlung fortarbeiteten, um durch Aneiferung und Geldopfer die Acrmcren ihrer Glaubensgenossen vom Schacher- Handel ad-, dem Ackerbau und den Gewerben zuzusnhren. Von dieser geschichtlichen Darstellung zur Gegenwart übergebend fährt Hr. v. G. fort: Gegenwärtig nun, wo eine neu herangewachsene Generatiou in das staatsbürgerliche Leben zn treten wünscht, für welches sie sich ausbildet, eine Generation, die von dem Gefühle durchdrungen ist, daß, wenn nur der Mcufch ein geistig und moralisch tüchtiger sei, ihm sein Glaubcusbekcnntniß nicht im Wege stehen könne und dürfe — gegenwärtig tritt die Judenschaft in Baiern mit größerem Selbstgefühle auf, denn sie haben einen Theil der ihnen durch das Edikt von 1813 gestellten Aufgabe gelöst, sie haben eine mehr als 30jährige Lehrzeit durchgemacht und weisen nun auf die viel befriedigenden Resultate ibrer Bestrebungen. Wohl möchte es von Interesse sein» eine Vergleichung zwischen der Zabl der Israeliten, die sich gegenwärtig dem Ackerbau, den Gewerben, der Kunst und Wissenschaft widmen, vor Angen zu haben; allein es findet sich nichts dergleichen im statistischen Bureau des königl. Ministeriums d. I. und so läßt sich hieraus folgern, daß die Regierung, wenn sie einerseits den Israeliten im Königreiche die Verbesserung ihrer Verhältnisse, wie ein anderes gelobtes Land in ferne Aussicht gestellt und ihre bessere Ausbildung alS den Weg dahin bezeichnet hatte, dies gedrückte Volk nach einer 30jahrigen Wanderung durch die Wüste noch immer das verheißene Land, wie eine fala morgana vor seinen Augen schwinden sieht. Wie unsicher wäre es für daS *) Unterließen jedoch nicht, in mehreren Vorstellungen die Staatsregierung um Einbringung eines Gesetzentwurfes zu bitten. Eorrefp.

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