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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-01-16 · Heft 3 (16.1.1848) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 3 (16.1.1848)
Date
1848-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M3 Oberconffstorkalrath betrauet und implicite ward auch dleFrage beliebiger Auflösung bestehender Rabbinate im Sinne der allrrh. fröhern Erlasse bejahend entschieden. Wohl sagt man mit dem Dichter: „des Men'chen Wille ist sein Himmelreich!" aber auch Kinder haben einen Witten, den man ihnen eben so wenig läßt, wie man ihn geistig Unmündigen auch nicht lassen sollte. ES ist darum mehr der Geist, die allgeinrine Richtung des genannten Mknistcrinms, den wir als unsrer Sache günstig bezeichnen müssen. Sicherlich wäre bei längerer Lebensdauer desselben auch für uns viel ersprießlicheres noch geschehen, wozu ein schöner Anfang gemacht war. Die Fürthcr Angelegenheit wurde definitiv geschlichtet und die „ftomme Partei," ist mit ihrem Projekte eines Gcgen-Nab'eincrS, an welchem sich schon ein Gewissen zu wärmen gedachte, mit Glanz abgefahren. Die Erlaubnis zmn Bestich der projeklirtcn Nabbincrversaininlring wurde nicht nachgcsticht und wäre ficherlich nicht verweigert worden. Zn Sachen der NL'LO wurden die Gutachten der Gerichte-är;tc cingedott und fie find so ausgefallen, daß eine allgemeine Maaßregel im Sinne des Fortschritts nicht lange auf sich hätte warten lassen, lieber die h § 23 bis 34 des Edikts vom 10. Zuni IS 13, das gcsainmte Kirchenu::v Sbnlwcsen unserer Glaubensgenossen umfassend, werden erst dieser Tage die gutachtlichen Berichte der königl. Landgerichte und Distrikts-Schuliilspektiencn erholt. Zn den einzelnen Gemeinden ließ sich jedoch — einige vcninzelrc Erscheinungen abgerechnet — noch nichts von Veränderungen und Abänderungen ei spüren. Nun fragt fichs, ob durch den Rücktritt des mehrgcdachic» Ministeriums und namentlich durch die Verleihung des Ministeriums des Innern für Cultus - und Schul- Angelegenheiten au de» Fürsten v. Waller,'teil, etwas zu hoffen oder zu fürchten ist. Wenn der hohe Bildungsgrad dieses Staatsmannes und seine wiederholt erklärte Abneigung gegen das finstere Treiben der Nebersrommc» noch aus seinem früher» Dirken als Minister des Innern erinnerlich ist, und wie er namentlich die ungeprüften Rabbiner von der Theilnahmo an den Kreksversammlnugen i. I. 1636 ausschlo-, wie er in einem allerh. Erlaß den jüd. Eiferern erklärte, daß fie es find welche eine thcilwciso oder gänzliche Gleichstellung ihrer Elaubensbrüder mit den Christen aufbalten: der erwartet gewiß Großes und Folgenreiches auf dem jüdisch-kirchlichen Gebiete in der nächsten Zukunft. So viel vom Kirchliche». Zn politisch - bürgerlicher Beziehung sind so manche Anstrengungen von unserer Seite jedoch ohne wesentlichen Erfolg gemacht worden. Bei dem versammelt gewesenen außerordentlichen Landtage find cingelaufcn an Petitionen 1) eine kurze von dem Borstand Münchens, die zur Berichterstattung, aber nicht zn einer Debatte, noch weniger zu einem Gefammtbefchluß führte; 2) eine weitläufige vsn de« Gemeinden MiitelfrankcnS und eine dergleichen von den Gemeinden BambcrgS, beide ohne weiteren Erfolg, als zum Einlauf genommen worden zu sein. Zndcß schien das abgetretene Ministerium mit der Vorlage eines Gesetzentwurfs Ernst machen zu wollen, denn eS find statistische Notizen über die Zahl und die Gcwcrbsvcrhältnisse der Juden von den äußern Aemtern eingeholt worden. Dieselben haben sich auch über das Maaß der zu ertheilenden Rechte zu äußern und wie wir hören soll sich eine bedeutende Handclstadt am Main, von Katholiken bewohnt durch das Organ ihres Magistrats für völlige Gleichstellung der Inden berichtlich auögcspro bcn haben. Zm gleichen Sinne dürften vielleicht ähnliche Berichte aus Städten eingehcn. Von den Landgerichten mögen sie vielleicht nicht so günstig lauten. Wird dicS einen Ausschlag geben? Wir glauben nicht. In Preußen haben die Städte für die Juden petitionirt und dennoch! Will man nur von oben, so folgt Alles nach. — Die Vorlage eines Gesetzentwurfs beim nächsten Landtag ist erwartlich. Ob aber in der erwarteten Weise, daß die Sache der Fortgeschrittenen wesentlich gefördert, daß uns die Städte ihre Thorc öffnen müssen, daß die studirten Jünglinge im Staatsdienste verwendet und der Betrieb aller Gewerke dem Juden zulässsg wird, das wollen wir nicht im Voraus verneinen, auf daß man uns nicht einen Nnglücksprophcten nenne. Gewisse Verhältnisse und die ganze Physiognomie der Kammer dürften es aber rathsam machen, die Hoffnungen nicht zu hoch zn spannen. — Run noch einiges Andre: Mitten in die Zeitcrscheinunge», die überall ein Annähern, ein Ausgleichen der srühern, aus Intoleranz entstandenen Mißverhältnisse bekunden, greift eine Maaßrcgel eines Instituts, das Glaubensverschiedcnheit gar nicht kennen sollte. Die Münchner - Achncr Fencrversscherungsanstalt will jüd. Kauflcute en «ietail gar nicht mehr zur Versicherung annehmen oder sie doch sehr erschweren. Näheres später. Endlich znm Schluffe nrnß sichs der Leser gefallen lassen, wenige Worte über den Schreiber dieses selbst zu hören. Männiglich ist bekannt, daß wer nur irgend ein M i. nst um die Sache des Fortschritts in Israel hat. im „Zieuswächter" hcrunterge« rissen wird. Da mir nun l)r. Jost die Ehre erwiesen hat, mich in der Fortsetzung feiner Geschichte als Volksschriftsteller zu nennen, so war cS ganz in der Ordnung, daß ich in demselben No. 39 gcschinähck wurde, und ich danke meinem reimenden Freunde in Würtcmdcrg, daß er dieses fromme Werk gethan hat.

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