Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1848)
- Date
- 1848-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Wirkung der Begründer und Leiter desselben wohl bald zu einer Celebrität gelungen dürfte, und rcrgl. mehr: so ist der tadclsüchtige und hämische Korrespondent gleich bet der Hund, den eigentlichen Stundpnnlt zu verrücken, Thutsuchen zu entstellen, sucht Schattenseiten uns und bildet sich ein, den gedachten Per» senen und den von ihnen vertretenen Interessen einen Schandfleck uufgebeftet zu Huden. So wenig man indeff'N derartige Uedelstünde der Nevuction zum Vorwurfe zu machen geneigt ist, so ist doch die Verkennung des wahren ZustundrS der Dinge und die Irreleitung der öffentlichen Meinung eine ebenso natürliche alS bedauerliche Folge hievon. Wicterholcntlich müssen wir daher den Wunsch uuesprechen, die löblichen Redaktionen jüdischer Zeitschriften möchten dock ihren Correspondente» etwas mehr Gesinnung und Anstand zur Pflicht mache». So manchen Publicistcn vrranlastte dieser Wunsch zu der Beschwerde, daß schon wieder ein Aufruf znm Einschreiten gegen die Freiheit ergehe, und zu der Frage, od denn die Deutschen die freie Presse nicht ertragen lernen wollten. Uns erscheint zur Beschwerde eben sowenig wie zur Frage ein genügender Grund vorzukiegen. Die Sachlage ist immer einfach die: Ncologrn und Hyperorthodore, Reformgesinntc und Stabilisten, Reccnsentcn und Autoren grrathen in Streit mit einander über spnagogale und dogmatische Tendenzen, oder man ist uneinig über dies und jenes. Darin liegt nichts Auffallendes, vielmehr ist diese Erscheinung natürlich ic.'id gclvöhnlr'ch. Die Kämpfer verlassen mitunter den objectioen Standpunkt und fassen einzelne Persönlichkeiten und Nebendinge inS Auge. Auch dagegen kann Nicinand etwas cinwcnde», denn Personen sind Repräsentanten der Jactionen. Wer öffentlich hervoriritt, muß ans einen im Wege der Ocffcntlichleit erhobenen Widerspruch gefaßt sein. Wenn nun aber die Art derDiscufsion die Grenzen des Anstandcö überschreitet, dann ist doch wohl eine Ncdaclion nicht blos im vollste» Rechte, sondern sie hat auch die ernste Verpflichtung, dergleichen Verfassern ein vernehmliches rrut — nut! znzurufcn und ihnen geradezu zu sagen: Entweder ihr faßt eure Aussätze mit Gesinnung und Zustand ab oder behaltet sie. sofern ihr das nicht vermögt, als Aariiiscript für euch zurück, und Zwar im Interesse der Sache wie in eurem Interesse. Kann man dies ein Einschreiken gegen die Freiherr nennen? Bestimmter gefaßt, ist cS nur eine Beschrän. kung derjenigen Freiheit, die eS sich hrrausnimmt zu schmähen, zu verdammen und zu verketzern. Mau meint, die Deutschen lernten durchaus nicht dis freie Presse criragcn. Bestimmter susgcdrückt, müßte der Einwand heißen: Die Deutschen wissen eine Presse nicht zu schätzen, die ihre Freiheit in einer unanständigen und hämischen Polemik sucht. Wan bezieht sich auf düS Recht der Nolhwehr gegen verwundende Stiche und giebt ihm die Erlaubnis, dasselbe mit gleichem Rechte zu Ihn». Aber genau betrachtet, würde das der direkte Weg zu jener bekannten Theorie: j Auge um Auge». f. w. fein. Man beruft sich ». A. auf LutherS I Derbheit; als ob sich nicht eine Grobheit in dem vor 300 Jahren herrschenden Stil und Zeitgeschmack ganz anders ausnimmt als in der jetzt gangbaren Schreibweise! Rückblick auf *817. Bayern. Einem fleißigen Eorrespondenten, wie Referent einer zu sein vermeint, fällt cS, will c sich nicht wiederholen, schwer einen übersichllichcn Bericht des im adgelaufeucn Jadr Geschehenen und Vorgefalkencn zu liefern, doch wo, wie bei uns der Umschwung so schnell erfolgte und die schönen Hoffnungen wie die Pilse auS dem Boden emporschießen, wo sich die alte Erfahrung der Geschichte, daß die Macht des Zeitgeistes unaufhaltsam ciicherschrei» tet, sich nicht minder bewährt hat, als der Erfahnmgcsatz, man müsse immer zwei Schritte rückwärts thun, um einen großen Sprung vorwärts zu machen i. e. eine Polka tanzen: da greift man wohl 31":: noch einmal zum Pinsel um ein Gesammtbilo wenn auch nur in Holzschnitt, zu geben. Unter den günstigste Auspizien — für die Finsterlinge hatte das Jahr begonnen; eine zweite Auflage des Wöllner'scden Wesens spuckte überall, überall .vittertc man Neokogie; uns odi'chou auch die politisch - bürgerliche Einpfählung damit Haas in Hanv ging, das verschlug nichts, wußte man doch, daß die Rabbiner nichts fein dürfen. Hätten doch unsere Fronnnen ans purer Frömmigkeit gegen die bürgerliche Gleichstellung petilionirt, wem: ibneu nicht ein jüdischer Großer mit Entziehung feiner Protektion georohet hätte. — Nicht wollen wir jedoch das Sündenregister des Abel'scheri MinistcriumS gegen uns erneuert aufführcn, dessen Ausdehnung und Ccnsequcuzcn allmählich immer mehr zu Tage kommen und die in kurzer Zeit unfehlbar in der gänzlichen Lossagung des Staats von der Beaufsichtigung unsres Kirchen- und Schulwesens gcendet hätten. Nun wohl! wir sagen mit euch: und freuen uns deS Zusammenhangs unsrer guten Sache mit der Sache rcS Fortschritts überhaupt. Ader auch in Panegyriken über das Miur'stcrkum V. 1. März wollen wir unS nicht ergehen. Wir haben sogar Ursache, wie schon gemeldet, mit einer seiner Entscheidungen kn kirchlicher Sache ia formeller »vre prinzipieller Beziehung wenig zufrieden zu sein. Eine Gemeinde rekursirt in Sachen Anschlusses an ein Rabbinat. Mir dem drßfaüsigea Rs'::at ward nun ein drkanuttr orthodoxer